Rückeroberung

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Julian Hübecker
8

Sachbuch-Couch Rezension von Julian Hübecker Mai 2022

Wissen

Ein wissenswerter Querschnitt von vor, während und nach dem Krieg.

Ausstattung

Ein paar Fotos vermitteln das tragische Bild einer Familiengeschichte.

Eine Geschichte, die rumgeht

Manfred Gans konnte vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach Großbritannien flüchten, musste aber seine Eltern zurücklassen. Zwischenzeitlich kämpfte er für die Briten an der Küste der Normandie und überlebte den Krieg. Die Nachricht, dass seine Eltern ins KZ Theresienstadt deportiert wurden, bewegte ihn dazu, diese zu befreien. Doch kann er sie noch lebend finden?

„Manfred Gans‘ Lebensgeschichte eröffnet eine bemerkenswerte Perspektive auf eine Zeit, die, von einer ideologiegetriebenen Unmenschlichkeit geprägt, bis heute schwer begreiflich bleibt (…).“

In Borken verlebt Manfred mit seinen beiden Brüdern und den Eltern eine unbeschwerte Kindheit. Die Familie Gans ist hoch angesehen, wohlhabend und engagiert. Doch das Bild wandelt sich, als die Nationalsozialisten aufsteigen und das Leben für die jüdische Bevölkerung zum Albtraum wird. Umsichtig schaffen es die Eltern Gans, den ältesten Sohn nach Israel und die anderen beiden nach Großbritannien zu schicken. Bevor sie sich selbst retten können, werden sie jedoch denunziert und von KZ zu KZ deportiert.

Manfred indes gliedert sich in Großbritannien ein. Sein Wunsch nach seiner Familie und seiner Freundin Anita, die mit ihrer Familie in die USA flüchten konnte, führen ihn schließlich dazu, sich für das Militär zu melden. Eine Sondereinheit aus deutschsprachigen Juden, die Three Troop, wird aufgebaut und einem harten Training unterworfen. Bereit für die Rückeroberung seines Heimatlandes kämpft Manfred an der Seite der Briten und erlebt, wie die Alliierten immer mehr Boden zurückgewinnen – die Zeichen stehen auf Sieg!

Für Manfred ist es aber noch nicht vorbei, da er nichts vom Schicksal seiner Eltern weiß. Sie sollen dank der Kontakte seines Vaters ins KZ Theresienstadt gekommen sein – doch immer mehr Schreckensmeldungen über die Ermordung von Millionen von Menschen breitet sich aus. Ob seine Eltern das gleiche Schicksal erlitten haben?

„Ich sage ihnen ganz offen, dass, wenn die sogenannten Intellektuellen nicht endlich anfangen, ihr Volk über Antisemitismus, Kriegsschuld und so weiter aufzuklären, ich nicht gewillt bin, eine ihrer Petitionen zu berücksichtigen (…).“

Die Geschichte der Familie Gans ist aus einem Familienprojekt im Jahr 2016 erwachsen, als einige Familienmitglieder aus den USA und Israel anreisten, um den Weg von Manfred Gans nachzureisen, den er antrat, um seine Eltern zu suchen. Begleitet wurden sie von Daniel Huhn, der daraus den Dokumentarfilm „Back to Borken“ abdrehte und schließlich dieses Buch dazu schrieb. Der Film sei hiermit wärmstens ans Herz gelegt – zu downloaden gibt es ihn beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Obwohl in diesem Buch einige Bilder zu finden sind, so finden sich im Film noch einige mehr.

Daniel Huhn merkt man an, wie beeindruckt er von der Geschichte ist – die Verschriftlichung kommt daher sehr authentisch rüber. Gespickt ist das Buch mit Auszügen aus Briefwechseln zwischen Manfred und Anita sowie einer Karte, die die Reise von Goes in den Niederlanden bis nach Theresienstadt in Tschechien verfolgt.

Wenngleich das Buch zwischendurch ein paar Längen hat, so versteht man auch, dass man nicht genug erzählen kann über die Zeit und das Erlebte. Die Geschichte von Manfred Gans ist einzigartig und so bringt Daniel Huhn es auch rüber. Man muss sich nur immer wieder der Realität vergegenwärtigen und dass es kein Roman ist.

Fazit

Die Geschichte einer ganzen Familie, die während des Zweiten Weltkriegs getrennt wird, macht betroffen. Die Stärke hinter Manfred Gans‘ Worten aus seinen Briefen beeindruckt umso mehr.

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