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Winder interessieren weniger Geschichtszahlen oder harte Fakten, als vielmehr die Frage, warum Europa heute so ist, wie es ist und wie der Weg hierher war. Dabei konzentriert er sich neben der Historie auch auf die kleinen Dinge, die gerne im Geschichtsunterricht untergehen, gespickt mit den schon erwähnten Anekdoten.

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Im Anhang finden sich neben Bibliographie und Personenregister auch einige aussagekräftige Karten, aber zur Veranschaulichung des Inhalts hätte ich mir mehr Fotos gewünscht.

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Carola Krauße-Reim
Mit Geduld und Ausdauer kann man dem Buch etwas abgewinnen

Sachbuch-Rezension von Carola Krauße-Reim Sep 2020

Nach „Germany  oh Germany: Ein eigensinniges Geschichtsbuch“ und „Des Kaisers Rumpelkammer“ legt Simon Winder nun den abschließenden Band seiner Mitteleuropa-Trilogie vor. Ich kenne die ersten beiden Bände nicht, doch, weil Winder schon einige erfolgreiche Bücher veröffentlichte und zudem Cheflektor des Verlages Penguin Books ist, habe ich ein informatives, gut geschriebenes und mit ausreichend Bildmaterial ausgestattetes Buch erwartet - und wurde enttäuscht.

Ein sehr gewöhnungsbedürftiger Stil erwartet den Leser

Schon der Untertitel des Buches - „Eine Reise durch Europas historische Mitte zwischen Frankreich und Deutschland“ - hat mich verwundert, denn was liegt denn zwischen Frankreich und Deutschland? Eine wörtliche Übersetzung des englischen Originaltitel - „Lotharingia. A Personal History of France, Germany and the Countries in Between“ wäre angebrachter gewesen, sagt er doch einiges mehr aus. Vor allem das „personal“ wurde während der Lektüre immer offensichtlicher, denn der Autor spickt seine Auslassungen mit (zu) vielen persönlichen Anekdoten, sodass man sich manchmal leicht angebiedert fühlt und etwas Distanz vermisst. So muss ich nicht wissen, dass Winder in einem Bus mit pupsenden Kindern saß, seine Katze sich durch die Bibliothek gefressen hat oder er in einer Neubausiedlung aufgewachsen ist.

Wenn es dann einmal an die historischen Fakten geht, muss man sich mit einem sehr unwissenschaftlichen, manchmal schon schnoddrigen Schreibstil anfreunden. Der Versuch, locker und unverkrampft an ein geschichtliches Thema heranzugehen, wurde mit zu viel laissez-faire betrieben und ging zu Kosten des durchaus umfangreichen Wissens des Autors. Aber wer mit diesem - wie der Verlag schon angekündigt hat - „höchst eigenwilligen“ Stil zurechtkommt, bekommt einen umfangreichen Überblick über die lange Geschichte des heutiges „Herzlandes“.

 Von Lotharingien bis zum heutigen Europa

843 erhält Kaiser Lothar I. das Mittelstück des Fränkischen Reiches – Lotharii Regnum war entstanden. Ausgehend von diesem Gebiet des Lotharingien arbeitet sich Winder mehr oder weniger chronologisch von der Frühgeschichte bis zu unserer heutigen Zeit vor, wobei einige Zeitsprünge der Kapiteleinteilung geschuldet sind. Dabei interessieren ihn weniger Geschichtszahlen oder harte Fakten, als vielmehr die Frage, warum Europa heute so ist, wie es ist und wie der Weg hierher war. Dabei konzentriert er sich neben der Historie auch auf die kleinen Dinge, die gerne im Geschichtsunterricht untergehen, gespickt mit den schon erwähnten Anekdoten. Er zeigt den wechselseitigen Einfluss von Kultur und Politik und geht auf die Verflechtung der Machthaber - der Kaiser und Könige – und die oftmals daraus resultierenden Zwistigkeiten und Kriege ein. Er verdeutlicht deren Auswirkungen, die nicht in ihrer Zeit verblieben, sondern teilweise noch heute geographisch, politisch und nicht zuletzt auch in den Köpfen der Menschen zu finden sind.

Dabei greift Winder auf sein durchaus umfangreiches Wissen zurück, das zwar für Geschichts-Interessierte oft Bekanntes, aber manchmal auch Neues bereithält. Allerdings springt er dabei teilweise von Detail zu Detail, vermischt diese mit Nichtigkeiten und so gehen leider manche wichtigen Informationen unter. Sehr bedauerlich ist auch der Mangel an Bildmaterial. Jedem Kapitel ist ein zeitgenössischer Stich oder ein Foto vorangestellt – und das war es dann auch mit den Abbildungen. Im Anhang finden sich neben Bibliographie und Personenregister auch einige aussagekräftige Karten, aber zur Veranschaulichung hätte ich mir mehr Fotos gewünscht. Warum nicht die Grabkapelle der Herzöge von Lotharingen abbilden oder das erwähnte Gemälde „Vor dem Tor von Calais“ von Hoghart?

Fazit:

Winder hat die „Reise durch Europas historische Mitte...“ ausführlich zurückgelegt. „Herzland“ ist das Buch für jeden Geschichts-Interessierten, der auf zu viele wissenschaftliche Informationen verzichten kann, dabei aber persönlichen Anekdoten nicht abgeneigt ist und an einem einem (sehr) populärwissenschaftlichen Stil Gefallen findet. Die Liebhaber wissenschaftlicher Publikationen werden vermutlich enttäuscht sein oder, falls sie die Lektüre doch wagen, sollten sich auf die netten kleinen Details konzentrieren, die (zugegebenermaßen) in wissenschaftlichen Abhandlungen allzu oft vernachlässigt werden.

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