Eine afrikanische Geschichte Afrikas

Eine afrikanische Geschichte Afrikas
Eine afrikanische Geschichte Afrikas
Wertung wird geladen
Julian Hübecker
8101

Sachbuch-Couch Rezension vonJul 2024

Wissen

In spannenden Kapiteln zusammengefasst finden sich vielseitige Geschichten.

Ausstattung

Mit interessanten Bildern. Hier und da hätte man sich mehr gewünscht – oder als Beigabe Farbfotografien in der Buchmitte.

Die Vielfalt Afrikas in einem Buch spannend zusammengefasst.

Afrika, ein Kontinent der vielfältigen Kulturen und Religionen, blickt auf geschichtliche Ereignisse zurück, die weit über die Kolonisation durch Europa hinausgehen. Sie zeugen vom Aufstieg und Fall von Königreichen, von Herrscherinnen und Herrschern, von Kriegen und von Reichtümern. In diesem Buch werden spannende Geschichten eines Kontinents zusammengefasst, der viel zu lange unterschätzt wurde.

„Wir alle stammen aus Afrika, und daher ist dies ein Buch für uns alle.“

Afrika kann man getrost als „Kontinent der Missverständnisse“ bezeichnen – von den einen als einzelnes Land betrachtet, von anderen nur die Urlaubsziele wie Tunesien, Ägypten oder Südafrika gekannt. Dann gibt es noch jene, die sich wundern, dass in manchen Teilen Afrikas Deutsch gesprochen wird, weil sie die traurige Kolonialgeschichte des Kontinents nicht kennen, während andere meinen, dies sei die einzige Geschichte. Vielleicht weiß der ein oder andere noch, dass der ursprüngliche Mensch seine Wurzeln in Afrika hat, doch die wenigsten werden den Gedanken zulassen, dass uns das ein Stück weit alle zu Afrikanerinnen und Afrikanern macht. Doch mit diesem Gedanken startet dieses Buch: Es zeigt eine kurze Rückschau über die Familie der Hominiden, wie sie sich in verschiedenen Teilen Afrikas entwickelten und schließlich den Weg hinaus in die Welt wagten.

Autorin Zeinab Badawi, gebürtige Sudanesin, hat das Buch als Herzensprojekt auf die Beine gestellt und als Kampfansage gegen den Habitus entwickelt, den Kontinent nur von der kolonialistischen Betrachtung aus zu sehen. Afrika ist viel mehr als die Sklaven, die vor allem nach Nordamerika und in die Karibik verschifft wurden. Afrika verdient einen unverstellten Blick auf die unterschiedlichen Kulturen und Religionen und anderweitigen Errungenschaften moderner und historischer Zivilisationen. Dafür reiste Badawi über 7 Jahre quer durch den Kontinent und besuchte über 30 Länder. Sie sprach mit verschiedenen Menschen und konnte so ein verkanntes Afrika in 17 Kapiteln wieder aufleben lassen.

„Afrika, ein schlafender Riese aus 54 Ländern, ist erwacht.“

Zugegeben, es klingt ein wenig heroisch, aber, um den Epilog mal vorwegzugreifen, die Autorin macht klar, dass Afrika ein Kontinent der Zukunft ist. Nicht nur hat er mit 19 Jahren das niedrigste Durchschnittsalter, sondern finden sich hier auch reiche, unerschlossene Bodenschätze. Insbesondere, wenn es um globale Lösungen zur Bewältigung des Klimawandels geht, könnte Afrika sogar eine weltweite Vorreiterstellung einnehmen. Es mutet an, als hätte der „schlafende Riese“ viel zu lange im Schatten westlicher Staaten gelebt. Es zeigt sich, dass sich immer mehr junge Afrikanerinnen und Afrikaner nach ihrer eigenen Geschichte sehnen und diese auch in der Schule oder im Studium gelehrt bekommen wollen. Die Frage ist: Warum sollten diese Geschichten nicht auch endlich uns die Augen öffnen?

Mit diesem Anspruch hat die Autorin eine spannende, faktenbasierte Zusammenfassung verschiedener Kulturen und historischer Ereignisse geschaffen – von dem Aufstieg und Fall des Ägyptischen Reiches über die Königreiche Westafrikas bis hin zum Wettlauf um das dunkle Herz Afrikas: den Kongo. Mit zahlreichen Bildern wird man immer tiefer in faszinierende Erzählungen, Mythen und Geschichten gezogen, erlebt Auseinandersetzungen, Kriege, aber auch Bündnisse verschiedener Stämme und Königreiche. Jedes Kapitel wird durch eine geografische Karte Afrikas eingeleitet, in der markiert ist, wo man sich im Folgenden befindet. In der Regel wird die Geschichte dieses Landes oder Reiches chronologisch aufgearbeitet.

Dabei lesen sich die Kapitel manchmal etwas holprig und oftmals hatte ich das Gefühl, dass im Umfang an der falschen Stelle eingespart wurde. Manch eine Erzählung, die besonders faszinierend zu lesen war, wurde sehr kurzgehalten, während andere zäher waren. Das ist natürlich eine subjektive Feststellung und soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass in dem Buch vieles geboten wird und jede Geschichte ihre Berechtigung hat. Die Vielfalt Afrikas kommt in jedem Fall durch und man kann nur erahnen, wie viele weitere Geschichten nicht mehr in das Buch gepasst haben oder im Laufe der Zeit verloren gegangen sind.

Fazit

Demütig blättert man durch das Buch und liest über die unverfälschte Geschichte afrikanischer Länder und Königreiche, wohlwissend, wieviel der Kolonialismus zerstört und Afrika geraubt hat. Dieses Buch ist eine wichtige Zusammenfassung der Vielfalt eines unterschätzten Kontinents.

Eine afrikanische Geschichte Afrikas

Zeinab Badawi, Piper

Eine afrikanische Geschichte Afrikas

Ähnliche Sachbücher:

Deine Meinung zu »Eine afrikanische Geschichte Afrikas«

Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

Film & Kino:
Chernobyl

Der Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl gehört zu den wohl größten modernen Desastern. Das aus heutiger Sicht für viele sicherlich etwas abstrakte historische Ereignis wird in dieser Serie plastisch, real und fühlbar gemacht. Titelbild: © Sky UK Ltd/HBO

zur Serien-Kritik