Pfoten im Sand

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André C. Schmechta
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Sachbuch-Couch Rezension vonMai 2026

Wissen

Auf rund 240 Seiten erzählt Morch in kurzen, dichten Episoden, die manchmal nur einen Absatz einnehmen. Zahlreiche Hundeschicksale begleiten die Erzählung – jedes mit eigener Geschichte, eigener Würde und eigenem Namen.

Ausstattung

Kompaktes Taschenbuchformat mit ca. 240 Seiten und vielen Farbfotos im Mittelteil.

Zwischen Medizin, Selbstfindung und bedingungsloser Tierliebe

Auch wenn es zunächst den Anschein hat, Pfoten im Sand ist mehr als ein Buch über behinderte Hunde. Es ist die persönliche Geschichte einer Frau, die sich aus einem scheinbar vorgezeichneten und erfolgreichen Leben löst und ihren Lebenssinn findet.

“Liebe und dieser verdammte Schmerz“

Sybille Morch erzählt offen, emotional und eindringlich von ihrem Werdegang: vom Aufwachsen in einer bürgerlichen Familie über das Medizinstudium in Bochum bis hin zur Fachärztin für Gynäkologie. Nach außen scheint alles perfekt und stimmig: Studium, Facharztausbildung, Ehe, Karriere bis zur Oberärztin. Doch innerlich wächst die Unzufriedenheit - nicht nur im beruflichen Umfeld. Sie ist unglücklich und spürt, dass dieser Weg nicht der ihre ist. Doch zwischen Verpflichtung, Selbstzweifeln und Schuldgefühlen fällt es schwer, den richtigen Weg auszumachen.

Früh prägen sie Reisen – insbesondere ihr erster Aufenthalt in Indien mit Anfang zwanzig. Das Lebensgefühl in Asien, die Offenheit und Andersartigkeit, hinterlassen bleibenden Eindruck und setzen einen Kontrast zum strukturierten und einengendem Leben in Deutschland. Ihre Zeit im Ausland, die Begegnungen und Eindrücke während der medizinischen Praktika erweitern ihren Blick – nicht nur auf die Welt, sondern auch auf sich selbst.

Der Wendepunkt kommt nicht plötzlich, sondern soll sich entwickeln: erste Kontakte zu einem Tierheim, die Begegnung mit Straßenhunden, das unmittelbare Erleben von Leid – und die Erkenntnis, dass sie hier nicht nur gebraucht wird, sondern vor allem dass hier etwas bewegen kann - auch für sich selbst. Was folgt, ist ein radikaler Schritt: Trennung, Aufgabe des bisherigen Lebens, Neuanfang in Thailand.

Auf Koh Samui entsteht schließlich der besondere Ort, der heute ihr Zuhause ist – und das von mittlerweile rund 30 Hunden. Viele von ihnen schwer verletzt, traumatisiert von anderen bereits aufgegeben. Hunde mit gebrochenen Wirbelsäulen, amputierten Gliedmaßen oder ohne jede Überlebenschance – und doch bekommen sie genau diese bei Sybille Morch. Mit selbstgebauten Rollstühlen, medizinischer Versorgung, viele Fürsorge und unermüdlichem Einsatz schenkt sie den Hunden ihre Lebensqualität zurück und findet darüber ihr eigenes Lebensglück.

„Ich hatte mit der Zeit gelernt, eine Mauer aufzubauen, um mein Herz zu schützen. Sonst würde es irgendwann an dem Leid der Straßenhunde zerbrechen.“

Auf rund 240 Seiten erzählt Morch in kurzen, dichten Episoden, die manchmal nur einen Absatz einnehmen. Die Sprache ist dabei zugänglich, oft berührend und nicht selten schonungslos ehrlich. Persönliche Schicksalsschläge stehen neben bewegenden Tiergeschichten – und genau diese Mischung verleiht dem Buch seine emotionale Eindringlichkeit.

Zahlreiche Hundeschicksale begleiten die Erzählung – jedes mit eigener Geschichte, eigener Würde und eigenem Namen. Denn namenlose Tiere gibt es bei Sybille nicht. Lilo, Samy, Miss Marple, Tom, Freddy, Neo, Bobbles, Fabius, Meister Eder, Rania… sie alle stehen stellvertretend für das, was Morch antreibt: nicht wegzusehen, wenn andere längst aufgegeben haben.

Die Arbeit mit den Tieren ist fordernd – körperlich wie emotional. Morch beschreibt auch die Notwendigkeit, sich zu schützen. Und doch gelingt es Sybille Morch bei aller Schwere immer auch ein Gefühl von Leichtigkeit, Lebensfreude und Sinn zu versprühen. Es ist genau diese Balance, die Pfoten im Sand so besonders macht und nachwirkt.

Sehr schön ist auch, dass wir mit vielen Farbfotos im Mittelteil nicht nur die Autorin selbst, sondern auch einen Teil ihrer tierischen Familienmitglieder kennenlernen können. Auf ihrem Instagram-Account mit mittlerweile schon fast 200.000 Followern bekommen wir mittlerweile täglich neue Einblicke in ihrer Arbeit und ihr Leben auf Koh Samui.

Fazit

Pfoten im Sand ist eine bewegende Lebensgeschichte über Mut, Selbstbestimmung und Mitgefühl. Sybille Morch zeigt, was möglich ist, wenn man beschließt, seinem inneren Kompass zu folgen – und Verantwortung übernimmt, wo andere längst kapituliert haben. Ein Buch, das nicht nur Tierfreunde berührt, sondern den Blick auf Leben, Leid und Glück verändert.

Pfoten im Sand

Sybille Morch, Goldmann

Pfoten im Sand

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