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Ihre Worte sind einfach und der Stil erinnert an ein Interview, aber genau dadurch ist ihr Bericht ebenso berührend wie authentisch.

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Für die Leser wären Bilder eine Bereicherung des Berichtes gewesen, für due Autorin vielleicht aber zu persönlich und schmerzhaft.

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Carola Krauße-Reim
Die Zuversicht zu verlieren heißt, den Tod willkommen zu heißen

Sachbuch-Rezension von Carola Krauße-Reim Apr 2020

Die 19-jährige Französin Ginette wurde 1944 von den Nazis in Avignon verhaftet und nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie überlebte das Vernichtungslager, den leidvollen Transport nach Bergen-Belsen und Theresienstadt und legt mit „Rückkehr nach Birkenau“ einen ebenso beeindruckenden wie außergewöhnlichen Bericht vor.

Momentaufnahmen des Grauens

Ginette Kolinka gibt zu bedenken, dass sie sich an Vieles nicht erinnern kann oder vielleicht auch nicht erinnern möchte. So ist ihr Bericht über die Erlebnisse keine chronologisch durchgehende Schilderung, sondern eher eine Aneinanderreihung von aufeinanderfolgenden Momentaufnahmen, die ihr durch besonders einprägende Elemente im Gedächtnis geblieben sind. Sie erzählt u.a. von dem Schock, als sie zum ersten Mal die Baracke in Birkenau betritt; von ihrem ständigen Kampf gegen den Hunger; ihrer ihr peinlichen Nacktheit bei den Körperkontrollen; von dem Kleid, das ihr Simone Veil geschenkt hat und natürlich von der Toten, die ihr im Waggon nach Bergen-Belsen ständig auf die Schulter gefallen ist. Ihre Worte sind einfach und der Stil erinnert an ein Interview, aber genau dadurch ist ihr Bericht ebenso berührend wie authentisch. Hier wird nichts aufgebauscht oder dramatisiert – es ist die traurige Wahrheit - Momente des Grauens, die ihr Leben bis heute prägen.

Rückkehr nach 55 Jahren

Im März 1944 wird Ginette zusammen mit ihrem Vater, dem kleinen Bruder und ihrem Neffen deportiert. Im Juni 1945 kehrt sie als Einzige nach Hause zurück. Sie ist 20 Jahre alt und wiegt noch 26 Kilo! Keiner fragt sie nach ihren Erlebnissen und so schweigt sie bis, viele Jahre später, Steven Spielberg Zeitzeugen für seinen Film „Schindlers Liste“ sucht. Gleichzeitig beginnt sie in Schulen über die Deportation zu berichten und Klassenfahrten nach Auschwitz zu begleiten. Nach 55 Jahren steht sie zum ersten Mal wieder in Auschwitz-Birkenau, das sie als nicht sehr authentisch wahrnimmt. Ihre Erinnerungen sind durch das im Lager herrschende Elend und Leid geprägt, welches der saubere und als Gedenkstätte hergerichtete Ort heute nicht mehr zur Gänze zu vermitteln vermag. Als Augenzeugin nimmt sie manches auch ganz anderes wahr, als Menschen, die dieses Grauen nicht miterleben mussten. So wundert sie sich, wie es zugelassen werden konnte, dass Häuser entlang des Schienenstranges gebaut werden konnten, der in das Vernichtungslager führte oder wie Klettergerüste und Grills in den Gärten neben den Gleisen, die in den Tod führten, heute für Vergnügen sorgen können. Sie beobachtet eine Joggerin, die ihre Runden um den Stacheldrahtzaun des Lagers dreht, ohne den besonderen Ort wahrzunehmen. „Sie drehte ihre Runden, hier. Auf dieser lehmigen, nicht wiederzuerkennenden Erde, die so viele Tote gesehen hatte, in dieser Luft, die nach den frischen Morgenstunden roch, nach Tau“. Diese Gedanken sensibilisieren den Leser, können vielleicht auch ihn manches mit anderen Augen sehen lassen.

Schreiben und Erzählen gegen das Vergessen

Altersbedingt wird es bald keine Augenzeugen mehr geben, die berichten können. Bücher und Berichte werden die letzten mahnenden Erinnerungen an dieses sehr dunkle Kapitel der deutschen Geschichte sein. Damit dieses nicht missbraucht, glorifiziert oder geleugnet werden kann, ist die Weitergabe der Tatsachen und das anhaltende Erinnern nötig. Oder, wie Ginette Kolinka sagt:

„Wenn ich heute, mit 94 Jahren, so bin, wie ich bin, verdanke ich das diesen Reisen, den Gefühlen und den Schülern, die uns ersetzen, wenn wir einmal nicht mehr sind. Ihnen sei Dank.“

Leider berichtet die Autorin nicht, was mit ihrer, in Avignon verbliebenen, Familie während ihrer Deportation geschah. Auch gibt es keine Bilder ihres Vaters, Bruders oder Neffen, welche den Personen ein Gesicht gegeben hätten. Für den außenstehenden Leser wäre das eine Bereicherung des Berichtes gewesen, für die Autorin aber vielleicht einfach zu persönlich und schmerzhaft.

Fazit:

„Rückkehr nach Birkenau“ ist ein sehr persönliches und unbedingt lesenswertes Buch, das sich in die Liste der Veröffentlichungen über die Shoah einreiht. Es gibt in authentischen Worten das Geschehen wieder und ist gerade mit seinen Momentaufnahmen schockierend. Aber es ist, wie alle anderen Veröffentlichungen über die Shoah, ein bleibendes Zeitzeugnis für das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte.

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