Sybille Morch
Sybille Morch hat ihr Leben komplett neu ausgerichtet, Deutschland verlassen und auf Koh Samui eine neue Heimat gefunden. Dort entsteht schließlich der besondere Ort, der heute ihr Zuhause ist – und das von mittlerweile rund 30 Hunden. Viele von ihnen sind schwer verletzt, traumatisiert von anderen bereits aufgegeben. Mit selbstgebauten Rollstühlen, medizinischer Versorgung, viele Fürsorge und unermüdlichem Einsatz schenkt sie den Hunden ihre Lebensqualität zurück und findet darüber ihr eigenes Lebensglück. In "Pfoten im Sand" erzählt sie ihre Geschichte.

Was gibt es Schöneres, als wenn meine Hunde und ich dazu beitragen können, mehr Menschlichkeit, Mitgefühl, Freude und Hoffnung in die Welt zu bringen.
Sachbuch-Couch:
Hallo Sybille, „Pfoten im Sand“ ist ein wunderbares Buch geworden. Vielen Dank dass Du Dir etwas Zeit für meine Fragen nimmst.
Sybille Morch:
Hi André, vielen Dank für deine wundervollen Worte zu meinem Buch. Das bedeutet mir sehr viel und ich freue mich jetzt sehr auf unser Interview.
Sachbuch-Couch:
Du hast Dein Leben komplett neu ausgerichtet, Deutschland verlassen und auf Koh Samui eine neue Heimat gefunden. Hunde bestimmen Dein Leben. Deine Geschichte erzählst Du nun in deinem Buch. Wie fühlt es sich an, „Pfoten im Sand“ endlich in den Händen zu halten?
Sybille Morch:
Ganz ehrlich: Es fühlt sich bis heute noch ein bisschen unrealistisch an, dass ich jetzt mein eigenes Buch in den Händen halte. „Pfoten im Sand“ ist zwar schon am 22. April erschienen, aber mein Exemplar hat erst zehn Tage später seinen Weg nach Koh Samui gefunden. Als ich das Paket geöffnet habe, war das für mich ein völlig unbeschreiblicher Moment. Es war überwältigend.
Ich liebe den Geruch von neuen Büchern und dann plötzlich meine Nase in mein eigenes Buch zu stecken, war einfach traumhaft. Diese Chance bekommen zu haben, ein Buch schreiben zu dürfen, bedeutet mir unglaublich viel. Und nach diesen vielen Monaten des Schreibens noch einmal meinen bisherigen Lebensweg Revue passieren zu lassen, mit all dem Glück, aber auch den Sorgen und Gefühlen, und das alles plötzlich so kompakt und wunderschön in den Händen zu halten, ist etwas ganz Besonderes.
Sachbuch-Couch:
Es war ein langer Weg, bis Du dich endlich entschieden hast, Deutschland den Rücken zu kehren. Nach so vielen Jahren auf der Insel, vermisst du eigentlich etwas aus deinem früheren Leben in Deutschland, deinem Beruf als Medizinerin? Oder bedauerst du es eher, nicht früher diesen Weg eingeschlagen zu haben?
Sybille Morch:
Es ist vielleicht eine eher unspektakuläre Antwort, aber das, was ich wirklich vermisse, ist tatsächlich das Essen. Ich erzähle immer von der Linsensuppe meiner Mutter und das hat sich bis heute nicht geändert. Und auch Brot schmeckt in Deutschland einfach anders.
Natürlich vermisse ich auch meine Freunde und meine Familie. Ich habe aber das große Glück, dass viele von ihnen Urlaub auf Koh Samui machen, um meine Hunde und mich zu besuchen und auch tatkräftig mit anzupacken. Das ist für mich ein riesengroßes Geschenk.
Meine Zeit als Ärztin habe ich sehr gerne in Erinnerung und ich habe für mein Leben gerne operiert. Aber ich vermisse es heute nicht mehr. Am Anfang war das noch etwas anders. Da ich ja weiterhin als medizinische Beraterin in Thailand arbeite, kann ich diese Fürsorge als Ärztin auch heute noch in den Gesprächen mit den Patienten weitergeben. Das macht vieles leichter, denn ich bin wirklich unglaublich gerne Ärztin.
