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Ronald Reng, erfahrener Sportjournalist, hat die Geschichte dieses Jungen aus der Pfalz nach dem Ende der aktiven Laufbahn akribisch recherchiert und aufgeschrieben. Und da gibt es viele Aspekte, die selbst interessierten Fußball-Experten neu sind, dem breiten Publikum ohnehin.

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Reng zeichnet Kloses Weg nach, beschreibt auch dessen Umfeld und lässt den Spieler auch selbst zu Wort kommen.

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Andreas Kurth
Die erstaunliche Karriere des Miroslav Klose

Sachbuch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2020

Für Fußball-Fans, aber vermutlich nicht nur die, ist der Titel des Buches förmlich Programm. Miroslav Klose, das war doch der ewige Mittelstürmer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Der nach jedem Tor immer einen Salto geschlagen hat. Typ netter Schwiegersohn. Rekord-Torschütze bei Fußball-Weltmeisterschaften. Ronald Reng, erfahrener Sportjournalist, hat die Geschichte dieses Jungen aus der Pfalz nach dem Ende der aktiven Laufbahn akribisch recherchiert und aufgeschrieben. Und da gibt es viele Aspekte, die selbst interessierten Fußball-Experten neu sind, dem breiten Publikum ohnehin. Denn wer kennt schon die SG Blaubach-Diedelkopf? Das war immerhin der erste Verein von Miroslav Klose, nachdem er im Alter von neun Jahren mit seinen Eltern aus Polen nach Deutschland kam.

Ein steiniger Weg

Doch es war ein langer Weg in den Vereinsfußball - von der Nationalmannschaft gar nicht zu reden. Inzwischen ist der Weg für junge Fußballer ein ganz anderer. Es gibt die zertifizierten Nachwuchsleistungszentren bei den Proficlubs. Daraus rekrutieren die DFB-Trainer ihre Auswahlmannschaften. Miroslav Klose, das zeichnet Reng in seinem gut recherchierten Buch nach, hat bis zum Alter von 21 Jahren nie den Bundesadler auf der Brust getragen, also in keiner der Nachwuchs-Nationalmannschaften gespielt. Er war zurückhaltend, für den Geschmack seines Vaters Josef manchmal zu zurückhaltend.

Der Vater redete erst zu Hause. “Mirek. Der Christian Zorn und der Michael Awe treten jeden Freistoß über den Zaun ins Schwimmbad. Schnapp dir nächsten Sonntag den Ball beim Freistoß, jag die anderen weg. Schlechter wirst du auch nicht schießen.”
Am nächsten Sonntag spielte Blaubach-Diedelkopf wieder. Südwest Ludwigshafen war wohl der Gegner, meint der Vater sich zu erinnern. In der zweiten Halbzeit wollte sich Christian Zorn den Ball zum Freistoß zurechtlegen, aber Miroslav Klose schob ihn mit energischer Handbewegung zur Seite, Zorn fragte verdutzt nach, aber Miroslav hatte die Hände fest auf dem Ball. Aus über zwanzig Metern trat er ihn ins Tor.
“So wird das gemacht”, sagte der Vater laut unter den Eltern. Dann schwieg er wieder. Die anderen Eltern sagten auch nichts mehr.

Es blieb ein steiniger Weg. Von der SG Blaubach-Diedelkopf ging es immerhin zum Reserveteam des FC 08 Homburg. Der 1. FC Kaiserslautern wollte trotz mehrmaliger Anläufe nichts von Miro wissen. Erst als Klose ein Angebot des VfL Bochum auf den Küchentisch flatterte, wurde man auf dem Betzenberg hellhörig. Der junge Stürmer wurde in die Reserve des FCK geholt, schon damit ging für ihn ein Traum in Erfüllung. Während einer Länderspiel-Phase im Frühjahr 2000 durfte er dann mit anderen den Profikader für das Training auffüllen - und nach der Rückkehr der Nationalspieler behielt Otto Rehhagel den jungen Klose im Bundesligateam. Miro unterzeichnete seinen ersten Profivertrag, und bei seinem ersten Spiel in der Bundesliga saßen Eltern und Schwester zitternd auf der Tribüne des Betzenbergs.

