Medizin

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Julian Hübecker
10

Sachbuch-Couch Rezension vonFeb 2022

Wissen

Die gesamte Bandbreite der Medizin wird vermittelt.

Ausstattung

Fotos, Illustrationen, Zeichnungen, Gemälde, Porträts – mehr geht einfach nicht.

Für jeden Medizininteressierten – ob vom Fach oder Laie!

Die medizinische Versorgung hat sich seit ihren Anfängen maßgeblich verändert. Was bleibt, ist eine Jahrtausende alte Weitergabe von Erfahrungen, um Menschen in Not zu helfen. Kräuter etwa, die bereits im Mittelalter Verwendung fanden, werden noch heute in Salben eingesetzt. Geprägt ist die Geschichte der Medizin von Revolutionen, die immer neue Wunder erlauben. In diesem Buch werden sie vorgestellt.

„Gesundheit ist unser wertvollstes Gut, und in der modernen Welt genießt die Medizin hohes Ansehen.“

In fünf ausführlichen Kapiteln wird der faszinierenden Geschichte der Heilkunst auf den Grund gegangen. Unterteilt sind diese nach Zeiträumen, die prägnante Abschnitte in der medizinischen Entwicklung bedeutet haben. Die „Frühzeit bis 700“ beleuchtet die Anfänge, etwa die gesundheitsfördernde Wirkung von Kräutern, die Heilkundige bereits vor 50 000 Jahren beweisen konnten. Auch die frühe Chirurgie hat schon in der Steinzeit ihre Spuren hinterlassen.

Im Kapitel „Erneuerung und Renaissance 700-1800“ mag man nicht so wirklich an medizinische Versorgung glauben – denkt man doch gleich an ein dunkles Mittelalter, in dem viele Menschen an der Pest oder der Ruhr starben. Doch besonders eine Region tat sich als medizinisches Zentrum hervor: der arabische Raum. Bedeutende Entdeckungen wurden gemacht und nicht zuletzt dank der Enzyklopädie „Kanon der Medizin“ des persischen Arztes Ibn Sina gelangte dieses Wissen auch nach Europa.

Danach kannte die medizinische Entwicklung kein Halten mehr: In einem „Siegeszug der Wissenschaft 1800-1900“ wurden moderne Instrumente (etwa das Stethoskop) entwickelt, Patienten erstmals vor einer Operation mit einem Gas betäubt, und auch die Mundhygiene erlebte neue Standards. Dies bereitete den Weg für die „Ära der Spezialisierung 1900-1960“ vor: Namhafte Wissenschaftler wie Sigmund Freud, Willem Einthoven und Frederick Banting revolutionierten ihre Fachbereiche; Frauenheilkunde, Herzerkrankungen und Allergien rückten verstärkt in den Fokus.

Mittlerweile ist die Medizin an einem Punkt angelangt, wo man sich schlichtweg nicht mehr vorstellen kann, dass es etwas gibt, worauf sie keine Antwort geben kann. Im Schlusskapitel „Alte Probleme, neue Hoffnung 1960-Heute“ wird aber klar, dass es ein ewiger Kampf gegen Krankheit und Tod ist. Krebs, Aids, Alzheimer und schließlich COVID-19 sind neue Herausforderungen, die klar zu verstehen geben: Der Fortschritt von heute muss morgen wieder neu durchdacht werden.

Ein geballtes Werk medizinischer Geschichte

Dieses Buch ist eine aktualisierte Neuausgabe und ist auch nötig, weil sich kaum ein Feld so schnell entwickelt wie die Medizin. Gerade Corona zeigt uns, wie unvorbereitet wir trotz der modernen medizinischen Ausstattung auf neue Krankheiten sind. Dennoch wird auch ganz klar: Das, wo wir heute stehen, wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht über tausende von Jahren Gelehrte der Heilkunst, Ärztinnen und Ärzte, Kräuterkundige und Wissenschaftler immer neue Wege gefunden hätten, um Krankheiten zu besiegen. Der Aufbau dieses Buches führt diesen Weg schlüssig und durchdacht.

Jede Doppelseite (manchmal 2 Doppelseiten) beschäftigt sich mit einem neuen Thema, das textlich ausführlich und verständlich das Wesentliche zusammenfasst. Daneben gibt es spannende Illustrationen und Fotos, die nochmal mit kleinen Texten beschrieben werden. Vor allem die Bilder sind es, die einen spannenden Einblick vermitteln und historisch zurückblicken lassen. Einzigartige Fotos der ersten Mikroskope und anderer medizinischer Geräte, alte Zeichnungen Gelehrter über Krankheiten wie Skorbut und Einblicke in frühe Apotheken – das Wissen, das hier vermittelt wird, geht weit darüber hinaus, was man in anderen Sachbüchern findet.

Fazit

Dieses Buch über die Geschichte der Heilkunst ist nicht mal eben ausgelesen. Das Werk zieht an wie ein Magnet – man möchte immer wieder herumblättern und über dies oder das lesen. Dorling Kindersley hat sich hiermit selbst übertroffen.

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