Frösche
- HarperCollins
- Erschienen: Februar 2026
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Deutlich mehr als hüpfen und quaken.
Frösche und Kröten sind klein und zumindest in unseren (europäischen) Breiten (bis auf den giftgrünen Laubfrosch) unauffällig gefärbt = gut getarnt. Dennoch sie sind allgegenwärtig, und dies schon immer: Die schwanzlosen Lurche bevölkern die Erde deutlich länger als die Dinosaurier! Lebt man im Binnenland, wird man sie normalerweise selten sehen. Doch man grabe einen nur kleinen Teich, und sie werden kommen ... und dies durch lautes, zufriedenes Quaken kommentieren!
Als vor 65 Millionen Jahren jener Felsbrocken vom Himmel stürzte, der mehr als 90% aller damals lebenden Tier- und Pflanzenarten umbrachte, taten die Frösche, was sie immer tun, wenn es heikel wird: Sie gingen in den Untergrund, gruben sich tief ein, stiegen ab in Höhlen, tauchten in noch existierenden Wasserstellen unter und profitierten davon, dass sie durch Lungen und Haut atmen sowie lange Hungerzeiten überstehen können.
So blieben sie präsent und breiteten sich nach der Katastrophe aus. Heute gibt es Frösche, Kröten und Unken praktisch überall auf dieser Welt. (Übrigens: Wissenschaftlich gelten sie alle als Frösche!) Sie sind wechselwarm; ihre Körpertemperatur hängt also von der Umgebungstemperatur ab, und ihre Haut ist feucht, schleimig und deshalb prinzipiell empfindlich gegen Trockenheit. Nichtsdestotrotz triumphieren die breitmäuligen Lurche sowohl in brennend heißen Wüsten als auch in Dauerfrost-Regionen. Sie trotzen trickreich der Hitze, und wird es ihnen andererseits zu kalt, können sie sich dank eines körpereigenen Frostschutzmittels buchstäblich einfrieren lassen, um bei einem Anstieg der Temperatur wieder zum Leben zu erwachen.
Die Allgegenwärtigkeit des Quakens
Es war nur eine Frage der Zeit, bis Sally Coulthard sich mit dem Frosch beschäftigen würde. Sie hat sich auf Bücher spezialisiert, die thematisch in ihrem (englischen) Garten starten und sich einer dort präsenten Tier- oder Pflanzengattung widmen, die sie nicht nur in ihren heimatlichen Varianten beschreibt, sondern auch über die Inselgrenzen hinaus in die globale Ökologie einordnet. Hinzu kommen Blicke auf Entstehung und Evolution sowie Erinnerungen daran, wie die jeweils beschriebene Gattung an der Seite des Menschen existiert/e.
Klein, schleimig, laut, als Kröte zusätzlich warzenhäutig: Unsere Lurche erfreuten sich nie einer breiten bzw. liebevollen Zustimmung, obwohl sie in einigen Kulturen als Glücksbringer verehrt werden. In Europa herrschte lange allerdings die Meinung vor, dass Frösche und vor allem Kröten Sendboten und Gehilfen des Teufels seien; im Umfeld von ‚Hexen‘ wurden sie angeblich immer wieder gesichtet. Glücklicherweise leben wir in weniger abergläubischen sowie ökologisch geprägten Zeiten. Fröschen wird inzwischen ein Existenzrecht gewährt. Kröten sammelt man während der Laichzeit ein, damit sie nicht auf der Straße plattgefahren werden. Ansonsten wird positiv berücksichtigt, dass Frösche mit gewaltigem Appetit Schnecken, Mücken u. a. im Garten unwillkommene Eindringlinge vertilgen. (Umgekehrt kann und will mensch Frösche essen, wobei diese zweifelhafte Art der Wertschätzung sich in Europa und dort auf Frankreich konzentriert.)
Schaut man hinter die Kulissen, entfaltet sich eine miniaturisierte, aber interessante Parallelwelt, in der Frösche eine wichtige Rolle spielen. Amphibien sind sie geblieben, und ins Wasser müssen sie zurückkehren, um sich zu vermehren. Ansonsten haben sie sich dem Land bemerkenswert gut angepasst. Morgentau und Tagesschatten reichen ihnen, um sich dem Sonnenbrand zu entziehen. Gern angenommen werden künstliche Raststätten, deren simple, aber nachhaltig wirksame Einrichtung Coulthard ausführlich beschreibt (und die potenziell negativen Folgen - nächtliche Quak-Belästigung, wütende Nachbarn, heimliche Giftbomben im Froschteich - nicht unterschlägt).
Es gibt nichts, das es nicht gibt
Sobald Coulthard die Grenzen Europas hinter sich lässt, wird die Lurch-Welt wild und üppig. Wir lernen Frösche kennen, die kaum so groß wie ein Fingernagel sind, aber auch solche, die an einen Fußball erinnern und sogar Ratten attackieren. Vor allem die feuchten Dschungel unserer Erde sind ein Paradies für Frösche. Hier schillern sie zudem in allen möglichen Farben - und sie sind so giftig, dass ein einziges Fröschlein mehrere Menschen umbringen kann. (Die einheimische Bevölkerung macht sich das auch heute noch zunutze und bestreicht Pfeilspitzen mit Froschgift. Bei jedem Treffer ist der Jagderfolg sicher.)
Mit Sicherheit verbergen sich noch unzählige unentdeckte Arten dort, wohin der Forscher nur schwer vordringen kann. Es gilt sich bei der Registrierung zu beeilen, denn wer weiß, ob der demaskierte Lurch im folgenden Jahr wiedergefunden werden kann: Das Artensterben hat die Neuentdeckung längst überholt. Die Vernichtung der Regenwälder und der Klimawechsel machen den Fröschen das Leben schwer. Sie sind zwar überaus anpassungsfähig - manche Arten laichen nicht, sondern bringen fertige Winzfrösche zur Welt, andere hocken in hohen Bäume und können dank flacher Körper und superbreiter Füße sogar fliegen oder wenigstens segeln -, aber das Tempo, in dem diese bzw. ihre Welt sich wandelt, überfordert sie doch.
Wenig mehr als 200 Seiten reichen Coulthard aus, um uns einen informativen Einblick in den (Mikro-) Kosmos der schwanzlosen Lurche zu verschaffen. Sie greift durchaus auf moderne wissenschaftliche Erkenntnisse zurück, versteht es aber, diese in leicht verständlichen Worten zu verwandeln. Das Ergebnis ist ein gut lesbares Büchlein, nach dessen Lektüre man deutlich mehr Sympathie und Interesse für die quakende Nachbarschaft aufbringt. Schade ist nur, dass - wohl um den Kaufpreis zu drücken - auf Abbildungen verzichtet wurde. Die Autorin bemüht sich redlich, dies durch anschauliche Beschreibungen auszugleichen, doch manchmal möchte man die Unglaublichkeiten, die sie schildert, gern im Bild sehen!
Fazit
Einführung in die Welt der Frösche und Kröten - kompetent und anschaulich nehmen kleine, schleimige Amphibien Gestalt an und enthüllen, wie sie beinahe den gesamten Globus erobern konnten: eine lockere, aber informative Lektüre.

Sally Coulthard, HarperCollins

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