Planet Ozean

Erschienen: August 2021

Couch-Wertung

6
Wissen
Ausstattung

Wissen

Es schleichen sich ein paar Schnitzer ein, die nicht sein müssen. Auch sonst geht das Buch fachlich nicht in die Tiefe. Für Interessierte ist es aber eine nette Reise.

Ausstattung

Schöne Farbfotos sind nach jeweils einem Drittel des Buches zu finden. Geschmackssache: Eine Verteilung über das Buch hinweg könnte bessere Bezüge zum Text herstellen.

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Julian Hübecker
Lasst uns zusammen abtauchen und erkunden …

Sachbuch-Rezension von Julian Hübecker Nov 2021

71 % der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt, und ein Großteil des Süßwassers ist im Eis der Arktis und Antarktis gebunden. Dennoch ist wenig über diese Gebiete bekannt, obwohl das Leben und Überleben aller Menschen direkt oder indirekt davon abhängt. Mariasole Bianco bietet eine literarische Reise durch die unterschiedlichen Lebensräume der Ozeane und Meere an und verrät, warum und wie diese zu schützen sind.

„Kaum zu glauben, aber wahr: Von Mond oder Mars gibt es detailliertere Karten als von der Tiefsee.“

In fünf Kapiteln nimmt die Meeresbiologin interessierte Leserinnen und Leser mit in eine faszinierende Welt: „Das Reich des Pelagos“, „Das große Blau“, „Meere und Küsten“, „Am Ende der Welt: Arktis und Antarktis“ und „Hoffnung für unsere Meere“. Dabei verpackt sie es tatsächlich als eine Reise: erst vertikal, wenn die unterschiedlichen Zonen und ihre einzigartigen Bewohner besucht werden – ob die sonnendurchflutete epipelagische Zone, die uns noch am vertrautesten ist, oder die hadalpelagische Zone, tiefe, kalte Gräben, in der nur Spezialisten überleben können und die dennoch so voller Leben sind.

Danach reist man über den ganzen Globus und besucht spannende Orte im offenen Ozean, lernt das Mittelmeer außerhalb der touristisch erschlossenen Gebiete kennen und bibbert in der Kälte der Antarktis. Während dieses Ausflugs wird Bianco nicht müde, immer wieder zu betonen, wie bedroht all diese Lebensräume sind. Die Schönheit und Einzigartigkeit brauchen Schutz, der von jedem in unterschiedlicher Art und Weise geleistet werden kann. Im letzten Kapitel werden schließlich spannende Erfolgsgeschichten beschrieben, wie man zukunftsweisend gehandelt und so etwa Fischbestände gerettet hat, und gleichzeitig die Arbeit zahlreicher Fischer bewahren konnte.

Wohin des Wegs?

Die Meeresbiologin hat das Buch durchaus schlüssig aufgebaut und die Möglichkeit, mit ihr diese Reise zu machen, bietet eine faszinierende Art, dem Werk zu begegnen. Irritierend wird es nur, wenn die Autorin zwischendrin aus ihrer Rolle fällt und man führungslos durch das Nass dümpelt. Hier scheint das Konzept nicht ganz aufgegangen zu sein. Problematischer wird es tatsächlich, wenn man etwa im Kapitel „Meere und Küsten“ sich die unterschiedlichen Lebensräume im Mittelmeer anschaut, plötzlich aber die Seeotter genauer betrachtet, die dort nichts zu suchen haben, sondern an der Ostküste der USA beheimatet sind. Diese Exkursion ist nicht schlimm, nur wird nirgends erwähnt, dass nun dieser Abstecher unternommen wird. Bei unwissenden Leserinnen und Lesern kann so eine Fehlinformation leicht hängen bleiben.

Weitere kleine Schnitzer: Seehunde werden in die Arktis platziert und männliche Seeteufel entwickeln parasitäre Verhaltensweisen, die bei dieser Art aber tatsächlich nicht beobachtet werden können (bei entfernteren Verwandten dagegen schon). Dies kann durchaus auch auf Übersetzungsfehler zurückzuführen sein, macht aber deutlich, warum vor allem Sachbücher dieser Art gründlicher kontrolliert gehören, um Fehlern vorzubeugen.

Am spannendsten gelingt tatsächlich das letzte Kapitel. Es ist ein beruhigendes Gefühl, dass weltweit Schutzprojekte auch Früchte tragen und Hoffnung inmitten all der tragischen Nachrichten vermitteln. Mariasole Bianco macht aber deutlich, dass noch viel mehr getan werden muss. Insbesondere die Farbfotografien legen dar, wie schön, aber auch verletzlich die nassen Ökosysteme sind, die unser aller Leben beeinflussen.

Fazit

Eine angenehme Reise durch die Weltmeere, auf der man zwar nicht viel Neues erfährt, aber zumindest eine interessante Beobachtungstour geboten bekommt.

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