Ob ich diesen Weg rückblickend früher eingeschlagen hätte? Nein. Denn all das, was ich erlebt habe, auch meine Berufserfahrung und jede einzelne Entscheidung, haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Es war nicht immer leicht, aber genau deshalb bin ich heute sehr dankbar für all diese Erfahrungen und für alles, was ich lernen durfte. Für mich fühlt es sich deshalb genau richtig an, wie alles gekommen ist.
Sachbuch-Couch:
Fast 30 Hunde leben heute bei Dir (oder mittlerweile schon mehr?). Sie haben alle mit Einschränkungen zu kämpfen, benötigen viel individuelle Versorgung, Liebe und Beschäftigung. Wie müssen wir uns einen typischen Tagesablauf vorstellen - der, wie wir erfahren, sehr früh beginnt?
Sybille Morch:
Momentan sind es tatsächlich immer noch 30 Hunde und jeder Tag beginnt bei zwischen fünf und halb sechs. Und das komplett ohne Wecker. Das ist für mich eines der größten Geschenke überhaupt. Für mich gab es früher kaum etwas Schlimmeres, als nachts darauf zu warten, dass irgendwann der Wecker klingelt und man aufstehen muss. Das habe ich heute nicht mehr. Wenn ich wach werde, bin ich fit und dann geht es auch direkt los.
Mein Tag beginnt damit, dass ich mit der ersten Truppe zum Strand gehe, der fast direkt vor meiner Haustür liegt. Und das Schöne ist, dass hier um diese Uhrzeit wirklich niemand so früh auf ist. Ich kann also ungewaschen aus dem Bett springen und loslaufen. Das mache ich ungefähr bis sieben Uhr und dann gibt es endlich den ersten Kaffee. Gerne auch zwei oder drei.
Da fast alle meine Hunde inkontinent sind und mit mir zusammenleben, gibt es danach erstmal sehr viel zu putzen. Ich habe zwei wundervolle Thai-Freundinnen, die mir dabei helfen und ohne sie würde vieles gar nicht funktionieren. Wir schrubben aber nicht nur Böden, sondern fast alle Hunde müssen auch einmal täglich gebadet werden, damit der Urin die Haut nicht reizt.
Danach folgen die nächsten Spaziergänge, denn bei 30 Hunden braucht es mehrere Runden. Die versuchen wir möglichst am Vormittag zu schaffen, weil es später einfach zu heiß wird. Und dann geht der Tag eigentlich nahtlos weiter. Spielen, kuscheln, Verbände machen, Physiotherapie, damit die Beine trotz Lähmung gut durchblutet bleiben, Krallen schneiden, bürsten und natürlich füttern. Zwischendurch muss auch mal ein Hund zum Tierarzt, zur Blutabnahme oder zum Röntgen. Oder es passiert etwas völlig Ungeplantes und ein neuer schwer verletzter Hund findet seinen Weg zu mir.
Ich habe eigentlich immer mein Handy dabei, denn die Stories auf Instagram entstehen bei uns spontan mitten aus dem Alltag heraus. Ich zücke mein Handy in jeder Situation. Und wenn die Hunde nach den Spaziergängen schlafen, nutze ich die Zeit oft dafür, Instagram zu pflegen, Nachrichten und E-Mails zu beantworten oder auch mal ein neues Reel zusammenzuschneiden.
Gegen sechs Uhr werden dann langsam alle Hunde bettfertig gemacht und spätestens um sieben ist es dunkel und der Tag vorbei. Ich sage immer, ich lebe mit dem Licht. Und ehrlich gesagt mag ich diesen gleichmäßigen Rhythmus sehr.
Sachbuch-Couch:
Wieviel Zeit bleibt da für Hobby, Freunde oder gar Partnerschaft? Oder einfach mal für Dich selbst, um abzuschalten?
