Echte Helden, falsche Helden

Erschienen: September 2020

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Ob wir es uns eingestehen, oder nicht: Wir alle sehnen uns nach Helden, suchen sie im Sport, in der Musik oder den sozialen Medien. Aber darf es deutsche Helden überhaupt geben? Mahnt unsere Geschichte uns nicht zu einer tiefen Skepsis gegenüber charismatischen Leitfiguren, denen wir blind vertrauen – ganz besonders in der Politik?

Der Zerfall der Volksparteien und das gleichzeitige Aufkommen der neuen Rechten zeigen, dass unser Parteiensystem in einer tiefen Krise steckt. Zu leicht fällt es heute, sich etwa unter Berufung auf die Meinungsfreiheit als demokratischer Held zu stilisieren und so verfassungsfeindliche Parolen bis in den Bundestag zu tragen. Zu schnell werden Vertreter einer offenen Gesellschaft ins Abseits gedrängt, übertönt, niedergeschrien.

Denn über Jahrzehnte haben etablierte Parteien auf einen leblosen Verfassungspatriotismus gesetzt, der es verpasst, Politik mit Emotion aufzuladen. Die Emotionalität aber gehört zu unseren Grundbedürfnissen, auch in der Politik – wer sie nicht anspricht, kann nicht darauf hoffen, der zunehmenden Politikverdrossenheit etwas entgegenzusetzen. Doch um unsere Demokratie wieder mit Emotion aufzuladen, braucht es Menschen, die es verstehen, demokratischen Werten eine Stimme und ein Gesicht zu geben. Die falsche Helden enttarnen und sich trauen, echte demokratische Helden zu sein.

Echte Helden, falsche Helden

Echte Helden, falsche Helden

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Letzte Kommentare:
30.01.2021 14:38:38
Salka Schallenberg

Der Publizist Christoph Giesa wagt sich an ein Thema, dass in Deutschland recht umstritten ist. Helden – jeder sucht sie im Sport, in der Musik oder den sozialen Medien. „Aber darf es deutsche Helden überhaupt geben?“ fragt sich der Autor. Er erinnert an unsere Geschichte, die zu einer tiefen Skepsis gegenüber charismatischen Leitfiguren, denen wir blind vertrauen – ganz besonders in der Politik führt. Schonungslos legt Christoph Giesa offen, dass unser Parteien-System, unsere Demokratie in einer tiefen Krise steckt. Auf der einen Seite zerfallen Volksparteien. Gleichzeitig erstarken die neuen Rechten. Meinungsfreiheit – das Wort verkommt zur Phrase – genutzt um demokratische Helden aufzubauen. Verfassungsfeindliche Parolen gehören zum Alltag – demokratisch gewählte Parteien tragen diese bis in den Bundestag. Andere Vertreter einer offenen Gesellschaft sind ins Abseits gedrängt, werden nieder-geschrien. Der Publizist Christoph Giesa weiß um die Brisanz seines Buchs. Debattenbuch nennt er es, aufgegriffene Impulse , die aktuell diskutiert werden, will der Autor einordnen und weiterentwickeln. So nennt er ein Kapitel „Der Kampf um Köpfe und Herzen“ und zitiert gleich zu Anfang Kurt Tucholsky. Der Autor, dessen Bücher die Nazis später verbrannten, warnte schon 1931, dass das Volk das meiste falsch verstehe, aber das meiste richtig fühle. Ein Grundgefühl, dass die Schreihälse der Nazis missbrauchen, so Tucholsky. Christoph Giesa geht weiter und stellt fest, dass wir gerade eine „krisenhafte Unübersichtlichkeit erleben“. Viele sind überfordert. Für Populisten eine Chance mit einfachen Antworten und Lösungen Anhänger zu finden. Das Debattenbuch des Autors birgt aber auch fragwürdige Äußerungen, wie das folgende Zitat „Lange überwog die Angst vor dem „Heldenkult“, […], alles andere.
Immerhin hatte dieser uns einerseits in den Faschismus und andererseits in seinen Zwilling, den Kommunismus, geführt.“ An anderer Stelle schreibt Giesa „Gräul von Faschismus und Sozialismus“. Sicher die Verbrechen unter dem Diktator Stalin sind nicht zu leugnen. Aber in der DDR lebten die Menschen nicht wie in Zeiten der Hitler Diktatur – Hunger, Krieg und Elend unbekannten Ausmaßes gab es bei weiten nicht. Hier hätte ich mir eine klarere Differenzierung gewünscht.
Insgesamt ein wichtiges Buch, dass zur Diskussion über die aktuelle Lage anregt.

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Der Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl gehört zu den wohl größten modernen Desastern. Das aus heutiger Sicht für viele sicherlich etwas abstrakte historische Ereignis wird in dieser Serie plastisch, real und fühlbar gemacht. Titelbild: © Sky UK Ltd/HBO

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