In 80 Vögeln um die Welt

In 80 Vögeln um die Welt
In 80 Vögeln um die Welt
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Julian Hübecker
9

Sachbuch-Couch Rezension vonAug 2022

Wissen

Eine vielfältige Entdeckungsreise von Kontinent zu Kontinent.

Ausstattung

Reich bebildert, bunt und lebendig – ganz klar das Highlight des Buches.

Ein wahres Farbfeuerwerk

Über 10.000 Vogelarten bevölkern die Erde – und jährlich kommen weitere dazu. Die Handvoll, die wir aus dem heimischen Garten kennen, können gar nicht die eigentliche Vielfalt abbilden. Dies lädt geradezu ein, die reiche Vogelwelt zu erkunden, ebenso die Länder, die sie bewohnen. Eine Reise um die Welt kann beginnen …

„Wir bewundern die Geschicklichkeit, mit der ein Schneidervogel seine Blätterwiege näht, und den kollektiven Fleiß, mit dem Siedelweber aus Gras ganze Apartmentblocks bauen.“

Vögel sind faszinierende, allgegenwärtige Lebewesen. Wenn man nicht gerade mit Kopfhörern und einer Papiertüte über dem Kopf durch die Gegend läuft, sollte kein Tag vergehen, an dem man nicht den ein oder anderen Piepmatz hört oder sieht. Gerade solche, die sich pudelwohl in unserer Nähe fühlen, beehren uns mit ihrer Anwesenheit – dazu zählen Haussperlinge, Amseln, Elstern, Rotkehlchen oder Dohlen. Manche sind dagegen seltener, wie Cuculus canorus, der aber dennoch zu unserem Land gehört und sogar Teil unserer Dichter- und Denkerkultur ist.

Dieser Geselle, besser bekannt als Kuckuck, ist auch eine der 80 Vogelarten, die Mike Unwin ausgesucht hat, um einmal um die Welt zu reisen. Angelehnt an den Abenteuerklassiker „In 80 Tagen um die Welt“ ist das eine hervorragende Idee, um die Vogelvielfalt kennenzulernen. Dazu wird den Vögeln je mindestens eine Doppelseite gewidmet.

Den Start macht das Land Uganda mit dem Schuhschnabel: Dieser langbeinige Geselle lebt in den hiesigen Sümpfen und ist Schwerpunkt seiner schrumpfenden Verbreitung. Warum sich der Autor für diesen Vogel entschieden hat, wird im Text nachvollziehbar erklärt, nebst spannenden Fakten über die jeweilige Art.

Reich bebildert

Für die zahlreichen Bilder sorgt Ryuto Miyake. Alle Vögel werden in fantastischen Illustrationen in natürlichen Posen gezeigt. Besonders attraktive Arten bekommen sogar doppelseitige Bilder. Der Steinadler etwa wird für die Mongolei vorgestellt, wo er für die traditionelle Fuchsjagd eingesetzt wird. Illustriert wird er sitzend auf dem Handschuh eines Adlerjägers, beim Angriff auf einen Fuchs und über zwei Seiten beim Flug über die mongolische Steppe gezeigt, während die Adlerjäger auf Pferden reiten. Es wurde hier also viel Wert auf den Textbezug sowie eine lebendige Darstellung gelegt.

Vögel, die sehr bunt sind, wie etwa der Goldfasan oder der Glanzhaubenturako, leuchten aufgrund der intensiven Farbwahl besonders gut hervor. Dieses Farbenspiel lockt geradezu durch die Seiten – egal, ob man nun den Text liest, oder nicht.

Schön ist auch, dass die Auswahl der Vögel nicht vorhersehbar ist. Es sind bekannte Arten wie der erwähnte Steinadler darunter, ebenso sehr seltene, aber auch welche, die gerade erst entdeckt wurden. Jedes Ornithologenherz sollte daher höher schlagen. Schade ist einzig die Auswahl der Länder: Manche Staaten, wie die USA (5) oder Indien (3), haben mehrere Vögel bekommen. Hätte man sich an die Regel gehalten, jedem Land nur einen Vogel zuzuordnen, wäre die Vielfalt noch viel größer gewesen. Natürlich wäre die Entscheidung noch schwieriger ausgefallen, vor allem bei so großen Staaten, doch manche Landstriche kommen dafür überhaupt nicht vor. So wird etwa Nordafrika komplett ausgespart, ebenso der Nahe Osten. Das ist schade, weil gerade auch hier viele interessante Vögel leben, die es nirgends sonst auf der Welt gibt.

Fazit

Man vermisst ein paar Regionen, doch kann man sich damit abfinden, so wartet mit diesem Buch ein echter Gewinn für jeden Vogelfreund. Die Bilder sind das klare Highlight, doch auch die Texte sind sehr informativ und gelungen.

In 80 Vögeln um die Welt

, Laurence King

In 80 Vögeln um die Welt

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