Von Kaffeeriechern, Abtrittanbietern und Fischbeinreißern

Erschienen: September 2020

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Wissen
Ausstattung

Wissen

Mehr Informationen zu den Berufen hätten sein dürfen.

Ausstattung

Ausführliche Literaturliste, Bebilderungen machen die Berufsbeschreibungen komplett.

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Julian Hübecker
Faszinierende Einblicke in längst vergangene Berufe

Sachbuch-Rezension von Julian Hübecker Okt 2020

Während es in den 1970ern noch ca. 600 Ausbildungsberufe gab, sind es heute noch 325. Obwohl also immer wieder neue Berufe hinzukommen, vor allem im Zeitalter der Technologie, sterben immer mehr aus, die nicht mehr in unsere moderne Welt passen. Michaela Vieser und Irmela Schautz schauen sich einige von ihnen an, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr „gebraucht“ werden, entweder weil Maschinen diese Aufgabe übernahmen oder sie Ausprägungen jener Zeit waren, in der sie ausgeübt wurden.

„Abtrittanbieter – Männlicher oder weiblicher Anbieter einer öffentlichen Toilette, zum Beispiel auf Messen oder Märkten, bevor es öffentliche Toilettenanlagen gab.“

Über 20 Berufe schauen sich die Autorinnen stets nach dem gleichen Prinzip an: Zu Anfang gibt es einen kurzen Abriss der Berufsbeschreibung, mit besonderen Kennzeichen und der aktiven Zeit. Anschließend folgen einige Seiten, die das Berufsbild und das gesellschaftliche Leben näher beleuchten, spannend unterstützt durch Zitate aus jenen Zeiten, die ein authentisches Gefühl vermitteln. Jeder Beruf wird außerdem auf einer Doppelseite illustriert und so nochmal visualisiert.

Manche der Berufe werden geläufig sein, etwa der des Scharfrichters oder der Amme, andere dagegen klingen bereits sehr historisch und lassen selbst dem Namen nach keine Rückschlüsse auf die Arbeitsweise zu, wie der Ameisler, Märbelpicker oder Zeidler. Das macht die Entdeckung besonders spannend, vor allem, wenn man das Berufsbild mit dem damaligen gesellschaftlichen Leben in Einklang bringt.

„Berufe öffnen ein Fenster in die Lebenswelt der damaligen Zeit.“

So spannend das Buch auch ist, fehlt es dem Buch zuvorderst doch an Leichtigkeit. Dies gelingt hervorragend mit dem ersten Beruf, dem Abtrittanbieter, wo ein Auszug eines Briefes einer Gräfin zu lesen ist, in dem sie eine fehlende Toilette in unmittelbarer Nähe beklagt. Dieser Brief ist so komisch, dass man sich auf ein durchweg humorvoll geschriebenes Buch eingestellt hat – leider fehlt das aber größtenteils.

Zum anderen wäre eingangs eine kleine Geschichte einprägsamer gewesen, die den Alltag der oder des Ausübenden des jeweiligen Berufes beleuchtet hätte und zudem mehr der vermissten Leichtigkeit gegeben hätte. Zwar kann man das Buch nicht als trocken betrachten, doch liest es sich nicht so flüssig wie erhofft.

Fazit

Dieses Buch vermittelt einen spannenden Einblick in längst vergangene Berufe und überrascht mit vielen Details. Dennoch fehlt dem Buch ein lockerer Schreibstil und das eine oder andere Element, wie eine Anekdote, die dem Buch etwas mehr Leichtigkeit verliehen hätte.

Von Kaffeeriechern, Abtrittanbietern und Fischbeinreißern

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