Die Heilsbringer

Erschienen: August 2020

Couch-Wertung

10
Wissen
Ausstattung

Wissen

Die Bandbreite der vorgestellten Personen ist beeindruckend. Der Ansatz, den Glauben durch die Ausleuchtung seiner verschiedenen Facetten zu untersuchen, erweist sich als enorm fruchtbar.

Ausstattung

Die Kapitel lassen sich hervorragend auch einzeln und „häppchenweise“ lesen. Die Abbildungen runden die Biografien sinnvoll ab. Der Anhang ist beeindruckende 104 Seiten stark.

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Moritz Neufeld
Schillernde Facetten des Glaubens

Sachbuch-Rezension von Moritz Neufeld Dez 2020

Das 20. Jahrhundert steckte voller Umbrüche. Wie gingen die Menschen rund um den Erdball damit um – und an was glaubten sie? Dieser Frage geht Michael Stausberg in seinem Band „Die Heilsbringer“ nach. Dabei versucht er nicht, eine große, übergreifende Gesamtgeschichte des weltweiten Glaubens aufstellen zu wollen. Stattdessen erzählt das Buch 47 Geschichten von Menschen, die in ihrem Leben und Wirken andere auf religiöse oder spirituelle Weise beeinflussten. Mit diesem Ansatz trägt „Die Heilsbringer“ dem gewaltigen Facettenreichtum Rechnung, der den Glauben so faszinierend macht – sowohl als inspirierenden Sinnstifter als auch als Quelle von Schrecken und Zerstörung.

Mehr als nur das „Who is who“ der Weltreligionen

Die Heilsbringer, das sind 47 Persönlichkeiten, die auf äußerst unterschiedliche Weisen andere Menschen in ihren Bann zogen. Wer ein Fan der Beatles ist – die übrigens auch in einem eigenen Kapitel vorkommen –, der denkt vermutlich beim Betrachten des Inhaltsverzeichnisses an das Cover des Albums Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band. Denn ebenso wie dort eine wilde Mischung von unterschiedlichen Personen abgebildet ist, so findet sich auch in „Die Heilsbringer“ eine bunte Menagerie an bekannten und unbekannten Gesichtern. Mutter Teresa, Mahatma Gandhi, Papst Johannes Paul II und der Dalai-Lama – soweit, so gut. Doch Adolf Hitler, J.R.R. Tolkien und Steven Spielberg würde vermutlich nicht jeder in einem Sammelband über Religionen vermuten.

Glaube ist bei Michael Stausberg nicht an ein eng definiertes Konzept von Religion und Offenbarung geknüpft. Religion ist für ihn kein Stempel, den man der einen Bewegung anhand gewisser Kriterien aufdrückt und der anderen nicht. Die Vorstellung einer „guten“ und „richtigen“ Religion auf der einen Seite und Scharlatanen und Täuschern auf der anderen Seite lassen sich kaum begründen, so Stausberg. Interessanter als die Frage, was als Religion definiert wird und was nicht, ist die Vielfalt der Ausprägungen, die der Glaube im 20. Jahrhundert annahm. Diese unzähligen Facetten zeigt das Buch. Dabei nimmt es eine angenehm unvoreingenommene Perspektive ein – Stausberg lädt seine Leserinnen und Leser dazu ein, als staunende Beobachter ein spannendes Phänomen in seinen unterschiedlichen Spielarten zu betrachten.

„Zwiespältige Bilanz“: Religionen bringen Licht und Schatten

Michael Stausberg bezeichnet seine 47 Biografien als „Leuchttürme auf dem Küstenstreifen einer globalen Religionsgeschichte“. Leuchttürme waren auch die Personen, die er porträtiert: Zu ihnen schaute man auf, sie gaben Halt, Orientierung und Richtung. Dabei fällt ihre Bilanz „zwiespältig“ aus, so der Autor: Einerseits traten die „Heilsbringer“ als Botschafter von Frieden und Versöhnung auf und boten Menschen Hoffnung in schwierigen Situationen. Andererseits mündete der Glaube an die große Idee aber auch immer wieder auf tragische Weise in Gewalt und Zerstörung.

Stausberg versucht nicht, der gewaltigen Vielfalt der Glaubensphänomene ein übergeordnetes Konzept überzustülpen. Dennoch schimmert doch immer wieder die Leitfrage des Buchs durch: Wie ziehen Menschen Sinn aus ihrem Dasein, woran halten sie sich fest, was gibt ihnen Orientierung? Die Antworten auf diese Frage haben viele Facetten, die zu entdecken sich lohnt.

Fazit:

„Die Heilsbringer“ lädt zu einem beeindruckenden Ritt durch die Geschichte des Glaubens im 20. Jahrhundert ein. Dabei werden unterschiedliche Persönlichkeiten aus den unterschiedlichsten Ländern mit den unterschiedlichsten Werdegängen vorgestellt. Die Biografien lesen sich spannend und sind an keiner Stelle trocken wie Lexikoneinträge. So ist das Buch definitiv auch für Menschen lesenswert, die sich nicht als besonders religiös oder religionsinteressiert bezeichnen würden.

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