Wenn die Verpackungshüllen fallen

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Carola Krauße-Reim
8

Sachbuch-Couch Rezension vonDez 2021

Wissen

Ein Ratgeber für Neueinsteiger in Sachen Müllvermeidung. Annemarie Miesbauer deckt zwar wirklich jeden Bereich zu diesem Thema ab und liefert auch zahlreiche Alternativen und gute Tipps, doch für „alte Hasen“ präsentiert sie dabei nur wenig Neues.

Ausstattung

Der umfangreiche Text enthält zahlreiche Fotos und Zeichnungen, die zwar vielfach relativ nichtssagend sind, aber dennoch das Ganze etwas auflockern. Wer allerdings auf den immerhin mehr als 200 Seiten wirklich Innovatives entdecken will, dürfte entweder ziemlich enttäuscht werden oder zur Gruppe der absoluten Neueinsteiger beim Thema Müllvermeidung gehören.

In drei Schritten zur persönlichen Müllvermeidung

Umweltschutz und Müllvermeidung sind in aller Munde. Da wundert es nicht, dass Ratgeber zu diesen Themen wie Pilze aus dem Boden schießen. Mit “Wenn die Verpackungshüllen fallen...“ ist jetzt ein neuer hinzugekommen, dessen Autorin sogar verspricht: „Wie Du Dein Leben in 3 Schritten müllfreier machst“.

Den Duft von Reinigungsmitteln…

...hat Annemarie Miesbauer immer geliebt, doch als sie eine Dokumentation zur Umweltverschmutzung gesehen hat, war ihr klar, dass man handeln muss und warum nicht bei den Verpackungen der wohlriechenden Haushaltsreiniger anfangen? Seit 2014 befasst sich die 31jährige Wienerin nun mit diesem Thema und ist mittlerweile so weit, dass ihr Müll eines ganzen Jahres in ein Weckglas passt. Damit auch wir soweit kommen, gibt sie uns gute Tipps mit auf den Weg, die sie in drei Schritte unterteilt hat:

  1. Verpackungen verbannen
  2. Verpackungsfreie Alternativen finden
  3. Selbermachen und nie wieder zurückblicken

Geballte Information

Ratgeber werden nur von Menschen gekauft und gelesen, die Interesse am besprochenen Thema haben und sich somit zwangsläufig schon einmal damit beschäftigt haben. Daher erwartet man vom entsprechenden Ratgeber, dass er zunächst vielleicht Grundlegendes erläutert, um dann noch neue Tipps und Ratschläge zur Perfektionierung zu liefern. Zum Thema Müllvermeidung dürften sich viele von uns schon Gedanken gemacht und wahrscheinlich auch schon ohne Ratgeber den ein oder anderen Ansatz erkannt haben.

Annemarie Miesbauer allerdings setzt bei wirklich NULL Vorwissen voraus und erklärt z.B.  „gute“ (z.B. Glas), „schlechte“ (z.B. Plastik) und „unnötige“ (z.B. zusätzliche Einschweißung von Obst) Verpackung. Dabei geht sie sehr gründlich und ausführlich vor und lässt wirklich keinen Aspekt aus.

Nach der Theorie geht es ans Eingemachte. Jetzt soll jeder die Müllquellen im eigenen Leben und Haushalt erkennen lernen. Hier wird jeder Bereich beleuchtet - die Probleme sollen erkannt und ausgemerzt werden. Im dritten Schritt gibt uns die Autorin Rezepte an die Hand, die Müll vermeiden helfen, wie Putz- oder Kosmetikartikel oder auch Hinweise zum nachhaltigen Spielespaß für die Kleinen.

Wenig Neues nett aufbereitet

Die Informationen sind zahlreich, doch enthalten wenig Neues: Der Unverpacktladen oder die Brotdose werden mehr als einmal angepriesen, der Vorteil von mitgebrachten Mehrwegbeuteln beim Einkauf in konventionellen Geschäften dürfte den meisten bekannt sein sowie die Problematik von Einmalartikeln auch.

Alles in allem wird hier viel Bekanntes genannt - das allerdings ansprechend und  bunt aufbereitet. Der umfangreiche Text enthält zahlreiche Fotos und Zeichnungen, die zwar vielfach relativ nichtssagend sind, aber dennoch das Ganze etwas auflockern. Wer allerdings auf den immerhin mehr als 200 Seiten wirklich Innovatives entdecken will, dürfte entweder ziemlich enttäuscht werden oder zur Gruppe der absoluten Neueinsteiger beim Thema Müllvermeidung gehören.

Nicht alle Rezepte funktionieren

Rezepte sind in diesem Zusammenhang tatsächlich auch wörtlich zu nehmen, denn Miesbauer gibt tatsächlich Kochrezepte mit auf den Weg, appelliert zum Selberkochen und spricht damit auch die Fertigprodukt- oder Convenience-Food-Verbraucher unter uns an.

Rezepte gibt es aber auch u.a. für alternative Putzmittel, Kosmetika und sogar zur Monatshygiene. Wir haben das Allzweckreinigungsmittel aus geraspelter Seife und Wasser und die Rosskastanien als Waschmittelersatz ausprobiert. Leider war beides eher enttäuschend: Das Reinigungsmittel hat geschmiert ohne Ende und die Wäsche (zum Glück nur Arbeitsjeans) kamen zwar mit einem lila-braunen Schimmer, aber immer noch so dreckig wie zuvor aus der Waschmaschine. Aber man muss sich ja auch nicht sklavisch an alles Vorgestellte halten, sondern viel mehr Anregungen und Hinweise suchen und finden, die vielleicht einen Aspekt abdecken, den man so noch nicht bedacht hatte.

Fazit

„Wenn die Verpackungshüllen fallen...“ ist ein Ratgeber für Neueinsteiger in Sachen Müllvermeidung. Annemarie Miesbauer deckt zwar wirklich jeden Bereich zu diesem Thema ab und liefert auch zahlreiche Alternativen und gute Tipps, doch für „alte Hasen“ präsentiert sie dabei nur wenig Neues. Wer allerdings als Neuling bereit ist, sein Konsumverhalten der Umwelt zuliebe zu ändern, findet hier Hilfe zur Selbsthilfe und die dazu noch sehr gut aufbereitet.

Wenn die Verpackungshüllen fallen

, Löwenzahn

Wenn die Verpackungshüllen fallen

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