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Das Verdienst der Autoren besteht darin, die etliche Terabyte umfassenden Informationen mit über 70 Millionen Dokumenten gesichtet, analysiert, sinnvoll verknüpft und schließlich in eine lesbare Form gebracht zu haben.

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Viele Recherche-Ergebnisse sind dann in gedruckte oder Online-Artikel geflossen, und das Buch von Buschmann und Wulzinger ist eine hervorragende Zusammenfassung, ergänzt um die Geschichte von Rui Pinto, der maßgeblich hinter dem Projekt „Football Leaks“ steckte.

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Andreas Kurth
Spektakuläre Enthüllungen

Sachbuch-Rezension von Andreas Kurth Sep 2020

Korruption, Betrug, Menschenhandel und weitere Skandale in der Welt des Profifußballs. Der zweite Band von “Football Leaks” ist in der aktuellen Entwicklung fast ein wenig untergegangen, dabei sind die Enthüllungen der Spiegel-Redakteure Rafael Buschmann und Michael Wulzinger (sowie ihrer zahlreichen Kollegen in der Recherche-Gruppe) nicht nur spektakulär, sondern sollten eigentlich auch Folgen haben. Hatten sie zunächst auch, doch dann ist ein Gericht - wie auf dem Fußballplatz - wieder reingegrätscht.

Das Buch ist im Grunde entlang eines Zeitstrahls erzählt, lässt sich inhaltlich aber in mehrere Blöcke aufteilen. Da sind die Vergewaltigungsvorwürfe einer jungen Amerikanerin gegenüber dem portugiesischen Superstar Christiano Ronaldo - der im ersten Band der Football Leaks bereits wegen seiner Steuerhinterziehungen ausgiebig betrachtet wurde.

Der Profifußball und das Geld

Dann geht es um den modernen Menschenhandel mit jungen Fußball-Talenten aus Afrika und vom Balkan. Der Argentinier Lionel Messi, Superstar beim CF Barcelona, steht mit dubiosen Stiftungen ebenso im Blickpunkt wie das Financial Fair Play des europäischen Fußballverbandes UEFA, das von Vereinen wie Manchester City systematisch umgangen wird. Die Dokumente aus dem Football Leaks-Projekt liefern da erschreckende Fakten. All das ist auch deshalb ein Thema, weil das System Profifußball immer mehr mit Geld geflutet wurde und wird.

"Die Milliarden, die Fernsehsender und Live-Streaming-Anbieter für die Verwertungsrechte in den Markt pumpen, verändern, ja, revolutionieren alles: das Gehaltsgefüge eines Teams, das Gehaltsgefälle zwischen Mannschaften, die Wettbewerbsfähigkeit bestimmter Ligen - und natürlich auch die Preise für den Konsumenten, den Fan. Irgendeiner muss die Quittung schließlich bezahlen, wenn die TV-Einnahmen der wichtigsten europäischen Ligen und der beiden bedeutendsten Verbände Fifa und Uefa seit mehreren Jahrzehnten nur einen Trend kennen: Sie steigen und steigen und steigen."

Beginn und Ende des Buches beschäftigen sich mit Rui Pinto, den Lesern von Football Leaks 1 nur als John bekannt. Mittlerweile ist die Identität des portugiesischen Whistleblowers bekannt, er wurde an die Polizeibehörden seines Landes ausgeliefert, war zunächst in Haft, die jetzt in Hausarrest umgewandelt wurde, weil er sich zur Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden bereit erklärt hat.

Datenmaterial in Hülle und Fülle

Jahrelang versorgten er - und andere - die Recherche-Kooperation um die Spiegel-Redakteure Rafael Buschmann und Michael Wulzinger mit schier unglaublichen Mengen an Datenmaterial. Etliche Terabyte an Dokumenten lieferten John und seine Mitstreiter, an der Kooperation waren schließlich rund 80 Journalisten aus 15 Redaktionen in ganz Europa beteiligt.

Apropos Lionel Messi. Der argentinische Weltstar wollte sich nach dem spektakulären Misserfolg der Katalanen gegen den FC Bayern mit viel Getöse aus Barcelona verabschieden. Für ihn scheinbar kein Problem, schließlich hat ihn der Verein lange Jahre geradezu obszön mit Geld überhäuft. Doch dann kam die Wende, und Messi lässt sich weiterhin die Taschen mit Millionen Euros zuschaufeln.

"Zum ersten Mal garantierte ein Klub einem Profi ein jährliches Einkommen von mehr als 100 Millionen Euro. Nur zum Vergleich: Der Jahresumsatz eines Vereins wie Werder Bremen lag 2017 bei rund 120 Millionen Euro, mit denen nicht nur der Profikader mit sämtlichen Mitarbeitern finanziert werden muss, sondern der gesamte Geschäftsbetrieb."

An den Steuerbehörden vorbei

Die Football Leaks-Dokumente machen nicht nur deutlich, wie viel Geld die Spieler und ihre Berater aus diesem System ziehen, sondern vor allem, auf welchen Wegen es an den Steuerbehörden vorbei geschleust wird. Und es geht eben auch um das Financial Fair Play der UEFA, eine Regel, die unfaire Praktiken in der Finanzierung von Fußball-Clubs verhindern soll. Am Pranger stehen dabei vor allem der FC Chelsea London und Manchester City. In England können ausländische Investoren ganze Clubs kaufen, vor allem Scheichs von der arabischen Halbinsel tummeln sich hier. Nach den UEFA-Regeln dürfen sie allerdings nicht zu viel Geld in den laufenden Betrieb stecken. Genau das wurde unter anderem Manchester City nachgewiesen, aber der Club zog gegen den vom europäischen Fußballverband verhängten Ausschluss aus der Champions League vor Gericht - und bekam spektakulär Recht. Buschmann und seine Kollegen dürften sich angesichts des Urteils die Augen gerieben haben.

Fazit:

Das Verdienst der Autoren besteht darin, die etliche Terabyte umfassenden Informationen mit über 70 Millionen Dokumenten gesichtet, analysiert, sinnvoll verknüpft und schließlich in eine lesbare Form gebracht zu haben. In meinen Augen eine journalistische Glanzleistung, die viel Herzblut, Fleiß und Akribie erfordert hat. Viele Recherche-Ergebnisse sind dann in gedruckte oder Online-Artikel geflossen, und das Buch von Buschmann und Wulzinger ist eine hervorragende Zusammenfassung, ergänzt um die Geschichte von Rui Pinto, der maßgeblich hinter dem Projekt „Football Leaks“ steckte. Das Buch legt eine riesige Menge an Fakten offen - seine Schlüsse daraus muss jeder Fußball-Fan selbst ziehen.

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