Gib mir mal die Hautfarbe

Erschienen: August 2021

Couch-Wertung

9
Wissen
Ausstattung

Wissen

Sehr umfassend geschrieben mit kurzen, prägnanten Kapiteln

Ausstattung

Übersichtlich aufgebaut mit ansprechender Gestaltung

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Julian Hübecker
Rassismus als Alltagsproblem

Sachbuch-Rezension von Julian Hübecker Aug 2021

„Gib mir mal die Hautfarbe“ – wie oft ist dieser Satz schon beim gemeinsamen Malen mit den Kindern gefallen. Doch gibt es überhaupt DIE Hautfarbe? In diesem Buch wird dem Alltagsproblem Rassismus auf den Grund gegangen und beleuchtet, wie es unsere Kinder beeinflusst und wie wir sie schützen und sensibilisieren können.

„Unser gemeinsames Ziel ist: Kein Kind soll Opfer von Rassismus werden.“

Dass das Thema aktueller denn je ist, zeigt sich auch in Deutschland, wo Rassismus noch immer fest verankert ist. Viele Begriffe wie „Indianer“ oder „Eskimo“ stammen aus einer Epoche, in der europäische Kolonialmächte sich in der Welt ausbreiteten und einheimische Menschen zwangsintegrierten. Und obwohl jeder weiß, wer damit gemeint ist, beschreiben diese Begriffe doch eine Anschauung jener Menschen, die auf Vorurteilen und Fehlinformationen basiert. Gerade auch beim alljährlichen Karneval ist die Verkleidung als „Indianer“ noch immer beliebt – wer verschwendet einen Gedanken daran, dass das Kostüm auf eine beschämende Zeit zurückgeht, in der vielen Menschen ihrer Identität, Kultur und sogar ihres Lebens geraubt wurden, ohne jemals Wiedergutmachung erhalten zu haben.

Gerade dieses Nicht-Wissen macht die Unsicherheit bei vielen groß. Die Frage: „Was darf denn nun überhaupt noch gesagt werden?“ fällt oft. Auch bei der Erziehung ihrer Kinder wissen viele Eltern nicht, wie sie entweder ihr Kind vor Rassismus schützen oder ihnen klar machen können, dass es Rassismus gibt und dass es nicht richtig ist, andere Menschen aufgrund ihres Hintergrundes zu diskriminieren. Umso wichtiger sind die Erfahrungsberichte der Autorinnen, aus denen die klare Botschaft resultiert, dass Kinder nicht früh genug sensibilisiert werden können. Um das zu unterstützen haben Olaolu Fajembola und Tebogo Nimindé-Dundadengar den Online-Shop „Tebalou“ gegründet, in der Vielfalt gelebt und Kindern Spiele, Puppen oder Bücher angeboten werden, die sie repräsentieren.

„Rassismus ist ein System und kein natürlicher Zustand. Kinder werden nicht rassistisch geboren, sie erlernen rassistische Strukturen und ihre Regeln.“

Dass Rassismus kein natürlicher Zustand ist und dementsprechend kein Kind rassistisch geboren wird, dürfte jedem klar sein. Doch schon Säuglinge stellen Unterschiede zwischen Menschen fest und können diese einordnen. Dass Menschen nicht gleich sind, ist aber zunächst positiv hervorzuheben, solange Kindern klar ist, dass wir alle trotzdem gleichwertig sind. Um das zu erkennen, ist es wichtig, in Kinderzimmern, Kindergärten, Schulen, Büchern, Serien und vielem mehr Diversität zu leben und zu zeigen. 

Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag, um dem Thema mehr auf den Grund zu gehen, zu erkennen, in welchen klassischen Kinderbüchern noch immer rassistische Begriffe zu finden sind, welche Alternativen es gibt, in welchem Roman ein Schwarzes Kind („Schwarz“ wird hier groß geschrieben, da es nicht adjektivisch als Beschreibung gemeint ist, sondern als politischer Begriff, der zeigt, dass Menschen anhand gewisser Kategorien marginalisiert werden) der Held oder die Heldin sein darf. Anhand von Checklisten helfen die Autorinnen dabei, die richtige Wahl zu treffen und ein Gefühl dafür zu bekommen, was nun in die richtige Richtung geht und was nicht. Auch für Erzieherinnen und Erzieher oder Lehrkräfte ist das Buch ein wichtiges Hilfsmittel im beruflichen Umfeld.

„Eltern müssen sich entscheiden, welchen Weg sie einschlagen möchten, wie unsere Zukunft aussehen könnte.“

Man kann das Thema nicht breit genug treten, und mit Sicherheit gibt es genügend Literatur, die einen tieferen Einblick liefert. Dieses Buch soll einen ersten Eindruck schaffen, unsicheren Eltern Hilfestellung bieten und vielen die Augen öffnen, da der ein oder andere Blickwinkel mit Sicherheit noch unbeachtet geblieben ist. Dafür sorgen die Autorinnen mit deutlichen Worten in einem angenehm zu lesenden, erzählerischen Ton. Optisch sprechen die Seiten durch leuchtend gelbe Überschriften, Tabellen oder Grafiken an, die einen weicheren, zuversichtlichen Rahmen bieten. Diese Kombination aus Ernsthaftigkeit und lockerem Umgangston zeichnet das Buch aus und macht es trotz der Schwere der Thematik einfach zu lesen.

Fazit

Ein Ratgeber für Erwachsene darüber, wie das Thema Rassismus aktiv bekämpft werden kann und der klar macht, dass schon im Kinderzimmer einiges verändert werden muss.

Gib mir mal die Hautfarbe

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