Mitternacht in Tschernobyl

Erschienen: November 2019

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In seinem Tschernobyl-Thriller deckt Adam Higginbotham auf, was wirklich geschah. Mit großer Erzählkunst und basierend auf intensiver Recherche zeichnet er nach, wie am frühen Morgen des 26. April 1986 der Reaktor 4 des Kernkraftwerks in Tschernobyl explodierte und die schlimmste Atomkatastrophe der Geschichte auslöste.
Seither gehört Tschernobyl zu den kollektiven Albträumen der Welt: eine gefährliche Technologie, die aus den Rudern läuft, die ökologische Zerbrechlichkeit und ein ebenso verlogener wie unachtsamer Staat, der nicht nur seine eigenen Bürger, sondern die gesamte Menschheit gefährdet.
Wie und warum es zu der Katastrophe kam, war lange unklar. Adam Higginbotham hat zahllose Interviews mit Augenzeugen geführt, Archive durchforstet, bislang nicht veröffentlichte Briefe und Dokumente gesichtet. So bringt er Licht in die Geschichte, die bislang im Sumpf von Propaganda, Geheimhaltung und Fehlinformationen verborgen lag.

Mitternacht in Tschernobyl

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Letzte Kommentare:
03.02.2021 12:50:44
Stefan Roth

Ich kann mich noch genau an den 1. Mai 1986 erinnern, ein wunderbar heißer Frühlingstag in ganz Deutschland, die Menschen waren alle im Freien um den Feiertag zu genießen. In Erinnerung aber ist mir der Tag geblieben, weil an diesem Tag das erste Mal in größerem Umfang in den Medien (Damals Fernsehen und Radio) über erhöhte radioaktive Strahlenwerte in Westeuropa berichtet wurde. Grund dafür konnte eigentlich nur ein Atomunfall im damaligen Ostblock sein.

Relativ schnell war als Unglücksort das Atomkraftwerk Tschernobyl in der damaligen Sowjetunion ausgemacht und die Menschen in Deutschland fragten sich „Können wir uns noch unter freiem Himmel aufhalten?, Was von dem was auf den Feldern wächst können wir noch essen?“.

Adam Higginbotham nimmt sich in seinem Buch „Mitternacht in Tschernobyl“ dem Reaktorunfall vom 26. April 1986 an. Bereits aus dem Klappentext ist ersichtlich das der Autor mehr als 10 Jahre in das Buch investiert hat, und genau das merkt man dem Buch auch an. Detailgetreu schildert er die Umstände die zur Havarie geführt haben, aber auch den Wettkampf mit der Zeit um noch Schlimmeres abzuwenden.

Inkompetenz, Selbstüberschätzung, Korruption und Fehlplanung sind laut Higginbotham Hauptgründe für die Katastrophe und das in der UdSSR vorherrschende Wirtschafts- und Gesellschaftssystem haben laut dem Autor all dem Vorschub geleistet. Daher nimmt auch einen sehr breiten Raum in Higginbothams Buch ein wie die damalige Sowjetunion mit der Havarie umgegangen ist. Hin- und hergerissen zwischen Perestroika und Vertuschung, und der Erkenntnis, dass eine Katastrophe diesen Ausmaßes nicht zu vertuschen ist.

Das Buch liest sich wie ein Krimi, nur sollte es nicht als Krimi gelesen werden, Higginbotham gibt den Opfern ein Leben, ein Gesicht, und man merkt als Leser sehr schnell das die Realität viel brutaler ist als jeder Krimi.

Wie viel Arbeit in diesem Buch steckt lässt sich nur erahnen, Higginbotham liefert allein an die 120 Seiten Anmerkungen zu seinem Text, einfach alles ist belegt, wie es zum Beispiel in einer guten Doktorarbeit sein sollte. Jede aufgeführte Person (Personenregister), jedes Gremium, jede internationale Organisation ist mit ihrer Funktion erklärt. Der Autor hat Dutzende Gespräche mit den damals handelnden Personen, soweit noch am Leben, geführt, mehrere Male das Kraftwerk in Tschernobyl und seine Umgebung besucht.

Wer damals argumentiert hat, dass so eine riesige Atomkatastrophe nur in einem totalitären Regime stattfinden kann, wurde 2011 in Fukushima eines Besseren belehrt. Auch in einem hochtechnisierten Land wie Japan konnte die Kernschmelze eintreten.

Daher kann ich „Mitternacht in Tschernobyl“ allen am Thema Kernkraft interessierten Menschen wärmstens empfehlen, Kernkraftgegnern wie -befürwortern, ein hochinteressantes Buch und ganz eindeutig

10 von 10 Punkten

wert.

Film & Kino:
Chernobyl

Der Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl gehört zu den wohl größten modernen Desastern. Das aus heutiger Sicht für viele sicherlich etwas abstrakte historische Ereignis wird in dieser Serie plastisch, real und fühlbar gemacht. Titelbild: © Sky UK Ltd/HBO

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