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Eine jederzeit kurzweilige und spannende Reportage über eine faszinierende Forschungsexpedition

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Viele Farbfotos im Mittelteil vermitteln einen sehr guten Eindruck von den Begebenheiten vor Ort.

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André C. Schmechta
Der weiße Mars - Forschung am kältesten Ort der Welt

Sachbuch-Rezension von André C. Schmechta Okt 2020

Concordia. Forschungsstation in der Antarktis. Temperaturen im Sommer: bis zu -45°. Temperaturen im Winter: bis zu -80°. Die Medizinerin Carmen Possnig wird im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA für ein Jahr dort leben. Neun Monate von der Aussenwelt abgeschnitten, vier Monate in Finsterrnis.

„Drei verschiedene Kulturen, vier Sprachen, Altersunterschiede bis zu drei Jahrzehnten.“

Aus insgesamt dreizehn Personen - davon nur zwei Frauen - besteht die Concordia-Crew, die über lange Zeit in eisiger Kälte und völliger Isolation auf Concordia leben und arbeiten wird. Sie alle stellen sich den extremen Herausforderungen und Belastungen - nicht nur für den Körper.

Zu Beginn des 300 Seiten fassenden Buches erfahren wir vom aufwendigen Auswahlverfahren und der Zusammenstellung der Crew, bevor es an die intensiven Vorbereitungen für den Aufenthalt geht. Als die Expeditionsteilnehmer endlich auf Concordia ankommen, ist es zunächst noch recht trubelig, bis schliesslich die Sommer-Crew abreist. Fortan ist Carmen Possnig mit ihrem Team allein.

„Egal, was passiert, wir sind auf uns gestellt. Egal, was passiert, niemand wird kommen, um uns zu retten.“

Es ist beinahe unglaublich, wenn man sich die extremen Wetterbedingungen vor Augen führt. Selbst in unzählige Schichten Kleidung und Handschuhe gehüllt, ist der Körper nicht vor Erfrierungen gefeit. Höchste Aufmerksamkeit ist geboten. Und so gibt es auf Concordia viele Regeln, die notwendig sind, um das Überleben nicht zu gefährden.

Jederzeit fesselnd sind daher die Beschreibungen des Arbeitsalltages auf Concordia. Dabei nehmen die eigentlichen wissenschaftlichen Experimente nur einen kleinen Teil an, werden aber von Carmen Possnig verständlich erläutert. Glücklicherweise verliert sie sich nicht in allzu akribischen Details, vermittelt häppchenweise interessantes Wissen.

„Concordia ist in den Wintermonaten unerreichbar. Genau betrachtet sind wir isolierter als die Crew der ISS.“

Nicht nur die Temperaturen oder etwa der geringere Sauerstoffgehalt hier auf dem "weißen Mars" setzen der Concordia-Crew zu. Das Leben auf engem Raum und die Isolation werden schon bald zur besonderen Herausforderung. Mit jeder Seite - und damit mit jedem Tag und Monat - der auf Concordia vergeht, wird diese Ausnahmesituation deutlicher, die ihren Höhepunkt erreicht, wenn 4 Monate kein Sonnenlicht mehr die Antarktis erreicht.

Das Zusammenleben wird schwieriger, Konflikte nehmen zu, es kommt zu Veränderungen der Persönlichkeit - mal weniger, mal stärker und bewusster spürbar. Auch der Umstand, dass nur wenige Frauen unter mehreren Männern auf der Station weilen, wird thematisiert. Immer wieder müssen neben dem Arbeitsalltag Wege zur Motivation und Beschäftigung gefunden werden, damit die Crew zusammenhält, denn bis zur Rückkehr in die Zivilisation ist es noch lange.

Carmen Possnig fängt die Stimmung auf Concordia und das Leben in der eisigen Umgebung sehr gut ein. Dabei spürt man ihre Faszination und den Respekt für den kältesten Ort der Welt. Spannende, emotionale und dramatische Momente fesseln an die Seiten. Und oft sind es nur Kleinigkeiten, die es schwer machen das Buch aus der Hand zu legen: skurrile Begebenheiten, die Freude und der Spaß der Crew oder einfach die Schönheit der Antarktis. Und bei aller Ernsthaftigkeit schimmert immer auch eine Prise Humor durch.

Zudem werden die Schilderungen um viele historische Ereignisse und Fakten ergänzt. Diese werden geschickt in die Erzählung eingeflochten und verstärken die unglaubliche Anziehungskraft, die von der Antarktis seit jeher ausgeht, verdeutlicht zugleich die Gefahren, die hier lauern. Viele Farbfotos im Mittelteil vermitteln einen sehr guten Eindruck von den Begebenheiten vor Ort. Besonders eindrucksvoll sind dabei Fotos, welche mit einfachen Beispielen die weiter unter dem Gefrierpunkt liegenden Temperaturen demonstrieren.

Fazit:

Am Ende wünschte ich mir, ich könnte noch ein wenig länger auf Concordia verweilen. Und so schliesse ich etwas wehmütig das Buch. Ähnlich ergeht es Carmen Possnig, als sie endlich Concordia verlassen muss. Die junge Wissenschaftlerin hat uns für einen Moment an einen außergewöhnlichen Ort entführt, der sich wegen seiner extremen Bedingungen gerade auch für die Weltraumforschung eignet. „Südlich vom Ende der Welt“ ist eine jederzeit kurzweilige und spannende Reportage über eine faszinierende Forschungsexpedition.

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