The Steps: Die Geschichte meines Lebens
- C.Bertelsmann
- Erschienen: November 2025
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So mühsam wie die berühmten Rocky-Steps.
Sylvester Gardenzio Stallone, geboren am 6. Juli 1946, ist ohne Zweifel einer der bekanntesten US-Schauspieler weltweit. Mit Filmreihen wie „Rocky“ und „Rambo“ sowie zuletzt der Fernsehserie „Tulsa King“ hat sich der gebürtige New Yorker längst selbst ein Denkmal gesetzt. Nun - mit mittlerweile 80 Jahren - legt der Oscarpreisträger seine Autobiografie vor, in der er seinen ungewöhnlichen Weg zum Erfolg skizziert. Auch wenn das Buch als „größte Underdog-Geschichte, die je erzählt wurde, [...]“ angepriesen wird, enttäuscht die Autobiografie leider doch über weite Strecken.
Ausschnitt aus Stallones Leben
Wer auf eine umfangreiche Darstellung der einzelnen Lebensstationen Stallones gehofft hat, wird hier leider nicht fündig. Abgesehen von einigen wenigen Rückblicken in die Kindheit gibt der spätere Schauspieler, Drehbuchautor, Filmregisseur und -produzent lediglich Einblicke in acht Jahre seines Lebens: beginnend mit der Rückkehr des damals 23-Jährigen nach New York City bis zur Oscarverleihung 1977, als „Rocky“ gleich drei der bekannten Filmpreise erhielt (u.a. als bester Film). Statt seiner Lebensgeschichte beschreibt Stallone in „Steps“ vielmehr seine Odyssee von der Ankunft am New Yorker Busbahnhof am 18. August 1969, den widrigen Umständen, mit denen er in der damaligen Zeit zu kämpfen hatte, seinem steinigen Weg, den er als Schauspieler und Drehbuchautor gehen musste, und seinen ersten Schritten im Filmbusiness bis hin zum großen „Rocky“-Erfolg. Etwas enttäuschend ist auch das Fotomaterial des Buches, das lediglich aus wenigen, oftmals unscharfen oder verwackelten Aufnahmen aus dem Privatfundus des Schauspielers besteht und das größtenteils seinen Hund Butkus zeigt.
Buch wie ein Film
Die Autobiografie liest sich wie die Geschichte seines Filmhelden „Rocky“, eines Underdogs, der es trotz aller Ablehnung, Rückschläge und Zweifel aufgrund seines unbändigen Willens und Durchhaltevermögens schafft, seine Ziele und Träume Wirklichkeit werden zu lassen. In der Tat gebührt Sylvester Stallone für seine Lebensleistung – der Aufstieg aus der Gosse zum umjubelten Schauspieler - großen Respekt. Aber auch wenn er als Drehbuchautor große Erfolge feierte, ist sein Schreibstil und seine Gedankenwelt in der Autobiografie oftmals wirr und unfreiwillig komisch. Dies liegt zum einen an seinen immer wieder eingestreuten Lebensweisheiten wie „Vermeiden Sie es, in Busbahnhöfen zu schlafen, es ist unmöglich“ oder seinen Tipps, wie z. B. zum Thema Hygiene („Ich duschte in meinen Kleidern, und wenn ich das Glück hatte, ein Stück Seife zu finden, an dem keine seltsamen Haare klebten, schäumte ich damit mein Hemd, meine Hose, meine Unterwäsche, meine Socken … und mich selbst ein“), zum anderen an den oftmals quälend langweiligen Schilderungen seiner ersten Drehbuch- und Filmversuche.
Weil Stallone als Schauspieler nicht gefragt war, entschied er sich unter anderem dazu, zusammen mit seinem Freund John Herzfeld einen Kurzfilm zu drehen, welchen man Filmproduzenten und Agenten zeigen könnte. Kurz gesagt: Im Historienstück „Horses“ geht es um einen Cowboy und einen Native American, die vor hundert Jahren von einem Kopfgeldjäger getötet wurden, nun wieder aus den Gräbern steigen und sich im 20. Jahrhundert wiederfinden. Mehr muss man zu dieser Episode, die im Buch ein ganzes Kapitel einnimmt, nicht wissen (Immerhin gibt es davon aber scharfe Fotos).
Wenn Ernstes zum Lachen ist
Kapitel wie „Meine Kumpels, die Tauben“ geben einen ungefähren Eindruck davon, in welche mitunter schräge Richtung der Autor seinen Fokus lenkt. In der Tat ist es unfassbar, in welchen Verhältnissen der spätere Superstar vor allem in seiner New-Yorker-Zeit leben musste. Sein Pathos gleitet allerdings immer wieder ins Lustige ab (z. B. wenn Stallone sich einen gebrauchten Wintermantel der afghanischen Armee zulegt). Diese Brechung von durchaus ernsten Themen und unfreiwilliger Komik kennt man auch aus seinen Filmen (Man denke nur an den bekannten Dialog aus „Rambo III“, wenn John Rambo seinem Begleiter Hamid einen militärischen Sprengzünder erklärt: Hamid: „Wozu ist das?“ - „Das ist blaues Licht.“-„Und was macht es?“ - „Es leuchtet blau.“).
Durchaus interessant und unterhaltsam wird das Buch immer dann, wenn Stallone Anekdoten über seine Zusammenarbeit mit anderen Filmstars wie Woody Allen oder Richard Gere schildert. Aber wirklich lesenswert ist – wie könnte es anders sein – erst der Showdown, wenn Stallone das letzte Drittel seiner Autobiografie der Entstehung seines ersten großen Erfolges, dem Film „Rocky“, widmet. Man bekommt das Gefühl, dass der Autor selbst nur darauf gewartet hat, endlich darüber sprechen zu können. Hier erfährt man so manch Interessantes, etwa dass das Publikum beim finalen Kampf zwischen Rocky und Apollo Creed aus vierhundert Obdachlosen bestand, die sich für ein Lunchpaket mit Brathähnchen bereit erklärt hatten, mitzumachen, dass der Zeitnehmer des Kampfes Stallones Vater ist oder man die letzte, berühmte Szene mit Adrian ganz am Ende des Filmes mit fünfzehn Darstellern erst nach Abschluss der Filmarbeiten noch nachdrehte. Auch wenn Stallone seinen Kampf mit den Filmemachern aufzeigt, damit er – der Drehbuchautor - auch selbst die Titelrolle im Film spielen darf, über das Casting und die Rollenbesetzung spricht oder davon erzählt, wie er seinen berühmten Filzhut fand, hört man Stallone wirklich sehr gerne zu. Davon hätte es mehr sein dürfen.
Fazit
Die Autobiografie liest sich wie der Lauf die 72 Stufen (Rocky Steps) hoch zum Philadelphia Museum oft Art, die durch die Rockyfilme weltberühmt wurden: Nach großer Vorfreude wird das Ganze zu einer zunehmend anstrengenden Angelegenheit und es fällt schwer, bis zum Ende durchzuhalten, aber am Schluss wird man mit einem Gefühl der Zufriedenheit und der Freude belohnt – auch wenn man sicherlich nach der Lektüre nicht mit erhobenen Fäusten wie Rocky im Film herumhüpft.

Sylvester Stallone, C.Bertelsmann

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