Die Triple-Krise: Artensterben, Klimawandel, Pandemien

Erschienen: November 2020

Couch-Wertung

9
Wissen
Ausstattung

Wissen

Trotz der wissenschaftlichen Hintergründe ist die Argumentationskette sehr gut zu verstehen und nachzuvollziehen.

Ausstattung

Bilder sind nicht vorhanden, fehlen aber auch nicht. Quellenangaben hätten das Buch jedoch vollständig gemacht – die fachliche Herkunft einiger Angaben lässt sich aber aus dem Text erschließen.

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Julian Hübecker
Über reale Bedrohungen

Sachbuch-Rezension von Julian Hübecker Feb 2021

Artensterben, Klimawandel und Pandemien – das sind laut Josef Settele die drei großen Bedrohungen, denen sich der Mensch gegenübersieht. Und all diese Probleme sind hausgemacht. Doch wo haben sie ihren Ursprung? Und welches Zukunftsszenario ergibt sich daraus? Settele klärt auf…

„Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass schon jetzt mehr als 70 Prozent aller neu auftretenden Krankheiten, von denen Menschen betroffen sind, ihren Ursprung in wilden oder domestizierten Tieren haben.“

„Ein Planet wird ausgenommen“ – so plakativ heißt Kapitel 2 dieses Buches, das sich um die drei großen Krisen des gegenwärtigen Zeitalters dreht. Josef Settele, Professor für Ökologie, stellt ganz klar den Menschen als Verursacher in den Vordergrund, hütet sich aber vor Schwarz-Weiß-Zeichnung. Ihm geht es nicht darum, den Schwarzen Peter einzelnen Staaten oder der Politik zuzuschieben, er stellt aber trotzdem Schwächen in der globalen Umweltpolitik heraus. Vielmehr möchte er sachlich und fachlich die drei Krisen vorstellen, und was diese auch in Kombination bedeuten.

Aufgrund seines Forschungsschwerpunktes der Insektenkunde und als selbsterklärter Insektenfreund macht er von vorneherein klar, dass in seiner Argumentationskette die sechsbeinigen Krabbler als Vorzeigeobjekte herhalten müssen. Was einseitig klingen mag, macht aber durchaus Sinn: Wie auch das Kapitel 4 lautet, sind Insekten „Dreh- und Angelpunkt im Ökosystem“, als Ökodienstleister und wichtige Basis in Nahrungsketten. Wer kennt nicht die bedeutende Beobachtung, dass noch vor zwanzig Jahren die Frontscheiben von Autos voller toter Insekten waren, wenn man über Landstraßen oder Autobahnen gebraust ist – ganz anders als heute? Als wichtiges Alarmsignal ist dies aber nur eine Seite der Medaille.

In insgesamt 7 Kapiteln – vor allem Kapitel 6 „Alles hängt mit allem zusammen“ ist einprägsam – argumentiert und diskutiert der Wissenschaftler konsequent seinen Blick auf die Triple-Krise. Dabei malt er keine so düstere Prognose, wie es vielfach dargestellt wird und auch von Panikmache hält er nichts; die Welt wird nicht ohne Weiteres untergehen und die Erde zu einem unbewohnbaren Planeten verkommen. Dennoch stellt er klar, dass wir vor großen Herausforderungen und Veränderungen stehen, die unsere Art zu leben grundlegend auf den Kopf stellen werden – wenn sich in nächster Zeit nichts verändert.

Sprachlich 1A

Wenn man über so ein ernstes, wissenschaftliches Thema spricht, bleiben natürlich auch Statistiken nicht aus. Hier entschuldigt sich der Autor schon fast, wenn er wieder Zahlen und Daten einbringen muss. Darüber hinaus liest sich das Buch aber sehr flüssig und locker, Setteles Argumentationen kann man überraschend gut folgen. Bilder fehlen komplett, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt und nicht notwendig erscheint.

Schade ist, dass jegliche Quellen und Belege fehlen. Die wissenschaftliche Korrektheit soll hier nicht in Frage gestellt werden, aber für Interessierte sind Quellen natürlich ein wichtiges Mittel zur weiterführenden Eigenrecherche. Die Herkunft einiger Fakten lassen sich jedoch aus dem Text erschließen.

Zum Schluss gibt es noch ein kurzes Kapitel, in dem es darum geht, Biodiversität und Klimawandel auch an Schulen zu thematisieren, und wie man dies in den Unterricht integrieren und Schülerinnen und Schüler dafür begeistern kann. Das ist wichtig, um auch nochmal klar hervorzuheben, dass die jüngeren Generationen eingebunden werden müssen, da diese die Veränderungen am stärksten erleben werden.

Fazit

Die Triple-Krise ist kein trockenes Thema und schon gar nicht ein apokalyptisches Szenario, vor dem man sich fürchten muss. Aber es ist eine wichtige Auseinandersetzung mit den drei großen Krisen, die unser zukünftiges Leben deutlich verändern werden.

Die Triple-Krise: Artensterben, Klimawandel, Pandemien

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