Sybille Morch:
Da muss ich selbst ein bisschen schmunzeln und wahrscheinlich hört sich das auch etwas verrückt an, aber ich habe tatsächlich das Gefühl, unglaublich viel Zeit für mich selbst zu haben. Über das Jahr kommen mich viele Freunde besuchen und alle lieben meine Hunde, sodass Zeit mit Freunden, lachen, reden und zusammen sein eigentlich ganz automatisch mit meinen Hunden stattfindet.
Ich lese für mein Leben gerne und dafür bleibt abends auch immer Zeit. Oder ich gehe mit Freunden noch etwas essen oder trinken. Das passt immer wunderbar für zwei, drei Stunden.
Sagen wir mal so: Ich lebe mein Hobby. Und es ist genau das Leben, das mich glücklich macht. Deshalb fühlt sich nichts davon nach Verzicht an. Ich gehe gerne schwimmen, aber auch das kann ich wunderbar mit meinen Hunden zusammen machen. Und tatsächlich bleibt zwischendurch immer kurz Zeit, irgendwo in einem Café zu sitzen, Kaffee zu trinken und den Moment zu genießen.
Was mir aber sehr wichtig ist und was ich bis jetzt tatsächlich jedes Jahr geschafft habe, ist für ungefähr zehn Tage nach Europa zu reisen. Ich liebe die europäische Kultur und genau das vermisse ich hier auf der tropischen Insel. Besonders gerne fahre ich nach Italien, dieses Jahr war ich in Frankreich. Dann laufe ich einfach durch die Stadt, gehe essen, sitze in Cafés und halte mich stundenlang in Museen, Kirchen oder auf Konzerten auf. Aber zehn Tage sind dann definitiv genug, weil ich meine Hunde viel zu sehr vermisse und einfach wieder nach Hause möchte.
Sachbuch-Couch:
Wie beschwerlich es ist und wieviel Geduld es braucht, um den Hunden wieder Lebensqualität zurückzugeben, beschreibst du auch in deinem Buch. Auf Social Media können wir in Videos sehen, wie Du Hunde behandelst und therapierst. Ich bewundere Deine Sanftheit, die Klarheit und Ruhe. Die Hunde scheinen sich dir oft förmlich hinzugeben, als wüssten Sie, welche Bedeutung Du für sie hast. Spürst Du diese Verbindung?
Sybille Morch:
Ja, diese Verbindung spüre ich immer. Und genau das gibt mir auch diese Ruhe und Klarheit, egal wie lange es dauert. Manchmal braucht ein Hund Monate, bis er sich regeneriert oder sogar wieder laufen kann. Ich kann dieses Gefühl selbst gar nicht richtig beschreiben, diese tiefe Verbundenheit zu den Hunden. Aber sie ist ganz klar da. Eine Freundin von mir, die gleichzeitig eine ehemalige ärztliche Kollegin ist, hat das vor ein paar Monaten, als sie mich besucht hat, sehr gut in Worte gefasst. Mir selbst war das vorher gar nicht so bewusst. Jedes Mal, wenn sie mich besuchen kommt, habe ich gerade wieder einen Hund in einem sehr schlimmen Zustand aufgenommen. Sie sagte: „Jedes Mal denke ich, wenn ich den neuen Hund sehe, das geht gar nicht. Das schafft Sybille diesmal nicht, das schafft der Hund nicht. Aber du siehst das alles gar nicht. Du siehst sofort das Potenzial, das dieser Hund hat. Dann fängst du einfach an, ganz ruhig, ganz positiv und arbeitest mit ihm. Und dann funktioniert es fast immer.“ Ich glaube, erst durch ihre Worte wurde mir selbst richtig bewusst, wie sehr ich auf dieses Gefühl vertraue. Ja, ich bin all meinen Hunden zutiefst verbunden. Immer.
Sachbuch-Couch:
Du schreibst in deinem Buch auch, dass du in den Augen schwer verletzter Hunde siehst, wenn sie leben wollen. Es sind sehr ergreifende Schilderungen, denn es ist immer der Moment, der auch für dich wichtig ist. Wie schwer ist es, trotz all deiner Erfahrung abzuwägen und möglicherweise über Leben und Tod entscheiden zu müssen?
