Große Philosophinnen

Erschienen: Juli 2021

Couch-Wertung

7
Wissen
Ausstattung

Wissen

Der Autor beschreibt die 10 Frauen fundamentiert, sehr intensiv und verständlich. Auf wissenschaftliche Ausführungen wird verzichtet, das Buch ist populärwissenschaftlich ausgerichtet und somit flüssig zu lesen. Für Neueinsteiger in diesen Stoff ist es sehr zu empfehlen, lernen sie doch Frauen kennen, die sich ihre eigenen Gedanken gemacht haben, oft genug gegen den Strom geschwommen sind und die Welt der Philosophie nachhaltig bereichert haben.

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Das Buch ist extrem textlastig, was bei dem eingängigen Schreibstil eigentlich kein Problem ist. Jedoch gibt es nicht eine Abbildung und nicht ein einziges Foto der beschriebenen Philosophinnen.

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Carola Krauße-Reim
Interessante Aufarbeitung, aber ohne neue Impulse

Sachbuch-Rezension von Carola Krauße-Reim Sep 2021

Der promovierte Germanist Armin Strohmeyr hat neben zwei Romanen und einigen Lyrikbänden vor allem Sachbücher verfasst. Viel beachtet sind seine Biografien zu Thomas Mann oder George Sand. Immer wieder widmet er sich vor allem Frauen, die Geschichte schrieben. So auch in seiner Porträtsammlung „Weltensammlerinnen. Spektakuläre Reiseabenteuer mutiger Frauen“ und jetzt auch in dem vorliegenden Buch über „Große Philosophinnen“.

10 Porträts philosophierender Frauen

„Philosophie ist die Liebe zur Weisheit, zum Denken, und am Beginn des Denkens steht das Staunen“. Gestaunt und gedacht haben Frauen schon immer, jedoch wurden sie durch das herrschende patriarchalische Rollenverständnis und ihren teils nur begrenzt zugelassenen Zugang zu Bildung und Wissenschaft lange Zeit dabei eingeschränkt.

In der Antike waren Philosophinnen völlig unbekannt, billigt doch selbst Sokrates lediglich Männern die Fähigkeit des Staunens zu. Erst in der Scholastik begegnen wir, mit einem sich ändernden Frauenverständnis in den höheren Schichten, den ersten bekannten Denkerinnen.

 „Das Philosophieren von Frauen war also auch stets ein Akt der Selbstbefreiung, der Emanzipation“.

Strohmeyr porträtiert zehn dieser emanzipierten Frauen, die die Philosophie vorangetrieben haben – chronologisch von der Scholastik bis in die Gegenwart – von Héloïse über Edith Stein bis Jeanne Hersch.

Kaum Neues

Strohmeyr beschränkt sich auf die ohnehin schon sehr bekannten Namen. Wer sich schon einmal mit diesem Thema beschäftigt hat, kennt diese Frauen und ihr philosophisches Werk. Nachdem Piper das Buch allerdings mit „Neue Perspektiven auf die weibliche Philosophiegeschichte“ beworben hat, hätte man davon ausgehen können, doch noch Neues zu erfahren. Das ist jedoch nicht der Fall; Strohmeyr bereitet lediglich Bekanntes auf.

Jede Frau wird in ihrem privaten Umfeld und mit ihrer philosophischen Arbeit vorgestellt, wobei aber leider ein besonderer Schwerpunkt auf „die weibliche Perspektive“ fehlt. Jedoch beschreibt der Autor die 10 Frauen fundamentiert, sehr intensiv und verständlich. Auf wissenschaftliche Ausführungen wird verzichtet, das Buch ist populärwissenschaftlich ausgerichtet und somit flüssig zu lesen. Für Neueinsteiger in diesen Stoff ist es sehr zu empfehlen, lernen sie doch Frauen kennen, die sich ihre eigenen Gedanken gemacht haben, oft genug gegen den Strom geschwommen sind und die Welt der Philosophie nachhaltig bereichert haben.

Die Ausstattung lässt zu wünschen übrig

Das Buch ist extrem textlastig, was bei dem eingängigen Schreibstil eigentlich kein Problem ist. Jedoch gibt es nicht eine Abbildung und nicht ein einziges Foto der beschriebenen Philosophinnen. Sowohl der Autor als auch der Verlag betonen die Tatsache, dass es sich um 10 Frauen handelt, die hier der Masse an männlichen Philosophen entgegengesetzt werden sollen und dann wird nicht eine abgebildet, obwohl ein Foto das Porträt abgerundet und vervollständigt hätte! Während die Gesichter von Hannah Arendt und Simone de Beauvoir noch bekannt sein könnten, ist das bei anderen, wie Émilie du Châtelet oder Ricarda Huch vielleicht weniger der Fall.

Auch für diese Frauen wichtige Bezugspersonen, wie Heidegger für Arendt oder Jean-Paul Sartre für Simone de Beauvoir wären eine Abbildung wert gewesen. Wenn Strohmeyr dann auch noch das Grabmal von Héloïse und Abaleard auf dem Père Lachaise in Paris besonders betont, wäre ein Foto zur Veranschaulichung wirklich angebracht.

Ein kleines Plus in der Ausstattung ist dagegen die „Auswahlbibliografie“ am Ende des Buches, die personenbezogen die wichtigste Primär- und Sekundärliteratur nennt, wobei allerdings nicht ersichtlich ist, welches Werk der Autor für sein Buch genutzt hat und ob und wann er aus welchem zitiert, denn auf Fußnoten im Text oder Angaben zur Herkunft eventueller Zitate wurde komplett verzichtet.

Fazit

Für Neueinsteiger in das Thema „Philosophinnen“ durchaus empfehlenswert, wobei auch diesen Fotos und detaillierten Fußnoten fehlen dürften. Wer sich schon einmal mit den weiblichen Denkerinnen beschäftigt hat, erfährt wahrscheinlich kaum Neues und dürfte mit der Präsentation noch weniger zufrieden sein.

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