Irrenhaus am Ende der Welt

  • Malik
  • Erschienen: Oktober 2021

Ulrike Frey (Übersetzung)

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André C. Schmechta
10

Sachbuch-Couch Rezension von André C. Schmechta Dez 2021

Wissen

Julian Sancton begeistert mit einer unglaublich einnehmenden Sprache. Packend und unterhaltsam werden die historischen Fakten aufbereitet. In den abschließenden Anmerkungen erläutert Sancton seine aufwändige und akribische Recherche.

Ausstattung

Die über 30 schwarzweiß Fotos geben schließlich authentische Einblicke und runden den hervorragend Eindruck ab.

So spannend können Sachbücher sein

Julian Sancton nimmt uns in seinem Buch mit auf eine Reise in die Antarktis im Jahr 1897. Wir sind an Bord der Belgica. Die Besatzung um den belgischen Kommandant Adrien de Gerlache wird während ihrer Expedition vor ungeahnte Herausforderungen gestellt und an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit gebracht. Denn die Belgica bleibt im Packeis stecken. In völliger Isolation ist das Überleben bald mehr als ungewiss. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Bis zum Aufbruch in die antarktischen Gewässer dauert es jedoch zunächst. Auf den ersten 100 Seiten schildert Sancton detailliert die Vorbereitungen der Expedition. Von der mühsamen Suche von Adrien de Gerlache nach einer passenden Besatzung und der beinahe gescheiterten Beschaffung der nötigen finanziellen Mittel. Denn auch wenn seine wissenschaftliche Motivation durchaus Gehör findet, gibt es Skeptiker und Zweifler. Doch schon bald lernen wir erste wichtige Besatzungsmitglieder kennen.

Als die Belgica schließlich unterwegs ist, muss sie schon früh mit Unwegsamkeiten kämpfen. Doch die kleinen Querelen und handfesten Streitigkeiten zwischen den Besatzungsmitgliedern (nicht alle an Bord waren Belgier) sollen Kleinigkeiten gewesen sein, im Gegensatz zu den ungeheuren Strapazen in der Antarktis.

Julian Sancton begeistert mit einer unglaublich einnehmenden Sprache. Packend und unterhaltsam werden die historischen Fakten aufbereitet. Sancton schweift immer wieder ab, widmet sich einzelnen Expeditionsmitgliedern oder besonderen Umständen. Und es sind eben die vielen kleinen Anekdoten, Zwischenfälle und Begebenheiten, die den besonderen Reiz der Erzählung ausmachen und uns die damalige Zeit näher bringen.

In den abschließenden Anmerkungen erläutert Sancton seine aufwändige und akribische Recherche. Und selbst diese sind überaus spannend zu lesen und vermitteln einen guten Eindruck des enormen Zeitaufwandes. Dabei führt er auch aus, wie er fehlende Informationen ergänzt hat, um ein möglichst umfassendes Bild der Expedition zu vermitteln. Die über 30 schwarzweiß Fotos geben schließlich authentische Einblicke und runden den hervorragend Eindruck ab.

Fazit:

„Irrenhaus am Ende der Welt“ ist ein großartiges, überaus fesselndes Buch und liest sich beinahe wie ein Abenteuerroman. Sanction kann hervorragend erzählen und er lässt diese dramatische Expedition, die für die Wissenschaft wichtige Kenntnisse und ein Grundverständnis des eisigen Kontinentes lieferte, lebendig werden. Sancton beweist damit einmal mehr, dass das wahre Leben die spannendsten Geschichten schreibt.

Irrenhaus am Ende der Welt

Julian Sancton, Malik

Irrenhaus am Ende der Welt

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