Koi
Spiel-Kritik von Kathrin Walther
Entschleunigendes Plättchen-Lege-Spiel mit harmonischer Optik strategischer Tiefe
Ein dekorativer Teich voller bunter Koi hat schon etwas Meditatives. Den Fischen dabei zusehen, wie sie ihre Runden durchs Wasser drehen, die Natur genießen und dem Plätschern eines kleinen Wasserfalls lauschen, bringt Entschleunigung in den Alltag und steigert das Wohlbefinden. Diese Stimmung will auch das Spiel Koi vermitteln, in dem jeder Spieler seine eigene Teichoase erschafft. Als Meister der Koi-Zucht geht es darum, den eigenen Kois das beste Umfeld zu erschaffen, das aus einem Teich voller prachtvoller Dekorationen besteht!
Wie wird gespielt?
Koi richtet sich an 1 bis 4 Spieler ab 12 Jahren und versteht sich als Kennerspiel, für das man schon etwas Spielerfahrung mitbringen sollte. Schon die Menge an Material spricht für sich, sodass vor der ersten Runde erst einmal etwas Ausdauer fürs Auspöppeln und Zusammenbauen der vielen Spielelemente mitgebracht werden sollte. Durch die vielen Tütchen lässt sich das Material anschließend übersichtlich verstauen, sodass der Aufbau in späteren Runden relativ zügig geht. Dank der anschaulich bebilderten Anleitung lassen sich die Regeln gut nachvollziehen. Für jeden Spielabschnitt gibt es einen eigenen Teil mit aussagekräftigen Beispielen, die einen Schritt für Schritt durchs Spiel lotsen.
Zu Beginn erhält jeder Spieler eine Quelle, die den Anfang des persönlichen Teichs darstellt, eine Sensei-Tafel mit Spielübersicht und Lager sowie eine Übersichtskarte für die spätere Wertung. Zwei Münzen und ein Glücksplättchen bilden das Startkapital, welches im weiteren Verlauf zum Kauf von Kois oder Dekorationen benötigt wird.
Die Kartenauslage wird in die Mitte der Spielfläche gelegt und mit fünf Karten vom zuvor gemischten Kartenstapel aufgefüllt, welcher als Nachziehstapel neben die Auslage gelegt wird. Darüber hinaus werden alle Teichplättchen, Lagerausbauten, Münzen, Glücksplättchen und Kois (Anzahl variiert je nach Spieleranzahl) als Vorrat bereitgelegt. Aufgabenkarten und Dekorationen werden im Einführungsspiel nicht benötigt, um den Einstieg ins Spielprinzip zu erleichtern.
Anschließend kann es auch schon mit dem eigentlichen Spiel losgehen und der Startspieler beginnt, bevor es dann im Uhrzeigersinn weitergeht. Der Ablauf wird im Folgenden auf die wesentlichen Punkte verkürzt, um einerseits einen Eindruck vom Spiel zu vermitteln, andererseits aber auch den Umfang nicht zu sprengen.
Im Spiel kann pro Zug zwischen zwei unterschiedlichen Aktionen gewählt werden:
Meditieren: Es wird eine Karte nach Wahl aus der Auslage genommen. Je nach Position müssen die entsprechenden Kosten gezahlt werden oder aber man erhält Belohnungen, die ins persönliche Lager gelegt werden. Je nach Effekt der Karte wird dieser direkt ausgeführt oder im späteren Verlauf des Spiels aktiv. Anschließend rücken alle Karten möglichst weit nach rechts und der freigewordene Platz ganz links wird durch eine neue Karte vom Nachziehstapel aufgefüllt.
Arbeiten: Es darf eine der vier Sensei-Aktionen ausgeführt werden. Der Teich kann erweitert werden, ein Ufer aus dem Lager oder eine Laterne können angelegt werden, der Teich kann durch ein Laubplättchen aus dem Lager oder um eine Seerose aus dem Vorrat ergänzt werden oder ein Koi aus dem Lager darf in den Teich gelegt werden.
Durch geschicktes Auswählen der Karten in der Meditations-Phase lassen sich die Züge im Laufe des Spiels immer weiter optimieren. Vorteilskarten sorgen für einen Rabatt beim Koi-Kauf oder bringen mehr Kapazität ins Lager, sodass es mehr Fläche für Teichplättchen, Kois oder Ufer bietet. Durch Gehilfen-Karten bekommt man zusätzliche Aktionen während der Arbeitsphasen und Schriftrollen bringen am Ende des Spiels zusätzliche Punkte ein, falls ihre Bedingungen erfüllt sind.
In späteren Partien gibt es zusätzliche Aufgabenkarten, die für Abwechslung in den Partien sorgen, da immer wieder unterschiedliche Karten im Spiel sind.
Das Spiel endet, sobald der Nachziehstapel aufgebraucht ist oder kein Koi mehr im Vorrat liegt. Die aktuelle Runde wird zu Ende gespielt, anschließend ist jeder noch genau einmal an der Reihe, sodass alle Spieler gleich viele Züge hatten.
