Die letzte deutsche Kaiserin

Erschienen: März 2021

Couch-Wertung

10
Wissen
Ausstattung

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Randy Fink hat, wenn man die Anmerkungen und das Quellen- und Literaturverzeichnis betrachtet, eine ausgiebige Recherche betrieben. So sind seine Ausführungen auch detailliert und vielfältig.

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Die Publikation ist populärwissenschaftlich gehalten und sehr eingängig geschrieben. Die vielen Fotos lassen die Zeit noch einmal aufleben und lockern die enorme Flut an vermittelten Fakten wohltuend auf, wobei es sich nicht nur um die allgemein bekannten Abbildungen handelt, sondern durchaus auch Schnappschüsse, von Auguste Viktoria selbst aufgenommen, darunter sind.

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Carola Krauße-Reim
Umfassende Biografie einer umstrittenen Persönlichkeit

Sachbuch-Rezension von Carola Krauße-Reim Mai 2021

Kaiser Wilhelm II dürfte jedem Geschichtsinteressiertem ein Begriff sein – seine Frau, Auguste Viktoria, dagegen ist weniger bekannt. Wer sich über die letzte deutsche Kaiserin informieren will, hat bis jetzt nicht viel Auswahl. Mit dem vorliegenden Buch legt der Historiker Randy Fink, pünktlich um 100. Todestag der letzten Kaiserin, eine Biografie vor, die das Leben von Auguste Viktoria aus allen Winkeln beleuchtet.

Eine bipolar beurteilte Person

Für die einen war Auguste Viktoria eine „dumme Gans“ mit wenigen Interessen und noch weniger Intelligenz; für die anderen war sie der Inbegriff einer treu sorgenden Gattin und Mutter und einer Kaiserin für das Volk. Als Mutter kann man sie wohl als eine der ersten Helikoptermütter bezeichnen. Sie mischte sich bedenkenlos in das Leben ihrer sieben Kinder ein und kontrollierte jeden Bereich, selbst als diese schon erwachsen waren.

Ihren Mann, Kaiser Wilhelm II, liebte sie exzessiv, er war die Essenz ihres Daseins und auch ihm schnürte sie mit ihrer überbordenden Fürsorge die Luft ab. Als Frau des Monarchen war sie „als private Person Teil der herrschenden Gesellschaft. Als politische Institution existierte sie staatsrechtlich jedoch nicht“. Das hielt Auguste Viktoria aber nicht davon ab, sich, wenn sie es für nötig hielt, in die Belange des Reiches einzumischen, wobei ihr stark eingeschränkter Horizont diese Einmischungen thematisch in Grenzen hielt. Nicht jeder war davon begeistert: „Aber weder die Kaiserin Augusta, noch die Kaiserin Victoria haben jemals den Versuch gemacht unmittelbar in die öffentlichen Angelegenheiten, ja in die Verwaltung einzugreifen. Dies ist der jetzigen Kaiserin vorbehalten geblieben, die damit eine Bereicherung der politischen Einrichtungen und Sitten gefeiert hat, gegen welche aus Verfassungsgründen Einspruch erhoben werden muss“.

Das Volk liebte seine Kaiserin, die zwar sehr viel Wert auf Etikette legte, aber ohne Scheu auf ihre Untertanen zuging, offenherzig mit ihnen plauderte und auch vor Gefühlsäußerungen nicht zurückschreckte. Eine Frau, die bis heute sehr unterschiedlich beurteilt wird. Mit der vorliegenden Biografie kann sich jeder Leser sein eigenes Urteil bilden.

Hier stimmt einfach alles

Randy Fink hat, wenn man die Anmerkungen und das Quellen- und Literaturverzeichnis betrachtet, eine ausgiebige Recherche betrieben. So sind seine Ausführungen auch detailliert und vielfältig. Er geht ausführlich auf die Abschnitte im Leben Auguste Viktorias ein: die Jugend, das Leben als Kaiserin, den ersten Weltkrieg und das anschließende Exil.

Natürlich nimmt der Zeitraum als Kaiserin den größten Teil des Buches ein, denn hier werden alle Bereiche des Lebens von Auguste Viktoria beleuchtet: Ihre Hinwendung zur Gesundheitsfürsorge; ihre innen- und außenpolitischen Tätigkeiten, die bestimmt waren von ausgeprägtem Nationalbewusstsein und nahezu bigotter Religionsauffassung - und ihre fast schon manische Sorge um ihre Kinder und ihren Mann. Während dieser Zeit wird auch ihr beschränkter Horizont deutlich, wobei Fink in seiner Schlussbetrachtung meint, dass die Kaiserin „ganz und gar zeitgemäß“ war.

„In seiner Kaiserin fand sich das deutsche Volk repräsentiert“, was aber auch bedeuten kann, dass sie lediglich das geläufige Frauenbild zu dieser Zeit repräsentierte. Fink wahrt, bis auf die Schlussbetrachtung, die Neutralität in seinen Ausführungen und zeigt alle zu betrachtenden Seiten dieser Persönlichkeit. Die endgültige Beurteilung der letzten Kaiserin bleibt jedem Leser selbst überlassen.

Die Publikation ist populärwissenschaftlich gehalten und sehr eingängig geschrieben. Die vielen Fotos lassen die Zeit noch einmal aufleben und lockern die enorme Flut an vermittelten Fakten wohltuend auf, wobei es sich nicht nur um die allgemein bekannten Abbildungen handelt, sondern durchaus auch Schnappschüsse, von Auguste Viktoria selbst aufgenommen, darunter sind.

Fazit

Diese Biografie ist rundum gelungen! Randy Fink stellt die letzte Kaiserin allumfassend dar ohne die Neutralität zu verlieren. Die ausführlichen Anmerkungen und das Quellen- und Literaturverzeichnis laden zur eventuell weiteren Recherche ein und die zahlreichen Fotos ergänzen den Textteil bestens.

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