Sybille Morch:
Eine solche Entscheidung lastet jedes Mal sehr schwer auf mir, weil ich weiß, dass ich manchmal einfach die letzte Chance für einen Hund bin. Alle meine Hunde wären heute nicht mehr am Leben, wenn sie nicht bei mir wären. Das Ganze bringt eine unglaublich große Verantwortung mit sich. Meine ärztliche Tätigkeit dabei hilft, mit dieser Verantwortung umgehen zu können und sie vor allem auch zu tragen. Und natürlich muss auch ich manchmal entscheiden, einen Hund gehen zu lassen, wenn die Verletzungen einfach zu schlimm sind. Aber auch diese Hunde geben mir ein ganz klares Zeichen. Ihre Augen, ihr Verhalten, sie strahlen irgendwann aus, dass es genug ist. Und dann weiß ich auch, dass ich die richtige Entscheidung treffe. Es macht mich traurig, aber gleichzeitig bin ich sehr dankbar, dass ich sie auf diesem Weg begleiten darf.
Sachbuch-Couch:
Für viele Hunde ist die Genesung ein langer Weg. Fortschritte sind klein und mühsam, es gibt Rückschläge. Als Ärztin hast Du gelernt, das Leid Deiner Patienten nicht zu sehr an Dich heran zu lassen, damit du daran nicht zerbrichst, wie du auch in Deinem Buch ausführst. Aber das Schicksal einer deiner Hündinnen hat dich nachhaltig verändert: Lilo. Sie wurde vergiftet. Zu einem Bild von ihr schreibst Du: „Dieser Gewaltakt hat etwas in mir zerbrochen“. Denkst Du noch häufig daran? Was bedeutet es heute für dich?
Sybille Morch:
Ich denke jeden Tag an Lilo. Sie ist immer gegenwärtig. Ich habe ihr Gesicht auf meinen rechten Unterarm tätowieren lassen und dieses Tattoo ist so echt geworden wie eine Fotografie. Gerade jetzt mit der Veröffentlichung des Buches ist alles wieder sehr präsent und tut auch wieder sehr weh.
Was das mit mir gemacht hat? Ich habe definitiv ein Stück Vertrauen in Menschen verloren. Menschen können grausam sein, hinterrücks und kalt. Und genau das ist es, was etwas in mir zerbrochen hat. Egal wie sehr ich versuche, meine Hunde zu schützen, das ist etwas, was ich niemals vollständig kontrollieren kann. Diese Tat ist wie ein dunkler Schatten, der mich begleitet. Und das wird auch immer so sein.
Das Kapitel über Lilo in meinem Buch habe ich komplett an ihrem ersten Todestag geschrieben. Ich habe später kaum etwas daran verändert und auch meine Lektorin Sabine hat an diesem Kapitel nichts verändert. Es wurde genau so veröffentlicht, wie ich es an diesem Tag geschrieben habe.
Sachbuch-Couch:
In Thailand und auf Koh Samui gibt es sehr viele Straßenhunde. Wie schwer ist das mit der Infrastruktur um dich herum: Einheimische, Politik, Behörden? Sicherlich haben nicht alle Verständnis für Deine Fürsorge, oder? Hat sich das mit der Zeit verändert?
Sybille Morch:
In all den Jahren hatte ich tatsächlich noch nie Schwierigkeiten mit Einheimischen oder Behörden. Natürlich gibt es überall auf der Welt Menschen, die Hunde nicht mögen, aber ehrlich gesagt fällt mir das hier manchmal eher bei manchen Ausländern oder Touristen auf als bei den Thailändern selbst. Dort, wo ich wohne, haben viele meiner thailändischen Nachbarn ebenfalls Hunde und sie finden es total spannend, wenn wir mit meinen Rollstuhlhunden spazieren gehen. Viele winken, machen Fotos oder filmen uns. Und es gibt auch immer wieder Thailänder, die mich um Hilfe bitten. Gerade erst habe ich einen neuen Hund aufgenommen, Peppone. Er wurde von einem Moped angefahren und wird vielleicht nie wieder seinen Hinterbeinen benutzen können. Viele Menschen hier haben weder das Geld für teure Tierarztkosten noch das nötige Know-how und sind dankbar für meine Hilfe.