Absage an Polen und Berufung in die deutsche Nationalmannschaft

Und die erstaunliche Karriere des Miroslav Klose ging weiter nach oben. Nach Misserfolgen im Herbst 2000 musste Otto Rehhagel gehen, Andy Brehme übernahm das Traineramt - und kurze Zeit später war Miro schon Stammspieler in Kaiserslautern. Im Dezember schoss er sechs Tore in fünf Spielen, was seiner Mannschaft immer zum Sieg verhalf. Als sich kurz darauf der polnische Nationaltrainer meldete, musste Klose nicht lange überlegen. Er liebte das Land seiner Eltern, aber er fühlte sich als Deutscher. Immerhin berichtete er zu Hause stolz von der Einladung, die er abgelehnt hatte.

“Mirek, hör auf zu träumen!”, sagte der Vater. “Denk nicht an irgendwelche Nationalteams, konzentrier dich auf die Spiele mit Kaiserslautern!”
In seiner eigenen Wahrnehmung sprach Josef Klose sachlich, vernünftig. Für Miroslav klang der Vater alarmiert, tadelnd. Als fürchte er, jetzt werde der Sohn abheben: Nationalmannschaft.
Drei Wochen später, am 19. Februar 2001, nahm Kaiserslauterns Trainer Andreas Brehme Miroslav Klose nach dem Morgentraining zur Seite. Der Bundestrainer habe angerufen, sagte Brehme. Miroslav werde für das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in Paris gegen Frankreich nominiert.

In den Medien gab es große Aufregung, ein in Polen geborener Spieler, der zudem vor kurzem noch in der Bezirksliga kickte, sollte nun den Adler auf der Brust tragen. Eine vergleichbare Karriere, also abseits der Nachwuchsleistungszentren, hat viele Jahre nach Klose nur noch der Kölner Jonas Hector hingelegt, der innerhalb kurzer Zeit aus der Oberliga kommend in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft landete.

Faszinierend ist zu lesen, welche Rolle einzelne Personen im Leben und in der Fußballer-Karriere von Miroslav Klose gespielt haben. Ronald Reng hält in seiner biografischen Erzählung mehrfach inne, um in wenigen Sätzen diese Personen zu beschreiben. Über Josef Klose erfährt der Leser natürlich mehr, aber auch über Erich Berndt, Dieter Schmolke und Dieter Groß, die bei der SG Blaubach-Diedelkopf tolles Jugendtraining angeboten haben, über Olaf Marschall, Fritz Walter und Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Und es geht um Mitspieler von Miroslav Klose, die bei dessen unterschiedlich Stationen eine große Bedeutung für ihn hatten. Sie machten ihm die Vereinswechsel oft einfacher.

Sein Fixpunkt blieb allerdings bis zum Ende der Karriere die Nationalmannschaft, die wie eine zweite Familie für Miroslav Klose war. Ronald Reng schildert eingehend die Weltmeisterschaftsturniere, den Torrekord (16 Treffer) von Miro, und die zunächst ebenso stille wie unbändige Freude nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014. In 137 Länderspielen schoss Klose 71 Tore, und ist damit auch deutscher Rekordschütze vor Gerd Müller. Er hat noch weitere Rekorde aufgestellt, betonte aber im Gespräch mit Ronald Reng, dass ihm diese Zahlen nicht so wichtig seien.

Fazit:

Wer gerne Biografien liest, wird dieses Buch förmlich in sich aufsaugen - unabhängig davon, ob er an Fußball interessiert ist oder nicht. Ronald Reng ist Journalist, und hat sein Handwerk gut gelernt. Er vermag den Leser zu fesseln, hat das bereits mit mehreren Biografien unter Beweis gestellt, und Bücher von ihm wurden mehrfach zum Fußballbuch des Jahres gewählt. “Miro” ist auch deshalb eine außergewöhnliche Biografie, weil der Protagonist noch immer im öffentlichen Leben steht. Aber hier wird seine Zeit als aktiver Spieler geschildert, und die bietet so viele faszinierende Facetten, dass ich das Buch in einem Rutsch verschlungen haben. Allerfeinste Unterhaltung - nicht nur für Fußballfans.

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