Planet der Pilze

Planet der Pilze
Planet der Pilze

Erschienen: September 2021

Erschienen: September 2021

Couch-Wertung

10
Wissen
Ausstattung

Wissen

Das kompakte, fesselnde Wissen wird in lockerer Sprache vermittelt.

Ausstattung

Beinahe 70 fantastische Fotos saugen einen geradezu in die Welt der Pilze ein.

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Julian Hübecker
Einfach verblüffend

Sachbuch-Rezension von Julian Hübecker Okt 2021

Pilze beherrschen die Welt – wenn man dieses Buch gelesen hat, kann man getrost diese Aussage formulieren. Sie haben unsere Medizin revolutioniert, stellen unser Verständnis vom frühen Leben auf den Kopf und sind unerlässlich für das Leben von 95 % aller Blütenpflanzen. Nach diesem Buch werden viele ihr Wissen über Pilze deutlich umkrempeln müssen – es lohnt sich!

"Alle, die hoffen, in diesem Buch ein neues Pilzrisotto-Rezept zu finden, werden enttäuscht sein. Doch für jene, die mehr über Pilze erfahren möchten und einen Einblick in die Welt dieser faszinierenden Organismen erhalten wollen, die unseren Alltag beeinflussen und sogar unseren Lebensraum formen, ist dieses Buch genau das richtige."

Nicht umsonst heißt das Buch „Planet der Pilze“. Pilze findet man wirklich überall: auf und in unserem Körper, im tiefen Felsgestein, als dichtes Geflecht im Waldboden und möglicherweise sogar auf dem Mars. Der derzeit größte Organismus ist ein Pilz (und wiegt stolze 600 Tonnen); Pilze sorgen jährlich für milliardenschwere Ernteausfälle; gleichzeitig enthalten sie enormes Potenzial für die Medizin und sorgen bereits mit Penicillin seit Anfang des 20. Jahrhunderts für eine geringere Sterblichkeit bei bakteriellen Krankheiten. Man könnte immer so weiter machen und käme aus dem Staunen nicht mehr raus. Und genauso liest sich dieses Buch von Jesper Nyström.

Dem berühmten schwedischen Taxonomen Carl von Linné sollen Pilze verhasst gewesen sein. Für ihn teilten sich die mehrzelligen Lebewesen in Pflanzen und Tiere. Doch da wollten die Pilze einfach nicht hineinpassen. Tatsächlich bilden sie ein eigenes Reich, bestehend aus derzeit 100.000 bekannten Arten; geschätzt gibt es aber insgesamt 1,5 Millionen. Man stelle sich nur das Potenzial für die Medizin, die Landwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie und so weiter vor, könnte man auf all das Potenzial zugreifen. Es sind sogar Pilze bekannt, die Erdöl, Plastik oder radioaktive Stoffe zersetzen und unschädlichen machen können. All diese Möglichkeiten versetzen einen beim Lesen in einen Rauschzustand der Begeisterung über die unterschätzte Welt der Pilze.

Lebendig erzählt

Jesper Nyström hat selbst zugegeben, dass er vor der Recherche zu dem Buch kaum etwas über Pilze wusste. Zwar ist er Biologie, doch findet sich sein Fachgebiet eher im Bereich Ornithologie. Doch dann hat ihn das Fieber gepackt, und mit jeder neu gewonnenen Information nahm die Euphorie zu. Vielleicht wirkt dieses Buch gerade deshalb so lebendig, weil Nyström selbst so frisch in diese Welt hineingestolpert ist. Deshalb ist es aber noch lange nicht unfundiert: Im Gespräch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern konnte er fachlich korrekt zusammenfassen, und die angegebenen Studien sprechen ebenfalls für sich.

Auch optisch macht das Buch einiges her: Zum einen glänzt das wunderschöne Cover, zum anderen besteht das Buch aus genau der richtigen Zusammensetzung aus Text und Bildern. Die farblichen Fotos fügen sich ideal ein und ergänzen das Geschriebene perfekt. Ob mikroskopische Aufnahmen oder solche vom Fruchtkörper einiger Großpilze: Stets haben sie einen Bezug zu dem, was man kurz zuvor gelesen hat. Dadurch ist die Informationsvermittlung optimal geglückt.

Fazit

Planet der Pilze zeigt, wie ein Sachbuch sein sollte: informativ und fesselnd, auf das Wesentliche reduziert und locker geschrieben, mit visueller Unterstützung. Dieses Buch wird jeden für die Welt der Pilze begeistern!

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