Trotz allem, was damals mit Lilo passiert ist, habe ich hier grundsätzlich sehr viele positive Erfahrungen mit den Menschen gemacht.
Sachbuch-Couch:
Ich bin übrigens über Niall Harbison auf Dich aufmerksam geworden (sein Buch „Hope“ ist auch auf der Sachbuch-Couch rezensiert). Euch eint die unbändige Leidenschaft Hunden in größter Not zu helfen und ihr beide habt darin euren wahren Lebenssinn gefunden. Wie steht ihr heute in Verbindung?
Sybille Morch:
Niall und ich haben uns 2023 kennengelernt. Er brauchte damals Hilfe wegen einer alten, gelähmten Hündin, die überfahren wurde. Ich habe sie damals aufgenommen. Ihr Name ist Miss Marple und heute schmückt sie die Rückseite meines Buchcovers.
Als Niall anfing, seine Organisation aufzubauen, half ich ihm vor allem bei Fragen rund um die Versorgung schwer verletzter Hunde und habe auch noch weitere Hunde übernommen, die er und sein Team gefunden haben, zum Beispiel Fabius, der angeschossen wurde. Auch wenn wir beide sehr viel zu tun haben, sehen wir uns zwischendurch privat auf einen Kaffee. Und natürlich helfen wir uns auch weiterhin gegenseitig, wenn es um schwierige Hundefälle geht.
Sachbuch-Couch:
Wer Dir auf Instagram folgt, wird von einem Schicksal unweigerlich mitgerissen worden sein. Ich meine Robber. Er war eine besondere Herausforderung für Dich und lässt dich auch heute noch nicht los, oder?
Sybille Morch:
Robber ist etwas ganz Besonderes für mich. Als er bei mir war, war es fast so, als hätte ich einen wilden Wolf in meinem Haus, der Hilfe braucht.
Er war damals in einem so schrecklichen Zustand, neurologisch völlig ausgenockt und mit schweren Krampfanfällen, dass selbst für mich überhaupt nicht klar war, ob er es schaffen kann. Ich musste ihn damals ununterbrochen betreuen, weil er absolut nichts konnte. Aber er hat sich mit so unglaublicher Kraft zurück ins Leben gekämpft. Das mitzuerleben war ganz wunderbar.
Gerade als er halbwegs wieder auf seinen Beinen stehen konnte, ist er gleich zweimal ausgebrochen, um zurück zu seinem Platz zu finden, in einer völlig anderen Gegend als mein Zuhause. Bis heute ist mir unklar, wie er das in diesem Zustand überhaupt geschafft hat. Die beiden Rettungsaktionen, ihn wiederzufinden und auch wieder einzufangen, haben mich extrem viel Kraft gekostet, psychisch wie körperlich.
Aber wir haben das gemeinsam geschafft. Für mich war ganz klar, dass ich ihn, sobald er wieder gesund genug ist, dorthin zurückbringe, wo er lebt. Das hat er mir ganz deutlich gezeigt.
Als ich das damals auf Instagram erzählt habe, dachte ich zuerst, dass bestimmt viele Menschen das kritisch sehen würden. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Es hat mich unglaublich berührt, wie verständnisvoll meine Follower waren und dass sie verstanden haben, dass das genau die richtige Entscheidung für Robber ist.
Heute lebt er wieder in seinem alten Bereich, wo er schon seit neun Jahren von den Anwohnern gefüttert wird. Die intensive Zeit, die wir beide zusammen hatten und in der ich ihn sogar anfassen konnte, ist leider vorbei. Ich freue mich trotzdem jedes Mal wie verrückt, wenn ich ihn sehe. Er wedelt immer fröhlich mit dem Schwanz, aber anfassen lässt er sich nicht mehr.
Mein Herz geht jedes Mal auf, wenn ich diesen großen, stolzen Kerl heute wieder gesund und lebensfroh sehe.
