52 Wochen Tücher stricken

  • Frech
  • Erschienen: August 2022
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Carola Krauße-Reim
8

Sachbuch-Couch Rezension vonSep 2022

Wissen

Die Modelle sind abwechslungsreich und vielseitig. Die Anleitungen werden sehr gut verständlich in Text und Musterbild erklärt.

Ausstattung

Das Buch hat eine sehr hochwertige Ausstattung, allerdings werden die Designer*innen leider nicht vorgestellt, die Modelle sind für Anfänger*innen kaum machbar und die Garne dürften, wenn überhaupt, nur im Internet zu erhalten sein und sind überdurchschnittlich im Preis. Alternativen werden in amerikanischen Garnstärken angegeben.

Jetzt muss niemand mehr frieren

2015 beschlossen die beiden strickbegeisterten Finninnen Jonna und Sini ein ganz neuartigen Strickmagazin auf den internationalen Markt zu bringen, das genauso viel Wert auf gute Fotos, wie auf die Anleitungen selber legt. Ihr großer Erfolg hat dazu geführt, dass sie seit 2020 auch Bücher veröffentlichen, in denen sie ihrer Strickleidenschaft frönen. „52 Wochen Tücher stricken“ ist in seiner Konzeption die Fortsetzung des Vorgängers „52 Wochen Socken stricken“ - zahlreiche Designer*innen ersinnen für jede Woche des Jahres eine Strickanleitung; die Angaben sollen klar und ohne kryptische Abkürzungen sein und vor allem sollen Fotos die Produkte gut präsentieren und gleichzeitig eine passende Stimmung verbreiten.

Ein sehr hochwertiges Buch

Was auf den ersten Blick auffällt, ist die Ausstattung des Buches. Der beige Leineneinband ist schlicht, lediglich eine schön gestaltete Banderole gibt nähere Hinweise auf den Inhalt. Das großzügige Format lässt es zu, dass die notwendigen Grafiken zur Anleitung sehr groß ausfallen und so bestens lesbar sind. Und die Fotos, auf welche die Autorinnen so viel Wert legen, sind wirklich hervorragend. Sie zeigen nicht nur die gestrickten Kostbarkeiten, sondern vermitteln wirklich eine anheimelnde Stimmung, die einfach Lust macht, die Nadeln in die Hand zu nehmen und loszulegen.

Die Qual der Wahl

Schon beim Durchblättern kann man sehen, dass hier nicht nur Tücher gestrickt werden können. Es gibt Schals, Tücher, ein Collar, einen Muff, einen Loop und sogar zwei Modelle bei denen gehäkelt werden muss. Die Auswahl fällt wirklich schwer, denn die Modelle sind so unterschiedlich, dass man eigentlich jedes machen möchte: von solchen mit Skandinavisch angehauchten Mustern über einfarbige, die durch Zöpfe oder Lochmuster punkten bis hin zu filigranen Lacemustern ist alles zu finden. Leider dürften nur wenige etwas für ambitionierte Anfänger*innen sein, denn die meisten setzen doch einiges an Strickerfahrung voraus. Wer sich dann an ein Modell wagt, findet genaue Angaben zu besonderen Abkürzungen und Techniken; wichtige Hinweise zu Besonderheiten; eine exakte schriftliche und oft aufgezeichnete Anleitung und vor allem eine Skizze des Schnittes des Models, denn Tuch ist nicht gleich Tuch! Es gibt die klassischen Dreiecktücher oder rechteckigen Schals, aber auch halbrunde, wellenförmige, gezackte oder trapezförmige Modelle sind zu finden. Hier ist wahrlich für alle etwas dabei! Leider gibt es keine Angaben zu den Designer*innen. Diese Hinweise und vielleicht eine Bemerkung warum gerade diese Modelle entstanden sind, wären sehr schön und zusätzlich informativ gewesen.

Ich habe gewählt

Sobald ich das Buch durchgeblättert hatte, war klar – die Stricknadeln müssen ausgepackt werden und zu meinen schon sehr vielen Tüchern werden noch so einige dazu kommen. Doch dann kam die Ernüchterung: die angegebenen Garne sind kaum zu erhalten. In meinem üblichen, sehr gut sortierten Wollgeschäft gab es kein einziges und selbst im Internet dürfte man so seine Schwierigkeiten haben. Viele Garne sind von ausländischen Firmen, die unglaubliche Portokosten haben oder nur Geschäfte mit ihren Produkten listen. Wenn dann doch ein Garn zu bekommen ist, muss man entweder feststellen, dass 100g ein Vermögen kosten oder die jeweilige Farbe nicht zu haben ist. Das ist sehr frustrierend, will man doch loslegen ohne erst zum Shoppen nach London oder Helsinki reisen zu müssen. Natürlich ist immer der Hinweis zu Alternativgarnen gegeben, doch während in Deutschland die Garnstärke immer mit laufende Meter/100g angegeben wird, sind im Buch die amerikanischen Stärken von Lace bis Jumbo genannt, was wiederum eine Recherche im Internet und Umrechnerei verlangt. Das ist ein absoluter Minuspunkt des Buches denn man muss schon zugeben, dass Produkte aus Alternativgarnen doch nie so schön aussehen, wie mit den originalen! Mein geplanter Schal „Seascape“ von Kathryn Merrick fiel damit genauso flach, wie das Tuch „Fru Alstad“ von Anna Standberg. Zumindest die Wolle für den Schal „Cherry Twist“ und das Tuch „Silta“ von Tif Neilan habe ich im Internet gefunden. Ich werde also mit ihnen beginnen und dann doch zähneknirschend Alternativen für die beiden anderen Modelle suchen, denn sie sind einfach zu schön um nicht gehäkelt und gestrickt zu werden.

Fazit

Ein wunderbares hochwertiges Buch mit einigen Einschränkungen. „52 Wochen Tücher stricken“ bietet abwechslungsreiche und sehr gut verständliche Anleitungen zu eben 52 Modellen. Leider sind für Anfänger kaum welche dabei und für alle anderen dürfte es schwierig sein, an die angegeben exklusiven Garne zu kommen.

52 Wochen Tücher stricken

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