Zauberberge

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Carola Krauße-Reim
8

Sachbuch-Couch Rezension vonApr 2022

Wissen

Ein interessanter und persönlicher Reisebericht, der neben den Orten auch die Autoren und ihre berühmten Werke näherbringt

Ausstattung

Leider fehlen Fotos, Abbildungen oder Karten, welche die Personen und Örtlichkeiten noch greifbarer gemacht hätten

Die Schweizer Bergwelt als Ort der Inspiration

Andreas Lesti ist Journalist und Germanist. Seine Veröffentlichungen wurden schon mit diversen Journalistenpreisen prämiert, seine Bücher spiegeln die Liebe des Alpinisten zu den Bergen wider. In „Zauberberge“ beschreibt er seine Reise in die Schweiz, als er „vor Ort eine magische Gratwanderung auf den Spuren der Dichter und Denker“ unternahm.

Was war das Besondere an den Schweizer Bergen?

Lesti besucht Davos, Sils Maria und Zermatt, im Gepäck den „Zauberberg“ von Thomas Mann, „Also sprach Zarathustra“ von Friedrich Nitzsche und „Minima Moralia“ von Theodor Adorno. Was hat die Literaten in die Schweizer Berge getrieben und, haben diese die weltbekannten Werke beeinflusst? Das sind die Fragen, die Lesti während seiner Reise bewegten und denen er auf den Grund gehen wollte.

Schnell zeigt sich, dass die Wahl des Ziels den individuellen Bedürfnissen der Dichter und Denker entsprechen musste. Thomas Mann begleitete seine Frau Katia zur Kur nach Davos, Nitzsche suchte in Sils Maria die Einsamkeit und Adorno war begeisterter Wanderer, was ihn nach Zermatt verschlug. Durch diese unterschiedlichen Beweggründe wird Lesti klar, dass die Orte auch ganz unterschiedliche Ausrichtungen haben. Davos war der Ort der Tuberkulosekranken, wie ihn Thomas Mann in „Zauberberg“ so trefflich beschreibt; Sils Maria war Zentrum der ruhesuchenden und wohlhabenden Intellektuellen und Zermatt mit dem Matterhorn das Mekka der Alpinisten. Lesti wandelt auf den Spuren der Denker, besucht die Hotels „Schatzalp“, „Waldheim“ und „Bristol“ und reist mit uns in die Zeit, in der die Werke entstanden, deren Titel noch heute fast jeder zumindest schon einmal gehört hat.

Interessantes Hintergrundwissen

Lesti beschreibt die Orte, wie sie heute sind und wie sie früher einmal ausgesehen haben und entführt uns damit in eine vergangene Zeit. Er lässt die wenigen noch verbliebenen Zeitzeugen zu Wort kommen; findet Menschen, die Interessantes zu Mann, Adorno und Nitzsche erzählen können und versucht in den Spuren der Drei zu wandeln. Dabei ist das Buch ein individueller Bericht dieser Reise, immer sehr informativ, manchmal in humorvollem Ton gehalten, in einzelnen Passagen aber auch zu ausgedehnt persönlich, wenn z.B. ein Traum des Autors mehrere Seiten einnimmt oder eine Skitour in Bayern sehr ausführlich beschrieben wird. Zwar dürfte für Anhänger von Thomas Mann, Theodor Adorno und Friedrich Nitzsche wenig Neues gesagt werden, doch die Verbindung dieser Drei mit der Schweiz ist immer wieder spannend und das Hintergrundwissen gerade zum „Zauberberg“ lässt den Roman noch einmal aufs Neue interessant werden.

Warum keine Abbildungen?

Diese Frage stelle ich mir immer wieder, wenn ein Buch auf spezifische Personen und Orte eingeht ohne aber eine einzige Abbildung zu liefern. Fotos von Nitzsche, Mann und Adorno hätten den Text aufgelockert; Abbildungen der Hotels und Örtlichkeiten deren Beschreibungen ergänzt und sie nahbarer gemacht und eine Karte der Schweiz hätte erst einmal gezeigt, wo sich Davos, Zermatt und Sils Maria überhaupt befinden. So scheint das Buch doch eher auf Kenner der Autoren und der beschriebenen Örtlichkeiten zugeschnitten zu sein, die wissen wovon die Rede ist.

Fazit

Für Fans von Thomas Mann, Theodor Adorno und Friedrich Nitzsche ein Muss! Auch wenn wenig Neues erzählt wird, wandelt man doch auf den Spuren der berühmten Denker und kommt ihren Werken auf eine sehr persönliche Weise näher.

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