Barrie - Wie ich eine Hündin rettete - und sie mich

Erschienen: Oktober 2020

Bibliographische Angaben

Johanna Wais (Übersetzung)

Couch-Wertung

6
Wissen
Ausstattung

Wissen

Ein paar genauere Beschreibungen von den Einsätzen wären spannend gewesen.

Ausstattung

Leider keine Fotos von der langen Reise nach Hause.

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Stefanie Eckmann-Schmechta
Wie eine Begegnung zwei Leben verändern kann

Sachbuch-Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta Dez 2020

Die Geschichte um den britischen Ex-Soldaten Seán Laidlaw und seiner Hündin Barrie ist um die ganze Welt gegangen. Auch hier in Deutschland haben viele Medien über die rührende Geschichte berichtet, wie ein Soldat in den Trümmern im syrischen Kriegsgebiet einem kleinen Welpen das Leben rettete. Doch Seán Laidlaw ist davon überzeugt, dass diese Hündin auch sein Leben gerettet hat.

Inmitten größter Zerstörung und Unmenschlichkeit hört Seán ein leises Wimmern

Während seiner aktiven Militärzeit war Seán Laidlaw Spezialist in der Bombenentschärfung. Ein Gebiet, bei dem – das Wortspiel sei erlaubt - alle seine Sinne geschärft sein müssen. Er ist sich sicher, dass er sonst das leise Wimmern von Barrie gar nicht gehört hätte. Laidlaw nimmt den kleinen Welpen nicht sofort mit – es dauert ein paar Tage, bis Barrie endlich in seiner Baracke im Camp einziehen darf.

Eine unter diesen Umständen regelrecht unbeschwerte Zeit beginnt; Barrie lebt sich im Camp einer zivilen Hilfsorganisation gut ein, wird von allen verwöhnt und es entwickelt sich schon ein eigener Barrie-Seán-Tagesablauf.

Dann reist Seán für ein Familienfest nach England zurück und lässt Barrie bei befreundeten Kollegen – nicht ahnend, dass er nicht wieder nach Syrien zurückkehren darf.

Wie kann er Barrie noch nach Hause holen, jetzt, mitten im Krieg?

Eine schwere Zeit für Seán

Nach dem Afghanistan-Einsatz, als Seán noch Soldat beim Militär war, ist er mit einer posttraumatische Belastungsstörung zurückgekommen. Er selbst ahnte nichts davon, dachte, dass es nach seiner aktiven Militärzeit einfach zurück ins zivile Leben gehen würde. Schließlich hat er mit seinem Freund Mitch „Beyond Limits“ – ihr eigenes Fitness-Studio- gegründet.  Seán arbeitet viel, beinahe Tag und Nacht, in seiner Beziehung kriselt es. Doch dann erfährt er, dass seine Freundin von ihm schwanger ist. Er freut sich unbändig und seine Depression scheint vergessen. Doch dann verlieren sie das Kind und Seáns ohnehin schon angegriffene Nerven halten dem nicht Stand. Am Ende wohnt er in einem Transporter, teilt sich niemandem mit und fühlt sich wieder genauso verloren wie vor seiner Zeit als Soldat. Doch dann wird er von einer zivilen Organisation auf einen Auslandseinsatz in Syrien in der Nähe von Rakka angeworben. Er stimmt zu, bricht alle Zelte ab und ist froh, wieder zu seinen gewohnten Strukturen zurückkehren zu können.

Wer rettete wen?

Der Untertitel des Buches „Wie ich eine Hündin rettete – und sie mich“ ist vor allem vor dem Hintergrund, dass Seán aus seinem Leben erzählt, passend. Er schildert seinen langen Weg aus der Einsamkeit, von der Verdrängung hin zur Öffnung – und dies auch und vor allem anderen betroffenen Soldaten gegenüber. Das ist eine großartige Leistung, die keinesfalls geringgeschätzt werden sollte. Schade finde ich nur, dass es von Barrie kaum Geschichten gibt - von ihrer gemeinsamen Zeit oder Barries Eigenheiten; kurz, Anekdoten, die eigentlich jeder Hundebesitzer zu Hauf erzählen kann.

Als Soldat und späterer Fitness-Trainer hat er seinen und Barries Weg mit seinen eigenen Worten so gut es geht für die neugierige Welt „da draußen“ geschildert. Das liest sich nicht anspruchsvoll, wirkt manchmal auch etwas widersprüchlich und es gibt auch ein paar Wiederholungen. Da er schließlich kein routinierter Autor ist, hat man vielmehr das Gefühl, er würde einfach erzählen.

Und so nimmt auch ein großer Teil seiner Geschichte seine Bemühungen um sein Fitness-Studio-Projekt ein. Ein sicherlich wichtiger Faktor, doch mit dem eigentlichen Impuls, der nach diesem Buch greifen lässt, hat das weniger zu tun. Kurze Einblicke in seine Kriegs-Einsätze wiederum, von denen ich von einem gerne erfahren hätte, wie sie sich aus der Bredouille befreit haben, lassen die Spannungskurve aber deutlich ansteigen.

Vermisst habe zumindest ein paar der vielen Fotos von denen Seán in seinem Buch erzählt, sei es im Camp oder in England. Das hätte sein Buch persönlicher und die Geschichte greifbarer gemacht.

Fazit

Ein sympathischer Ex-Soldat erzählt von seiner außergewöhnlichen Freundschaft zu einer Hündin, die die ganze Welt anrührte. Wer aber viele Details zu dem Schicksal von Barrie erfahren möchte, wird vielleicht enttäuscht sein. Seán Laidlaw hat den Schwerpunkt seiner Erzählung auf seinen Weg zurück ins Leben gelegt – doch über allem steht: ohne seine Barrie hätte er ihn sicherlich nicht so leicht gefunden. 

Barrie - Wie ich eine Hündin rettete - und sie mich

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