Mein Nordpol
- Insel Verlag
- Erschienen: Januar 2025
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Eine ganz besondere Biografie.
Der Norweger Erling Kagge (* 1963 in Oslo) ist vieles: Jurist, Verleger, Autor, Kunstsammler und Extremabenteurer. 1990 erreichten er und Børge Ousland als Erste den Nordpol nur aus eigener Kraft. Kurz darauf wiederholte Kagge das sogar in einer Soloexpedition zum Südpol. Als er 1994 auch noch den Mount Everest bestieg, wurde er damit zur ersten Person, die sowohl den nördlichsten, als auch den südlichsten und den höchsten Punkt der Erde zu Fuß erreicht hat. Mit „Mein Nordpol – Eine Biografie“ widmet er diesem ganz speziellen Ort ein Buch, das uns staunen lässt, aber auch nachdenklich macht.
Ein besonderer Protagonist
Anders als man vielleicht erwarten würde, macht Erling Kagge nicht sich selbst, sondern den Nordpol zum Protagonisten seines Buches. Seine eigenen Erfahrungen mit diesem besonderen Ort auf der Erde, lässt er fast nebenbei einfließen. Kagge erzählt von seinem Wunsch seit Kindertagen, den Pol zu erreichen und den dann reellen Vorbereitungen, wie z.B. dem Krafttraining, um den extrem schweren Pulka ziehen zu können oder die Gewöhnung des Körpers an eine übermäßig fettreiche Nahrung. Er lässt uns auch an den Erfahrungen während der endlosen und anstrengenden Wandertage teilhaben und gibt zu, dass der Erfolg nicht das Erreichen des Ziels war, sondern der Weg dorthin. Aber das alles nimmt nicht viel Platz im Buch ein.
Viel wichtiger ist es Kagge, den Nordpol von allen Seiten zu beleuchten. Zuerst historisch, von den ersten imaginären Vorstellungen über die vielen Expeditionen mit Hunden oder Booten, bis hin zu den Versuchen, den Pol mit Flugzeugen zu erreichen. Jede Expedition wird betrachtet und, wenn möglich, durch historische Fotos dokumentiert. Kagge ist aber auch die Problematik um den Nordpol und Grönland an sich wichtig. Er betont, dass die Beschaffenheit des ewigen Eises existentiell für die Menschheit und die Natur ist, unser Umgang mit ihr ebenso. Das Buch ist damit auch ein eindringlicher Appell an uns alle, mit den Ressourcen und der Umwelt schonend umzugehen.
Polfahrer
Sehr interessant ist Kagges Theorie, was gerade Männer zu Polfahrern werden lässt. Natürlich spielt dabei die Rolle der Frau als „schwaches Geschlecht“ geschichtlich eine Rolle, die Frauen als Polfahrerinnen weitgehend verhinderte. Doch Kagge sieht bei vielen Männern, die den Pol in Angriff nahmen, ein schwieriges oder gar fehlendes Verhältnis zum Vater als eventuellen Ausgangspunkt. Diese sehr persönliche Seite dieser Extremabenteurer wird ansonsten kaum angesprochen.
Fotos und Anhang als Ergänzung
Die historischen Schwarz-Weiß-Fotos von Expeditionen und einige ergänzende Farbfotos fügen sich in den Text ein. Manche sind vielleicht „Kennern der Szene“ bekannt, doch alle sind spannend zu betrachten und lassen die Qualen einer Nordpolexpedition unter den Bedingungen vergangener Zeiten erahnen. Kagges eigene Erfahrungen und Mühen zeigen sich in den Farbfotografien am Anfang und Ende des Buches. Doch auch hier ist dem Autor vor allem die unglaublich beeindruckende Natur wichtig, man sieht hauptsächlich das zerklüftete Eis in seiner ganzen faszinierenden Schönheit.
Im Anhang befindet sich eine Literaturliste und die Angaben zu den zahlreichen Anmerkungen im Text. Beides ist sehr ausführlich und zeigt, wie gut der Autor recherchiert hat.
Fazit
Alle die zumindest imaginäre Polfahrer sein wollen, sollten dieses Buch lesen, es ist die absolut gelungene Biografie eines etwas anderen Protagonisten. Erling Kagge zeigt uns, dass die Geschichte des Nordpols so spannend wie ein Thriller ist. „Mein Nordpol – Eine Biografie“ ist aber auch ein Buch, das nachdenklich macht und uns zeigt und mahnt, wie fragil unsere Natur ist.


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