Bücherliebe - Was Bücherregale über uns verraten

Erschienen: Februar 2021

Bibliographische Angaben

Katrin Harlaß (Übersetzung)

Couch-Wertung

4
Wissen
Ausstattung

Wissen

Keine wissenschaftliche Aufarbeitung, sondern ein Sammelsurium von Anekdoten, Halbwissen und inhaltslosen Kapiteln.

Ausstattung

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Carola Krauße-Reim
Ein leider irreführender Titel

Sachbuch-Rezension von Carola Krauße-Reim Mär 2021

Als ich den Titel des Buches las, war ich gespannt und neugierig auf neue psychoanalytische Erkenntnisse. Denn es ist klar, dass Bücherregale und vor allem die Bücher, die darin stehen, so einiges über ihre Besitzer und Leser offenbaren können. Doch was ich vorfand, war keine wissenschaftliche Aufarbeitung, sondern ein Sammelsurium von Anekdoten, Halbwissen und inhaltslosen Kapiteln. Eingangs wird erklärt, dass Autorin Annie Austen ihre Anonymität schätzt – ich kann es nach der Lektüre des Buches verstehen.

Erkenntnisse so alt, wie das älteste Buch

Schon die Einleitung machte mich stutzig, handelt sie doch über Seiten von einem Regal, in dem die Bücher mit dem Buchrücken nach hinten einsortiert waren. Eigentlich interessant – aber es folgte keine handfeste Aussage dazu, nur oberflächlich Nichtssagendes. Und nach dem ersten wirklichen Kapitel „Was Bücher über Sie verraten“ hätte man die Lektüre dieses Buches eigentlich schon beenden können. Denn die Erkenntnis war: „Ihre Bücherregale sind nicht nur der Ort, wo Sie Ihre Bücher aufbewahren. Sie sind die physische Verkörperung ihres inneren Selbst. Ihre Bibliothek ist zugleich Ihre Autobiografie.“ Nun wahrlich nichts Neues, aber immerhin eine Aussage. Was dann folgte konnte nicht einmal damit aufwarten.

Will man so etwas wissen?

Schon bis hierher war mir klar, die Autorin will mit mir reden, spricht sie mich, ihre Leserin, doch immer direkt an. Das nervt mich persönlich. Ich erhoffe mir keinen Monolog einer Autorin (denn ein Dialog ist ja nicht möglich), die mir ihre Ansichten und Einschätzungen aufdrängt, mich dabei stets mit einbezieht, annimmt ich stimme ihr freudestrahlend zu und die auf begeistertes Weiterlesen meinerseits hofft. So habe ich diese Art von Ansprache jedenfalls empfunden.

Der sehr humorvolle Stil wirkt leider zu oft sehr anbiedernd, passt allerdings zu dem Inhalt. Sie können erfahren, welche Bücher Osama Bin Laden in seinem Versteck hatte, welche Lieblingsbücher J.K. Rowling als Kind las und wir machen Bekanntschaft mit den reitenden Bibliothekarinnen von Kentucky. Oder die Leser/innen werden eingeführt in die unterschiedlichen Arten ein Buch aufzubewahren: Stapeln, nach Größe, Farbe, Verlag oder Autor geordnet oder einfach ohne System ins Regal gestellt.

Und natürlich geben die Regale oder Schränke selbst unglaublich wichtige Informationen preis: Welche Geschichte schrieben, ob sie in einem Kinofilm vorkamen, den Brownings gehörten und sogar wer von einem getötet wurde – wer‘s wissen will, wird hier fündig!

Eingestreut zwischen diesen noch einigermaßen literarischen Artikeln, werden Auflistungen angeboten, deren Informationswert manchmal gegen Null geht: „Fünf von Büchern inspirierte Songs“; „Zwölf Bücher, die in Filmen gelesen werden“; „Fünf fiktive Buchläden“ und sogar „Vierzehn Bücher aus der Privatbibliothek von Marilyn Monroe“, um nur einige zu nennen. Zwischen den einzelnen teilweise sehr kurzen Artikeln sind Zitate bekannter und weniger bekannter Bücherliebhaber abgedruckt, die manchmal ganz interessant sind, aber manchmal eben auch völlig unnötig, wie z.B. „Tut es Ihnen nie leid“, fragte sie plötzlich, „dass Sie nicht reich genug sind, all die Bücher zu kaufen, die Sie gerne haben möchten?“ Edith Wharton (Haus der Freude) - was soll man dazu noch sagen!?

Fazit

Unter dem Sub-Titel „Was Bücherregale über uns verraten“ hatte ich erwartet zu erfahren, warum man ist, was man liest. Annie Austen hat mit „Bücherliebe“ jedoch eher ein kleines Sammelsurium geschaffen, in das man immer Mal hineinlesen kann, wenn man an nichtigem Wissen rund ums Buch interessiert ist oder Gefallen an unterhaltsamen Halbwissen findet. „Was Bücherregale über uns verraten“ weiß ich jedenfalls immer noch nicht.

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