Der Spielverderber

Der Spielverderber
Der Spielverderber
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Thomas Gisbertz
7101

Sachbuch-Couch Rezension vonJul 2026

Wissen

Wirkliches Wissen wird nicht vermittelt. Aber es gibt einige nette Anekdoten und persönliche Meinungen.

Ausstattung

Neben den Stellungnahmen Hamanns zu aktuellen fußballerischen Weisheiten gibt Zusatzkapitel weiterer prominenter Spieler.

Ein Mix aus fachlicher Expertise, Insiderwissen und Stammtischwahrheiten.

„45 ungeschminkte Wahrheiten von Deutschlands ehrlichsten Fußballexperten“ – So lautet der Untertitel des noch vor der Fußballweltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko erschienenen Sachbuches „Der Spielverderber“, das der ehemalige deutsche Nationalspieler und aktuelle TV-Experte Didi Hamann zusammen mit dem ZEIT-Redakteur und ausgewiesenen Fußballexperten Oliver Fritsch schrieb. Hinzu kommen Einwürfe, Widersprüche und Zwischenrufe von prominenten deutschen Spielern wie Lothar Matthäus, Philipp Lahm (der auch das Vorwort schrieb) und Oliver Kahn. Das Schlusswort bleibt dann Michael Ballack vorbehalten. Bei derart viel fußballerischen Fachwissen sollte man meinen, dass man nach der Lektüre des Buches klüger ist, zumindest aber viel Wissenswertes erfahren hat. Leider ist dies gleich aus mehreren Gründen nur bedingt der Fall.

Altbekannte Aussagen

Ohne Zweifel gehört Dietmar „Didi“ Hamann zu den beliebtesten Kritikern des Fußballgeschäfts in Deutschland. Auch wenn er sicherlich mit seinen Positionen bei Vereinen und deren Vertretern oftmals aneckt und als TV-Experte Widerspruch, ja sogar Empörung auf sich zieht, wissen Fußballfans besonders seine stets offene und ehrliche Meinung zu schätzen. Hamann ist ein kritischer Geist - unabhängig von Spielern, Vereinen und Managern. Selbst bei seinem ehemaligen Verein, dem deutschen Rekordmeister FC Bayern München, mit dem er zahlreiche Erfolge feierte, gilt er als Nestbeschmutzer.

Dass seine „Wahrheiten“ über diverse Fußballthemen aber vereinzelt eher zu Stammtischweisheiten verkommen, hängt sicherlich in erster Linie mit den Aussagen zum deutschen Fußball an sich zusammen, zu denen er im Buch Stellung bezieht. Wer ihm diese vorgibt – ob Oliver Fritsch oder Hamann selber -, bleibt offen. Neu sind sie keineswegs, denn es gibt nicht wenige Themengebiete und Aussagen, die dem Fußballfan, insofern man die Bundesliga und Hamanns Auftritte beim Bezahlsender verfolgt, bekannt vorkommen dürften, einige sogar alt.

Zu viele Querpässe, zu wenig Angriff

Zudem wiederholen sich Themen und Aspekte in den 45 Kapiteln, die man unabhängig voneinander lesen kann. So ist Hamanns Kritik an den Nachwuchsleistungszentren und deren Gängelung der jungen Talente (u.a. Kapitel 5, 10, 11) ebenso ein Mantra wie die Unfähigkeit junger Spieler, die aufgrund der Beraubung von Freiheit und Selbstständigkeit in vielerlei Hinsicht (auf dem Platz, aber auch im Leben) durch eben jene NLZ, unfähig erscheinen, kreativ zu sein und eigene Entscheidungen zu treffen. Was hier etwas fehlt, ist die nötige Distanz, denn seine durchaus berechtigte Kritik ist schlicht nicht nur ein fußballerisches, sondern vor allem ein gesellschaftliches Problem, das sich auf viele Bereiche (u.a. Schule) übertragen ließe.

Insgesamt wird aber auch deutlich, dass Didi Hamann nicht nur als „TV-Experte“ bezeichnet wird, sondern in der Tat ein feines Gespür für Entwicklungen rund um den Fußball besitzt. Ob die Kritik an der Arbeit des (nun ehemaligen) Bundestrainers Julian Nagelsmann oder die Einschätzung der Stärken einzelner Fußballnationen bei der WM: Hamann lag bereits weit vor dem Turnier richtig mit seinen Einschätzungen. Überhaupt liegt die Stärke des Buches in der fachlichen Expertise des ehemaligen Nationalspielers. Wenn dieser dann auch noch Bezüge zu seiner eigenen Karriere herstellt, gewinnen die einzelnen Kapitel deutlich an Qualität. Hinzu kommt, dass Didi Hamann nicht nur bei den Diskussionen rund um den VAR einfach mit Volkes Stimme spricht und das sagt, was viele denken. Gerade deswegen werden sicherlich zahlreiche „Stammtischexperten“ Hamanns „ungeschminkte Wahrheiten“ mit Begeisterung lesen.

Fazit

Didi Hamann wird seiner Rolle als „Spielverderber“ in seiner Veröffentlichung nicht immer gerecht. Dies liegt aber mehr an den Aussagen, zu denen er Stellung beziehen soll und die sich zu oft ähneln oder zu banal erscheinen. Fordert man den ehemaligen Nationalspieler aber mit einer diskutablen Aussage wirklich heraus, verwandelt er so sicher, wie er früher Elfmeter schoss. Hamann beweist, dass er zu den besten Analysten des deutschen Fußballs gehört – einfach, weil er seine Aussage gut begründet und kein Blatt vor den Mund nimmt.

Der Spielverderber

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