Die Nase vorn

Die Nase vorn
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Julian Hübecker
9

Sachbuch-Couch Rezension von Julian Hübecker Feb 2022

Wissen

Das Thema ist so umfassend, dass nur an der Oberfläche gekratzt werden kann. Wichtig ist, den Leserinnen und Lesern Wissensdurst mitzugeben. Das schafft der Autor allemal!

Ausstattung

Ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Inhaltsverzeichnis. Mehr bietet das Buch nicht, braucht es aber auch nicht!

Der Nase nach

Wir nutzen ihn täglich: den Geruchssinn. Ob bewusst oder unbewusst ist er eine wertvolle Möglichkeit, um die Umgebung wahrzunehmen und uns etwa vor vergammeltem Essen zu schützen. Schaut man sich jedoch in der Tierwelt um, so finden sich einige Supernasen, die unser Riechorgan alt aussehen lassen. Oder haben Sie gewusst, dass Mäuse im Grunde vier Nasen haben?

„Unser Geruchssinn ist keine triviale Angelegenheit. Er löst starke Gefühle aus, setzt Erinnerungen frei und hilft sogar bei der Diagnose von Krankheiten.“

Bill Hansson ist Neuroethologe und beschäftigt sich als solcher mit chemischer Ökologie. Seine Forschung dreht sich vor allem um Duftmoleküle und wie diese zwischen Organismen zur Kommunikation eingesetzt werden. Doch wer kommuniziert mit wem? Und ist dies immer zum gegenteiligen Vorteil? Hansson gibt einen oberflächlichen, aber spannenden Einblick in die Welt der Gerüche. Und obwohl dieses große Themenfeld nur angekratzt werden kann, schafft der Autor eine Begeisterung auszulösen, darüber mehr erfahren zu wollen.

In 15 Kapiteln, die jeweils mit einer schwarz-weißen Zeichnung eingeführt werden, geht er dem Geruchssinn auf den Grund. Anfänglich erklärt er, wie das Prinzip des Riechens funktioniert und welche Rolle es in unserer Gesellschaft spielt. In einer Zeit, in der der natürliche Geruch mit Unmengen von Deos und Parfums überdeckt wird, nimmt unser Geruchssinn eine völlig neue Rolle ein. Dennoch basiert er auf einem evolutionären Erfolgsmodell, das etwa bei Hunden noch weitergetrieben wurde. Aber auch manche Vögel sind Meister im Riechen, und es gibt sogar Tiere, die dies unter Wasser tun. Diese spannende Welt ist also mehr als nur das Schnuppern am frischgebackenen Kuchen und verdient die Aufmerksamkeit, die Hansson mit diesem Buch schafft.

„Der Hund riecht die Vergangenheit. Seine hervorragende Nase eröffnet ihm einen vollkommen anderen Blick auf die Welt und verschafft ihm damit im Vergleich zu uns Menschen einen beneidenswerten Vorteil.“

Das Buch ist (leider) sehr schnell ausgelesen – leider, weil ich noch viel mehr hätte darüber lesen können, so interessant liest es sich. Es ist darüber hinaus ein Kompliment an den Autor, der nicht nur einen lockeren, persönlichen Schreibstil pflegt, sondern sein Wissen in sehr kurze, auf das Wesentliche reduzierte Kapitel gepackt hat. Überflüssige Längen ergeben sich so praktisch nicht – bis auf kleine Ausnahmen, die zu keiner vollen Wertung geführt haben.

Der Autor hat es sich nämlich angewöhnt, vieles zu wiederholen: etwa die Beschreibung, dass es Geruchsstoffe gibt, die zwischen derselben Spezies vermitteln sollen (Pheromone), solche, die nur dem Absender nützen (Allomone), und solche, die beiden Seiten Informationen liefern (Synomone). Ein zentrales Begriffsregister hätte dies ersparen können.

Auch ist die ein oder andere Information nicht auserzählt. Etwa schreibt Hansson über eine Schmetterlingsart, deren Pheromone (die eigentlich für das andere Geschlecht gedacht sind) unbeabsichtigt einen Parasitoiden anlocken können. Leider nennt Hansson aber weder die Schmetterlingsart noch den Feind. Dafür muss man dann die englischsprachige Studie im Netz raussuchen, die im Anhang benannt wird. Den Schritt werden sich viele Leser sparen.

Fazit

Wie spannend die Welt des Geruchssinns sein kann, vermittelt der Biologie Bill Hansson gekonnt in diesem Buch. Bis auf kleine Schwächen ist Die Nase vorn ein Sachbuch, das begeistert.

Die Nase vorn

Bill Hansson, S.Fischer

Die Nase vorn

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