Vom Mann, der mit zwei Flaschen Whiskey den Untergang der Titanic überlebte

Erschienen: August 2020

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Wissen
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Wirklich in die Tiefe kann Milton auf den wenigen Seiten nicht gehen, liefert aber zumindest etwas Kontext und ist bemüht, die Geschehnisse einigermaßen neutral einzuordnen.

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Das Buch ist schlicht, es gibt weder Bilder, noch Direktverweise im Text. Wer mehr erfahren möchte, muss anhand der wenigen Quellen, die pro Geschichte angegeben sind, selbst recherchieren.

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Lea Gerstenberger
Ein Anekdoten-Sammelsurium mit klaren Schwerpunkten

Sachbuch-Rezension von Lea Gerstenberger Sep 2020

Die Weltgeschichte hält viele Irrungen und Wirrungen bereit – darunter auch Anekdoten, die normalerweise höchstens in Fußnoten erwähnt werden. Giles Milton hat sich auf die Spuren einiger kurioser Geschichten begeben, die beinahe in Vergessenheit geraten sind und die so manche historische Figur in ein neues Licht rücken oder erst wieder ins Gedächtnis rufen.

Das Buch ist in elf Kapitel mit jeweils drei Anekdoten eingeteilt, die thematisch lose zusammenhängen, etwa „Was ich noch nicht über Adolf Hitler wusste“, „Getarnte Damen“ oder „Von Königen, Königinnen und Verrückten“. Den Untertitel des Buches muss man dabei ein wenig einklammern, denn der Großteil der von Milton beschriebenen Weltgeschichte entfällt auf das 19. und 20. Jahrhundert. Nur eine Handvoll Anekdoten behandeln frühere Jahrhunderte, die an Kuriositäten gewiss nicht ärmer gewesen wären. Es ist Milton anzumerken, dass er sich auf die Zeit der Weltkriege und des Kalten Krieges konzentriert hat.

Von großen Männern und erstaunlichen Zufällen

Dabei sind es gerade die Anekdoten, die sich nicht um Churchill, Stalin und Co. drehen, welche den größten Überraschungsfaktor bieten. Etwa die titelgebende Geschichte über den Titanic-Überlebenden, der wohl nur wegen des Whiskeys im Blut nicht im eiskalten Atlantik erfror, jene über das bis heute ungeklärte kurzzeitige Verschwinden der Star-Autorin Agatha Christie oder die über den Einbrecher, der die Queen in ihrem Bett im Buckingham Palace überraschte.

Andere Begebenheiten sind dagegen gar nicht so unbekannt: Vom spektakulären Raub der Mona Lisa aus dem Louvre im Jahr 1911, dem Fund der Gletschermumie „Ötzi“ oder der Verurteilung von Mata Hari haben viele Leser mit etwas historischer Allgemeinbildung wahrscheinlich schon gehört. Die einzelnen Geschichten sind mit zwei bis fünf Seiten zudem eher kurz gehalten und machen erst noch Appetit auf detaillierte Informationen. Im Anhang werden zu jeder Geschichte einige Quellenangaben geliefert, die aus Fachliteratur, Zeitungsreportagen und Internetseiten bestehen. In den Texten selbst sind leider keine Fußnoten oder andere Direktverweise enthalten. Gerade bei den besonders kuriosen Behauptungen oder Mutmaßungen sowie den wörtlichen Zitaten wäre eine direkte Zuordnung hilfreich gewesen.

Wenig Raum für historisches Hintergrundwissen

Mit der knappen und pointierten Zusammenstellung zielt Milton also eher auf den unmittelbaren Unterhaltungseffekt der Anekdoten ab. Da wird das so spektakuläre wie unwahrscheinliche „Kastanienbankett“ von Skandal-Papst Alexander VI. (richtigerweise) als schwarze Legende entlarvt und ist wohl eher der schlüpfrigen Details wegen überhaupt im Buch enthalten. Platz, um in die Tiefe zu gehen und stichhaltige Informationen zum Renaissance-Papsttum zu liefern, bleibt Milton dann aber nicht mehr. Dennoch versucht er sich stets an einer zumindest kurzen Einordnung und diskutiert beispielsweise die Glaubwürdigkeit einzelner Protagonisten oder skizziert entsprechende Forschungsdebatten.

Bei einigen Themen, die ethisch und moralisch fragwürdig sind, hätte man sich trotzdem eine deutlichere Stellungnahme des Autors gewünscht. Beispielsweise problematisiert Milton zwar die abscheuliche Praxis des Ausstellens afrikanischer Menschen in Zoos oder die Zurschaustellung einer Sklavin in einem Zirkus, verwendet aber negativ besetzte Begriffe wie „Pygmäe“ selbst und berichtet für meinen Geschmack zu emotionslos über die unwürdige Behandlung, die diesen Menschen zuteilwurde.

In der Kürze liegt auch die Schwäche

So erweist sich die Kürze der Anekdoten als ihr Fluch und Segen zugleich, sie erfüllen aber ihren Zweck, auf kuriose und wunderliche Geschichten hinzuweisen. Angesichts der etwas einseitigen Auswahl liest sich der Untertitel „durch die Weltgeschichte“ dennoch zu ambitioniert und könnte falsche Erwartungen wecken. Wer schon über viel Geschichtswissen verfügt, wird von einigen der Geschichten höchstens noch milde überrascht. Was Milton dennoch gelingt: Aufzuzeigen, dass die Vergangenheit mehr zu bieten hat als Schlachten und hochpolitische Manöver.

Fazit:

Die Auswahl der Anekdoten könnte etwas vielseitiger sein, dennoch handelt es sich um ein lesenswertes kleines Buch für zwischendurch, das recht sachlich bleibt und sich gut zum Verschenken eignet.

Vom Mann, der mit zwei Flaschen Whiskey den Untergang der Titanic überlebte

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