Die Welt des Adels

Erschienen: März 2021

Couch-Wertung

6
Wissen
Ausstattung

Wissen

Die Herausgeberinnen haben versucht mit den unterschiedlichen Aufsätzen die Entwicklung des Adels bis in unsere heutige Zeit nachvollziehbar zu machen. Dazwischen ist immer wieder „Schnelles Wissen“ eingestreut, in dem auf eine Frage kurz und knapp Auskunft gegeben wird.

Ausstattung

Die weitgefächerten Themen rund um den Adel sind für ein interessiertes Publikum populärwissenschaftlich aufgearbeitet. Die Fotos allerdings leiden unter dem kleineren Format des Buches. Leider sind es zu wenige - gerade diesem Thema hätte mehr Veranschaulichung gut getan.

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Carola Krauße-Reim
Ein Magazin ins Buchformat gepresst

Sachbuch-Rezension von Carola Krauße-Reim Apr 2021

Die Artikel des vorliegenden Buches erschienen erstmals 2019 in einem Magazin der Reihe „Spiegel Geschichte“. Es werden „überraschende Einblicke in die prunkvolle Welt des europäischen Adels“ versprochen und eine Vorstellung der Häuser „von den Habsburgern bis zu den Windsors“. Verschiedene Autoren liefern Artikel unterschiedlicher Länge und sehr unterschiedlicher Qualität ab, unter ihnen z.B. Jutta Ditfurth und Prof. Eckart Conze.

Weniger „Überraschende Einblicke“ als erhofft

Die Aufsätze im Buch behandeln sehr unterschiedliche Themen rund um den europäischen Adel im Laufe der Jahrhunderte, doch wirklich Neues bieten sie wahrscheinlich nicht. Die Rolle der Ritter ist schon so oft hinterfragt und behandelt worden, dass man an ihre Glorifizierung schon lange nicht mehr glaubt und, dass genau das die Minnesänger mit Inbrunst betrieben haben, dürfte auch nicht neu sein.

Die Probleme mit der Nobilisierung jüdischer Familien könnte vielleicht noch nicht so bekannt sein, wie auch die in letzter Zeit kritischer betrachtete Rolle des Adels im Widerstand gegen Hitler. Obwohl ziemlich banal, sind die Artikel über „Schmuckeremiten“ im 18. Jahrhundert oder die Liebe Adliger zu ihren Hunden ganz interessant und teilweise auch lustig. Dagegen karikiert sich der Artikel über Gloria von Thurn und Taxis selbst, wenn der Autor, Uwe Klußmann, bemängelt: „So bekommt die Schlossherrin immer wieder ein Forum, nicht selten für reaktionären Nonsens“ und dann selber seitenlang, wenn auch kritisch, über die teilweise rechtsradikalen Äußerungen der Fürstin schreibt.

Die Herausgeberinnen haben versucht mit den unterschiedlichen Aufsätzen die Entwicklung des Adels bis in unsere heutige Zeit nachvollziehbar zu machen. Dazwischen ist immer wieder „Schnelles Wissen“ eingestreut, in dem auf eine Frage kurz und knapp Auskunft gegeben wird. Erst zum Schluss wird auf 23 Seiten knapp zu jedem großen europäischen Adelshaus Auskunft gegeben – da hatte ich mir mehr erhofft, gerade nach der Ankündigung „Europas Herrscherhäuser vom Mittelalter bis heute“, das prägnant auf dem Cover präsentiert wird.

Was einmal ein Magazin war, ist jetzt ein Buch

Die weitgefächerten Themen rund um den Adel sind für ein interessiertes Publikum populärwissenschaftlich aufgearbeitet. Sie geben Einblick in eine Welt, in der so Manches anders war und anders ist. Dabei ist es egal, in welchem Format die Aufsätze abgedruckt werden, wobei eine farbige Abgrenzung der kurzen „Schnelles Wissen“ dem Buch mehr Differenzierung gegeben hätte. Die Fotos allerdings leiden unter dem kleineren Format des Buches. Leider sind es zu wenige - gerade diesem Thema hätte mehr Veranschaulichung gut getan. Dazu sind sie durchgehend in Schwarz-Weiß und teilweise so sehr verkleinert und dem Buchformat angepasst, dass sie viel von ihrer Kraft verlieren oder einfach nicht ganz abgedruckt zu sein scheinen.

Fazit

„Die Welt des Adels“ ist eine Artikelsammlung, die Neueinsteiger in dieses Thema mit den versprochenen „überraschenden Einblicken“ versorgen dürfte. Wer sich aber schon einmal mit der „Klasse für sich“ beschäftigt hat, dürfte wenig Neues erfahren und von den raren Fotos eher enttäuscht sein.

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