Q - Das unglaubliche Leben der Queen

Q - Das unglaubliche Leben der Queen
Q - Das unglaubliche Leben der Queen
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Carola Krauße-Reim
9101

Sachbuch-Couch Rezension vonJul 2026

Wissen

Intensive Recherche; Anekdoten, Zitate, Poesie u.v.m. bilden den Inhalt.

Ausstattung

Im Mittelteil etwas langatmig, aber viele, auch unbekannte Fotos; im Anhang sehr ausführlicher Quellennachweis.

Eine sehr unterhaltsame Biografie.

Queen Elizabeth II war zeitlebens wohl die bekannteste Person auf diesem Planeten. Und selbst nach ihrem Tod im September 2022 strahlt sie immer noch weiter. Es gibt bereits unzählige Biografien über „The Queen“, doch die von Craig Brown ist der etwas anderen Art.

Der Autor lässt den Inhalt erahnen

Es ist natürlich klar, dass in einer Biografie das Leben des oder der Dargestellten im Mittelpunkt steht. Nur wie es präsentiert wird, kann sehr unterschiedlich sein. Der Brite Craig Brown (*1957) ist Journalist, Autor und Satiriker. Vor allem letztere Profession lässt Vorfreude aufkommen, denn sie garantiert eine andere Herangehensweise an das lange Leben der Queen – und man wird nicht enttäuscht.

Eine unglaubliche Recherchearbeit

Wer sich auch nur im Entferntesten für die britischen Royals interessiert, kennt die Eckdaten der ehemaligen Königin. Zeit ihres Lebens stand sie im Rampenlicht: von ihrer Geburt unter Anwesenheit eines Ministers bis hin zu ihrem Staatsbegräbnis. Eine Biografie, die nur auf den harten Fakten ihres Lebens beruht, könnte somit etwas herausfordernd werden. Doch, wie man im Anhang sehen kann, hat Craig Brown unzählige Quellen bemüht, sich durch einen Berg von Büchern gelesen, Filme angesehen und Wegbegleiter der Prinzessin und späteren Königin betrachtet.

„Wenn man nichts als Bücher über die Queen und ihre Familie liest, eines nach dem anderen, dann kommt man sich nach einer Weile vor, als wäre man in ein Schwimmbecken voller Zuckerwatte gefallen: Beim Auftauchen ist man ganz pink, hat ein flaues Gefühl im Magen – und ein wenig mangelernährt ist man wohl auch.“

Nach den fast 750 Seiten, erzählt von Brown, ist man allerdings nicht „mangelernährt“, sondern genießt den Nachgeschmack einer Grenzerfahrung.

Anekdoten, Poesie und das harte Leben

Natürlich kommen die harten Fakten des langen Lebens von „Q“ auch vor. Doch Brown legt mehr Wert auf das, was sich in der Peripherie dessen zugetragen hat. Er geht dabei nicht chronologisch vor, sondern kommt von einem Thema zum nächsten und lässt auf diese Weise 96 Jahre vergehen. Er betrachtet sie aus allen Blickwinkeln und lässt Kritiker genauso zu Wort kommen, wie Anhänger. Es werden Listen vorgestellt, die man so bestimmt noch nicht in einer Biografie der Königin gesehen hat: z.B. Träume, in denen die Queen vorkam oder ein „Wörterbuch für Queen-Imitatoren“; ein Quiz zum Eindringen von Michael Fagan in das Schlafzimmer von H.M. oder „Philip Larkins 14 Begegnungen mit dem Königshaus“.

Brown erzählt unglaublich viele Anekdoten, berichtet von Treffen diverser Leute mit der Queen und lässt Menschen zu Wort kommen, die manchmal berühmt sind, oft aber auch nicht. Besonders hat ihm wohl das Amt des königlichen Hofdichters imponiert, denn was aus den Federn dieser Personen kam, wird öfter zitiert. Das alles lässt die Queen in einem sehr unterschiedlichen Licht dastehen. Natürlich als die Person des öffentlichen Lebens, die scheinbar über allen und allem steht, aber auch die, welche nur zwei Interessen hat, kaum der Konversation fähig ist und vor keiner Machtdemonstration zurückschreckt, wenn sich etwas scheinbar gegen sie entwickelt.

The Queen is dead - long live the King

Brown kommt auch nicht umhin, den Wandel im Königshaus zu porträtieren. Über viele Generationen wurden die Royals als ein über alles schwebende Mysterium gesehen, was sich, bedingt durch den Wandel der Gesellschaft und scheinbar sehr zum Leidwesen der königlichen Familie, ändern musste, um überhaupt noch von irgendeiner Relevanz zu sein. Selbst dieses, vielleicht nicht so einfache Thema, bringt der Autor in seiner ganz eigenen Weise aufs Tapet – nicht zuletzt über die schlagartige Wandlung der Souvenirs nach dem Tod der Queen – die Handtücher und Tassen ziert nun das Konterfei des Königs.

Unterhaltsam aber nicht über so viele Seiten

Es macht einfach Spaß, diese Biografie zu lesen. Gespickt mit vielen Fotos (sehr viele dürften kaum oder gar nicht bekannt sein) und in einem sehr humoristischen Ton gehalten, ist sie einfach etwas Besonderes. Aber nicht durchgehend über mehr als 700 Seiten. Im Mittelteil kann man nicht umhin, sich zu fragen, warum schon wieder auf den Hofdichter eingegangen wird oder wieso die Unfähigkeit der Queen, eine Unterhaltung zu führen, immer noch Thema sein muss. Auch die kontroverse Sichtweise auf die Person Elizabeth II ist natürlich interessant und wichtig, doch hat man irgendwann auch genug davon. Brown hätte sich also vielleicht früher aus dem „Schwimmbecken voller Zuckerwatte“ bemühen und nicht jede Kleinigkeit und jede noch so witzige Absurdität erwähnen sollen.

Fazit

Eine Biografie, die aufgrund des Humors und der Herangehensweise begeistert. Craig Brown porträtiert die Queen Elizabeth II und ihr Umfeld auf seine ganz eigene sehr unterhaltsame Art. Allerdings hätten es ruhig ein paar Seiten weniger sein dürfen.

Q - Das unglaubliche Leben der Queen

Craig Brown, C.H.Beck

Q - Das unglaubliche Leben der Queen

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