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Das Wissen wird gut und verständlich vermittelt, auch wenn manche Sachverhalte dafür etwas zu stark vereinfacht werden.

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Das Thema hätte sicherlich mehr Bilder, Tabellen und Grafiken hergegeben, die die Textwüste ein wenig aufgelockert hätten.

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Almut Oetjen
Economists for Future

Sachbuch-Rezension von Almut Oetjen Apr 2020

Nobelpreisträger im Einsatz für gute Ökonomie

Das Ehepaar Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo vom MIT gehört, mit Michael Kremer, zu den drei Ökonomen, die in 2019 für ihren experimentellen Ansatz zur Linderung globaler Armut den Wirtschafts-Nobelpreis erhalten haben. Kurz nach der Preisverleihung erschien ihr zweites Buch, „Good Economics for Hard Times“. „Gute Ökonomie für harte Zeiten“ ist, so der Untertitel, befasst mit „Sechs Überlebensfragen und wie wir sie besser lösen können“.

Die Probleme sind Migration, Außenhandel, Wirtschaftswachstum, Umweltfragen, insbesondere Klima, sowie Ungleichheit und Armut. Die Autoren stellen zu diesen Themen einen ausgewählten Teilstand der empirischen Forschung allgemeinverständlich dar. Weiter hinterfragen sie kritisch verschiedene Konzepte, die in den Wirtschaftswissenschaften Verwendung finden, und diskutieren vergleichsweise kurz andere Aspekte ihrer Problemmatrix.

Medizin für ökonomische Probleme

Im Zusammenhang der internationalen Krise von 2008 sind die Wirtschaftswissenschaften massiv unter Beschuss geraten. Einer der zentralen Kritikpunkte ist der Homo Oeconomicus, das ökonomische Grundmodell des individuellen Verhaltens. Banerjee und Duflo widmen Vorlieben, Wünschen und Bedürfnissen ein eigenes Kapitel. Im Zuge dieser Kritik erlangen verhaltenswissenschaftliche Ansätze in den Wirtschaftswissenschaften zunehmend Bedeutung. Einer von ihnen ist das Randomized Control Trial (RCT), das es in der Entwicklungsökonomie zum Goldstandard gebracht hat. Duflo ist eine der exponierten Vertreterinnen dieses Ansatzes, bei dem experimentell die Wirksamkeit politischer Maßnahmen überprüft wird. Das Verfahren ist grundsätzlich aus der Medizin bekannt.

Migration, Internationaler Handel und Wachstum

Banerjee und Duflo setzen sich mit Stereotypen zur Immigration auseinander. Dazu gehört die Vorstellung, Einwanderer würden den Einheimischen Jobs wegnehmen. Als eher mäßig sehen sie den Beitrag des Außenhandels zum Wirtschaftswachstum an. Zur Verringerung der Armut trägt er nur in manchen Entwicklungsländern bei und hat mitunter gar einen negativen Effekt auf die Kinderarbeit.

Das Kapitel über Wachstum ist exzellent in seiner Verbindung aus ökonomischer und gesellschaftspolitischer, empirischer und historisch-theoretischer Perspektive. Die Ausführungen über künstliche Intelligenz sind unter historischem Aspekt interessant, tragen aber nur bedingt zum Problemverständnis bei. Wenig hilfreich ist die Auseinandersetzung mit der Frage, ob wir die Automatisierung aufhalten sollten.

Mehr Geld hilft nicht immer

Banerjee und Duflo zeigen, dass mehr Geld nicht ständig das Mittel ist, Probleme zu beseitigen. Leute wollen nicht mehr Geld, sie wollen Würde am Arbeitsplatz, auch wenn Politiker dies anders sehen und bei abnehmender Attraktivität eines Jobs gebetsmühlenartig von besserer Bezahlung als Heilmittel reden. Diese Diskussion kennen wir hierzulande seit geraumer Zeit aus der Gesundheitspolitik.

Allgemeinverständlichkeit und Unschärfen

Gelegentlich verweisen die Autoren auf die Komplexität der Welt und argumentieren in homogenen, stark vereinfachenden Kategorien wie „wir“ und „die Wähler“. So wird bei Banerjee und Duflo im Wahlkampf vom nicht rassistischen Politiker die Rassismuskarte gezogen, obwohl „die Wähler“ nicht rassistisch sind, sich aber auch nicht am Kandidaten stören, was letztlich ein eigenartiges Muster erzeugt. Wenn es darum geht, sich mit weniger Konsum abzufinden, stellt sich ebenfalls die Frage, wen Banerjee und Duflo mit „wir“ meinen.

Die Antwort auf diese Frage kann man sich manchmal denken, aber dadurch verschwindet die Unschärfe nicht. Es passt nicht, Vertretern der herrschenden Ökonomie vorzuwerfen, was man selbst praktiziert. In einigen Fällen ist Unschärfe offensichtlich der Preis für leichtere Lesbarkeit durch Vereinfachung.

Regierungen können Gutes bewirken

Zu kleineren Mängeln zählen auch Plattitüden wie die, dass die Gestaltungsmacht der Politik groß ist und Regierungen sehr viel Gutes bewirken, aber auch großen Schaden anrichten können. Die Aussage, dass Kapital nicht besonders beweglich ist, dürfte auch Erklärungsbedarf hervorrufen. Und wenn Banerjee und Duflo schreiben: „Die Antworten auf Probleme lassen sich nicht in einem Tweet formulieren. Und daher gibt es den Wunsch, ihnen einfach aus dem Weg zu gehen. Nicht zuletzt aus diesem Grund tun Staaten sehr wenig, um die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit zu lösen.“, dann würde der US-Präsident, den sie wiederholt am Wickel haben, widersprechen. Darüber hinaus ist die Aussage irritierend.

Da es sich besonders im Bereich der Empfehlungen um ein politisches Buch handelt, ist es naturgemäß von allen Seiten kritisierbar. Die Autoren vertreten, jedenfalls im demokratischen US-Spektrum, eine tendenziell linke Sicht. Verschiedene Ansichten dürften manche Leser zum Widerspruch reizen, obwohl sie gut begründet und empirisch belegt werden. Zu nennen sind hier Steuersenkungen für große Vermögen, die weder den Konsum noch die Wirtschaft allgemein stimulieren.

Fazit:

Das Buch ist leicht lesbar geschrieben und auch für ökonomische Laien gut zu verstehen, obwohl es nicht immer ohne die Vermittlung ökonomisch-theoretischer Konzepte geht. Das Anliegen von Banerjee und Duflo besteht darin, für wichtige Probleme relevante Fragen zu stellen und Problemlösungen zu finden. Sie betonen, dass es in den Wirtschaftswissenschaften keine ehernen Gesetze gibt, die uns daran hindern könnten, eine humanere Welt zu gestalten.

Die Darstellung arbeitet mit einer Verbindung aus empirischer Forschung, Geschichte, Anekdoten und Einzelschicksalen. Die Autoren knüpfen daraus ein Narrativ, in dem ihre Bewertungen plausibel sind. Trotz mancher Mängel, die vermutlich den Vereinfachungen zuzuschreiben sind, ein empfehlenswertes Sachbuch.

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