Sachbuch-Couch:
Du hast etwas gemacht, was sich sicherlich viele Menschen wünschen, aber wofür sie nicht den Mut haben: Auf sein Herz zu hören und seinem Traum nachzugehen. Deiner ist nun Realität geworden. Hast Du denn neue Träume oder besondere Ziele, die du dir mittlerweile setzt?
Sybille Morch:
Tatsächlich träume ich vor allem davon, dass alles so weitergeht. Und damit meine ich nicht, immer mehr Hunde aufzunehmen, sondern dass meine Hunde und auch meine eigene Geschichte noch mehr Menschen erreichen.
Ich freue mich jedes Mal über Nachrichten von Followern, die mir schreiben, dass ich ihr Weltbild, ihre Sichtweise verändert habe. Dass sie behinderte Hunde plötzlich mit ganz anderen Augen sehen. Dass sie verstehen, wie viel Lebensfreude und Lebensqualität auch diese Hunde haben können.
Die Geschichte mit der Schulklasse aus Philadelphia in den USA vor zwei Jahren hat mich unglaublich berührt. Ihre Lehrerin hatte eine Projektwoche gestartet, in der es darum ging, Mitgefühl und Achtsamkeit bei ihren Schülern zu stärken. Die Kinder waren zwischen sechs und acht Jahre alt und für jede gute Tat, also zum Beispiel die Tür aufhalten, Danke sagen oder Essen teilen, bekamen sie eine kleine Belohnung. Am Ende haben sie dieses Geld an meine Hunde gespendet. Aber das Schönste war, dass jedes einzelne Kind einen persönlichen Brief an einen meiner Hunde geschrieben hat. Das hat mich damals zu Tränen gerührt.
Und was gibt es Schöneres, als wenn meine Hunde und ich dazu beitragen können, mehr Menschlichkeit, Mitgefühl, Freude und Hoffnung in die Welt zu bringen. Das ist für mich das Größte, was ich mir vorstellen kann.
Sachbuch-Couch:
Auf Social Media erhältst Du bereits aus aller Welt viel großartige Resonanz zu Deinem Buch. Und natürlich wünschen sich viele, dass „Pfoten auf Sand“ auch in andere Sprachen übersetzt wird. Gibt es da schon Pläne?
Sybille Morch:
Aktuell gibt es noch keine konkreten Pläne, aber ich wünsche mir sehr, dass „Pfoten im Sand“ auch auf Englisch veröffentlicht wird. Über 90 Prozent meiner Follower sind englischsprachig und fragen mich immer wieder nach einer englischen Ausgabe. Es wäre für mich unglaublich schön, wenn ich ihnen diesen Wunsch irgendwann erfüllen könnte.
Und was gibt es Schöneres, als wenn meine Hunde und ich dazu beitragen können, mehr Menschlichkeit, Mitgefühl, Freude und Hoffnung in die Welt zu bringen. Das ist für mich das Größte, was ich mir vorstellen kann.
Sachbuch-Couch:
Und wie sieht es vielleicht mit einem weiteren Buch von Dir aus?
Sybille Morch:
Ich habe schon immer gerne Geschichten geschrieben, aber hätte Lisa mich nicht Ende 2024 gefragt, ob ich Lust hätte, ein Buch über meinen Lebensweg zu schreiben, wäre es wahrscheinlich gar nicht dazu gekommen.
In den Monaten, in denen ich mein Buch geschrieben habe, ist mir klar geworden, wie viel Freude mir dieser ganze Prozess macht. Natürlich war es manchmal auch anstrengend, die Deadline im Kopf zu haben oder neben all dem Glück auch über vieles Traurige aus der Vergangenheit noch einmal nachzudenken. Aber es war eine durch und durch tolle Erfahrung für mich. Und ich merke, dass ich noch viele Geschichten in meinem Kopf habe. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, irgendwann noch ein weiteres Buch zu schreiben.
Das Interview führte André C. Schmechta im Mai 2026.
Foto von Sybille Morch
© privat




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