Ohne Waffen gegen Hitler

Erschienen: Juni 2021

Couch-Wertung

5
Wissen
Ausstattung

Wissen

Es wird sehr viel Wissen verpackt, aber auch verlangt. Für hobbymäßig Interessierte daher nicht zu empfehlen.

Ausstattung

Wie eine Studie aufgebaut, dezidiert aufgearbeitet, aber ohne unterstützende Medien, die das Lesen vereinfachen.

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Julian Hübecker
Ziviler Widerstand in all seinen Facetten

Sachbuch-Rezension von Julian Hübecker Sep 2021

Der Nationalsozialismus unter Hitler hat Europa über 10 Jahre in Atem gehalten. Viele Länder ergaben sich freiwillig der Übermacht, manche wehrten sich, mussten aber bald aufgeben. Dennoch gab es auch danach noch Widerstand: Vertreter der Kirche, Politik oder der allgemeinen Bevölkerung versuchten es mit kleinen oder großen Maßnahmen, der NS-Maschinerie etwas entgegenzusetzen. Manche bezahlten mit dem Leben …

„Ein Kampf ohne Waffen ist keineswegs selbstverständlich. Ohne Waffen zu sein, heißt in der allgemeinen Vorstellung so viel wie, wehrlos zu sein.“

Hitlers Wahn von einem arischen Europa nahm bis in die 1940er immer gefährlichere Züge an. Sein nationalsozialistisches Reich wuchs stetig, er schien unaufhaltbar. Die besetzten Länder mussten scheinbar ohnmächtig dabei zusehen, wie ihre Gesellschaft auseinanderfiel und Landsmänner und -frauen verschleppt, zwangsrekrutiert und ermordet wurden. Doch Vertreterinnen und Vertreter der sich im Exil befindlichen Monarchien riefen dazu auf, nicht aufzugeben. Ganze Berufsstände, wie Lehrer, Ärzte oder Bergarbeiter legten ihre Arbeiten nieder und bewirkten so zeitweise Widerstände.

Proteste, Hilfen in Form von Lebensmittelmarken oder Unterschlupfen für Verfolgte, Verteilen von Flyern, Boykottaufrufe – das und vieles mehr waren Formen der Widerstände der einfachen Bevölkerung. Welchen Gefahren sich die Menschen ausgesetzt haben, wird in diesem Buch betrachtet, aber auch einzelne besetzte Staaten beleuchtet, die unterschiedlich mit ihrer Besetzung umgegangen sind. Dabei wird deutlich, dass Widerstand kein eindimensionales Phänomen ist, sondern unterschiedlich gedeutet werden muss, um es im Ganzen zu verstehen.

Eine Studie

Schon das Cover macht die Vielschichtigkeit des Widerstands sichtbar. Das berühmte Foto „Verweigerung des Hitlergrußes“ aus dem Jahr 1936 zeigt, dass es bereits um die kleinen Gesten ging, die trotzdem Aussagekraft hatten. Wie groß die Vielschichtigkeit jedoch ist, wird erst mit Lesen des Buches begreifbar. In 10 ausführlichen Kapiteln wird der Widerstand unter nationalsozialistischer Herrschaft auseinandergenommen und detailliert beschrieben.

Zwei Dinge sollte man aber wissen, bevor man nach dem Buch greift: Zum einen ist es in Frankreich bereits 1989 veröffentlicht worden, und das sieht man auch an dem Literaturverzeichnis – eine Überarbeitung ist kaum geschehen. Zum anderen handelt es sich um eine Studie, die der Autor im Anschluss an seine Doktorarbeit geschrieben hat. Dadurch bekommt das Buch einen akademisch-professionellen Charakter und auch der Anspruch ist auf hohem Niveau. Es liest sich nicht mal eben nebenher und setzt einiges an Vorwissen und vor allem auch Interesse voraus, um die Studie zu verstehen.

Fazit

Dieses Buch hat ein enorm hohes Niveau und ist nichts für ein wenig Interessierte, sondern solche, die entweder großes Interesse und sich bereits viel mit der Materie beschäftigt haben, oder solche, die dies für eigene Studien oder Weiterbildungen gebrauchen können.

Ohne Waffen gegen Hitler

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