Mithilfe der Wertungskarte und des Wertungsblöckchens werden die Punkte ermittelt. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt. Bei Gleichstand gewinnt der Spieler, der noch die meisten Münzen übrig hat.
Entspanntes Plättchenlegespiel mit strategischer Tiefe
Auch wenn sowohl die Anleitung als auch die Materialfülle erst einmal sehr umfangreich wirken, fällt der Einstieg ins Spiel überraschend leicht. Wer bereits etwas Spielerfahrung mitbringt, trifft auf vertraute Spielmechanismen, die gut ineinandergreifen. Ziel des Spiels ist es, durch geschicktes Auswählen der Karten einen dekorativen Teich zu gestalten, in dem sich viele bunte Kois wohlfühlen.
Punkte können dabei auf verschiedene Weise gesammelt werden. Je größer der Koi, desto mehr Punkte bringt er beispielsweise am Ende ein. Gleichzeitig müssen zuvor auch höhere Kosten gezahlt werden, um einen solchen Fisch sein Eigen nennen zu dürfen. Außerdem muss der Teich schon eine ausreichende Größe haben, um das entsprechende Plättchen überhaupt erst in den Teich legen zu können. Ist der Teich so groß, dass der Koi komplett von Wasser umgeben ist, gibt es noch einmal extra Punkte. Doch nicht nur die Größe, auch die Gestaltung des Teichs ist entscheidend. Seerosen, Laternen am Ufer oder andere Dekoelemente, die durch die zusätzlichen Aufgabenkarten ins Spiel kommen, werden belohnt.
Durch diese verschiedenen Möglichkeiten ist der Einfluss auf Sieg oder Niederlage relativ hoch. Zwar kommt durch die Karten auch ein gewisser Glücksfaktor ins Spiel, gleichzeitig lässt sich durch geschicktes Planen und strategisches Auslegen der Plättchen stark beeinflussen, wie viele Punkte am Ende erzielt werden.
Das Spielmaterial selbst kann qualitativ überzeugen. Die Plättchen und Dekoelemente sind aus stabiler Pappe, während die Karten aus festem Papier bestehen, sodass das Material viele Spielrunden überstehen sollte. Ein besonderer Hingucker sind die Koi-Plättchen, die aus durchsichtigem Acryl bestehen und mit verschiedenen Koi-Arten bedruckt sind. Legt man sie in den Teich, schimmern die darunterliegenden Teichplättchen weiterhin durch und es ergibt sich ein schöner Effekt. Die Spielbox selbst hat genau die richtige Größe für das umfangreiche Material, welches sich übersichtlich in kleinen Tütchen verstauen lässt.
Koi richtet sich an 1-4 Spieler ab 12 Jahren und dauert zwischen 45 bis 60 Minuten, was auch etwas von der Spieleranzahl abhängt. Für jüngere Kinder ist das Spiel nur bedingt empfehlenswert, da während des Spiels viele verschiedene Aspekte im Blick behalten und miteinander abgewogen werden müssen, um am Ende mit möglichst vielen Punkten abzuschneiden. Schön ist, dass das Spiel auch eine Solo-Variante mitbringt, sodass es sich auch spielen lässt, falls mal keine Mitspieler zur Verfügung stehen.
Auch wenn man sich während des Spiels ganz schön den Kopf zerbrechen kann, was man mit seinem Zug anfangen möchte, ist das Spielgefühl insgesamt doch eher entspannt, was nicht zuletzt an der entschleunigenden Thematik und ihrer optischen Umsetzung liegt. Jeder Spieler puzzelt an seinem eigenen Teich und versucht ihn zu optimieren. Mitspieler können nur bedingt ins eigene Spiel eingreifen, indem sie eine Karte aus der Auslage nehmen, die man vielleicht selbst gerne genommen hätte, einem den letzten Koi einer Sorte wegschnappen oder sich eine Aufgabenkarte sichern, die man selbst ins Auge gefasst hat.
Die verschiedenen Spielelemente greifen gut ineinander und haben eine stimmige Balance. Eine Schwäche liegt für uns jedoch im Zusammenspiel zwischen dem Ausspielen eines Ufers, einer Laterne und dem Erhalt eines Glücksplättchens, mit welchem dieser Prozess mit den richtigen Karten unserem Empfinden nach viel zu stark ist. Hat ein Mitspieler diese Kombination nicht und spielt ein Gegner diese Strategie, ist man beinahe chancenlos, da sich auf diese Weise sehr viele Punkte generieren lassen. Hier hätte man noch einmal nachbessern sollen, da das Spielende durch diese Mechanik fast immer nach diesem Muster ablaufen muss, will man keine Punkte verschenken. Gleichzeitig kommt dadurch eine gewisse Langeweile ins Spiel, da die letzten Züge relativ vorbestimmt sind.
Fazit
Insgesamt ein gelungenes Spiel, das durch eine tolle Thematik und ein stimmiges Spielprinzip überzeugen kann, sieht man vom letzten Kritikpunkt ab. Durch die vielen verschiedenen Möglichkeiten während des Spiels verläuft jede Runde anders, sodass auch nach mehreren Partien für ausreichend strategische Tiefe gesorgt ist!




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