Swan Song

Wertung wird geladen
Carola Krauße-Reim
9101

Sachbuch-Couch Rezension vonNov 2026

Wissen

Diana steht nicht im Vordergrund; nicht alles scheint der Wahrheit zu entsprechen

Ausstattung

Zwei Fotoserien ergänzen den Text.

Welche Intention hat dieses Buch?

Charles Spencer, der 9. Earl Spencer, ist Historiker, Journalist, Medienschaffender, Autor und der jüngere Bruder der tragisch verunglückten Diana, Princess of Wales. Am 6.9.1997 hielt er in der Westminster Abbey eine ebenso beeindruckende wie emotionale Trauerrede. An dieser orientiert er sich, wenn er in „Swan Song“ das Andenken an seiner Schwester bewahren und ihr „Beifall und Respekt“ zollen möchte.

Zwei Geschwister halten zusammen

Diana und Charles waren die beiden jüngsten Geschwister unter den vier überlebenden Kindern der Familie Spencer, In ihrer Kindheit waren sie unzertrennlich, wobei die drei Jahre ältere Diana ihren kleinen Bruder stets sehr mütterlich umsorgte. Auf diese, anders als oft behauptet, schöne Zeit geht Charles Spencer sehr ausführlich ein. Er berichtet vom Leben im Park House; vom Umzug nach Althorp, dem Familiensitz; von den Problemen mit Stiefmutter Raine; der Internatszeit und schließlich dem Eintritt Dianas in die Royal Family und ihrer Zeit als Princess of Wales. Die Tage nach ihrem Tod, am 31.8.1997, bis zu ihrer Beisetzung, am 6.9.1997, nehmen ebenfalls einen großen und intensiven Teil des Buches ein. Spencer berichtet von seinem Ringen mit der Trauerrede, von den Vorbereitungen des Grabes auf der Insel im See von Althorp, dem Begräbnis selbst und der Zeit danach. Zwei Fotostrecken ergänzen den Textteil und zeigen Diana und ihre Familie.

Wessen Biografie ist es eigentlich?

Spencer zeigt zwar das Leben seiner Schwester, aber dieses scheint im Buch mehr im Background seines eigenen zu laufen. Immer wieder steht der Autor selbst im Vordergrund, während er von Ereignissen mit seiner Schwester berichtet. Die Kapitel sind an der Trauerrede Spencers orientiert, wobei er ausgerechnet mit dem tragischen Tod seiner Schwester beginnt. Damit kommt automatisch das Gefühl auf, er möchte die Leserschaft gleich zu Beginn spektakulär binden, was nicht so weit von dem Verhalten der Boulevardpresse, zu Lebzeiten Dianas, entfernt zu sein scheint. Es ist Spencer ein Anliegen, den warmherzigen Charakter Dianas zu vermitteln, wobei dessen Komplexität nur manchmal kurz hervorspitzt. Die Auswirkungen, welche diese manchmal hatte, lässt er ganz nonchalant fast unerwähnt. Immer wieder stellt sich Spencer selbst in Situationen seiner Schwester dar und erweckt damit den Eindruck, eher seine als ihre Biografie zu schreiben. Dass er dabei scheinbar nicht immer recht erinnert oder gar die Unwahrheit sagt, zeigt das prompte Statement des Palastes, kaum mehr als eine Stunde nach Erscheinen des Buches und eine offensichtliche falsche Behauptung bezüglich einer Person im Buch. Spencer geht offensiv die Königliche Familie und deren Angestellte an, denen er von Gleichgültigkeit bis Hass alles vorwirft. Die Presse- und Medienwelt kommt natürlich auch nicht besser weg und wird von ihm permanent als das größte Übel im Leben seiner Schwester angeprangert. Insgesamt erfährt man nicht sehr viel Neues von Diana im Buch, aber das in sehr persönlichem Rahmen. Dafür bekommt man umso mehr von Charles Spencer mit, der natürlich aus seiner Sicht erzählt, aber sich auch immer wieder als Hauptperson in den Vordergrund drängt.

Warum dieses Buch?

2027 jährt sich Dianas Todestag zum 30. Mal. Und anders als Prince Charles angeblich behauptet hat, ist die Princess of Wales nicht vergessen. Wie sie gelebt und wie sie sterben musste, ist immer wieder Thema in den Medien und sei es lediglich in Berichten über ihre beiden Söhne. Warum also dann noch einmal alles wiederholen? Spencer stellt es so dar, als wäre es ihm ein Herzensanliegen, das Leben seiner Schwester endlich einmal in einer wahren und authentischen Biografie zu schildern. Doch wie er das tut, lässt daran Zweifel aufkommen. Auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung, relativ kurz vor einem runden Gedenktag, lässt die erschreckende Vermutung zu, dass Spencer das tragische Leben und den plötzlichen Tod seiner berühmten Schwester nutzt, um eventuell klamme Kassen aufzufüllen.

Fazit

Charles Spencer hat mit „Swan Song“ eine außergewöhnlich persönliche Biografie seiner Schwester Diana geschrieben. Doch nur ausgesprochene Fans der verstorbenen Princess of Wales dürften begeistert sein, denn man erfährt nicht viel Neues und die Art der Darstellung lässt zudem Zweifel an der Intention aufkommen.

Swan Song

Ähnliche Sachbücher:

Deine Meinung zu »Swan Song«

Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

Film & Kino:
I Am a Noise

Die drei FilmemacherinnenMiri Navasky, Karen O‘Connor und Maeve O‘Boyle begleiteten Joan Baez einige Jahre lang. Sie waren bei ihrer Abschiedstournee 2019 dabei, die sie sich anfangs des Films noch gar nicht vorstellen konnte, und erhielten Einblicke in das Leben der Sängerin, wie sie wahrscheinlich bis jetzt kein Außenstehender bekommen hat. Titelbild: © Alamode Film

zur Film-Kritik