Ikonen der Kunst

Erschienen: März 2021

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Lembke hat sich 25 Werke herausgesucht, die „Generationen von Betrachtern geprägt haben“. Das sind sowohl Gemälde, als auch Skulpturen und Fresken, die sie nach ihrer Entstehungszeit ordnet. Mit enorm viel Wissen und sehr gut verständlich, vermittelt die Autorin wirklich alles zu den berühmten Kunstwerken.

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Leider sind die Artikel nur mit winzigen schwarz-weiß Fotografien ergänzt, deren etwas größere farbige Pendants zusammengefasst am Anfang des Buches zu finden sind.

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Carola Krauße-Reim
25 Ikonen und wie sie dazu wurden

Sachbuch-Rezension von Carola Krauße-Reim Mai 2021

Prof. Dr. Katja Lembke ist Klassische Archäologin und Ägyptologin. Seit 2011 leitet sie das Niedersächsische Landesmuseum in Hannover. In der vorliegenden Publikation geht sie aber nicht nur auf Kunstwerke aus dem Altertum ein, sondern spannt den Bogen vom Alten Ägypten bis ins 20. Jahrhundert. Dafür geht sie zuerst einmal der Frage „Aber was macht diese Kunstwerke eigentlich einzigartig, dass sie als Ikonen gelten?“ nach.

Eine der Antworten ist deren Anteil am kulturellen Gedächtnis, ein von Jan und Aleida Assmann geprägter Begriff, der sich (vereinfacht ausgedrückt) auf das geprägte Erinnerungs- und Geschichtsbewusstsein eines Jeden in seinem kulturellen Zusammenhang bezieht. Doch daneben gibt es noch mehrere andere Faktoren, die aus einem Kunstwerk eine allseits bekannte und unvergessliche Ikone machen.

Von Nofretete bis Guernica

Lembke hat sich 25 Werke herausgesucht, die „Generationen von Betrachtern geprägt haben“. Das sind sowohl Gemälde, als auch Skulpturen und Fresken, die sie nach ihrer Entstehungszeit ordnet. Den Beginn macht die Büste der ägyptischen Königin Nofretete, dann folgen u.a. die „Venus von Milo“, „Das letzte Abendmahl“, „Die Nachtwache“ und zum Schluss „Guernica“, das großformatige Gemälde über die Bombardierung dieser kleinen baskischen Stadt.

Jedem Objekt ist ein mehrseitiger Artikel gewidmet, der auf die Entstehungs- bzw. Fundsituation eingeht, ihren kulturellen Kontext und ihre Rezeption erklärt. Der Ton ist dabei zwar wissenschaftlich gehalten, sollte aber dennoch für jeden an dem Thema Interessierten gut verständlich sein. Kleine Anekdoten, wie z.B. über die Arbeitsweise Leonardo Da Vincis oder die Geschichte von Edvard Munch selbst erzählt, die zu seinem Gemälde „Der Schrei“ geführt hat, ergänzen die sehr ausführlichen Informationen.

Leider sind die Artikel nur mit winzigen schwarz-weiß Fotografien ergänzt, deren etwas größere farbige Pendants zusammengefasst am Anfang des Buches zu finden sind. Seitenfüllende Farbabbildungen in den einzelnen Artikeln wären wesentlich angenehmer gewesen und hätten zur besseren Informationsaufnahme beigetragen. So muss man immer blättern, um das entsprechende Kunstwerk vor Augen zu haben. Ein Verzeichnis der besprochenen Werke und eine Listung der verwendeten Sekundärliteratur sind am Ende des Buches zu finden.

Ikonen und das eigene kulturelle Gedächtnis

Das kulturelle Gedächtnis kann auch ganz individuell geprägt sein. Somit unterliegt auch die Auswahl der vorgestellten 25 Kunstwerke zum Teil der subjektiven Wahrnehmung der Autorin. Zweifelsfrei kennt so gut wie jeder die „Mona Lisa“ oder die Totenmaske des Tutanchamun. Aber bei einigen anderen könnte der populär notwendige Ruhm, um von einem Kunstwerk zu einer Ikone zu werden, nur unter Interessierten vorhanden sein. So fallen mir zu Vincent Van Gogh schlagartig seine Sonnenblumen oder sein Selbstporträt ein. Das im Buch besprochene Bild „Sternennacht“ aber nicht – es scheint nicht zu meinem persönlichen kulturellen Gedächtnis zu gehören. Genauso wie der Laokoon, eine Skulptur aus den Vatikanischen Museen, die ich zwar kenne, aber die für mich keine solch große Bedeutung hat, wie für die Klassische Archäologin Lembke.

Die beschriebenen Ikonen sind also keineswegs absolut und auch mit Sicherheit nicht vollständig – ein Anspruch, den Lembke wahrscheinlich auch nicht hatte. Aber es macht enorm viel Spaß in den Artikeln zu schmökern, denn Neues kennenzulernen ist doch immer noch interessanter als über Bekanntes zu lesen.

Fazit

Nach der Lektüre kennen Sie 25 Ikonen der Kunst in und auswendig! Mit enorm viel Wissen und sehr gut verständlich, vermittelt die Autorin wirklich alles zu den berühmten Kunstwerken. Ob sie allerdings auch Ikonen dem persönlichen kulturellen Gedächtnis entsprechend sind, muss jeder Leser selbst herausfinden.

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