Deutschland in Karten

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Kathrin Walther
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Sachbuch-Couch Rezension vonJun 2026

Wissen

Das Buch fasst die Geschichte Deutschlands von etwa 843 bis heute kompakt zusammen.

Ausstattung

Der Titel lässt anderes erwarten, die Anzahl an Karten hätte gerne höher sein können.

Eine kompakte Zeitreise durch die Geschichte Deutschlands.

Wie ist Deutschland eigentlich entstanden? Wer im Geschichtsunterricht gut aufgepasst und ein gutes Gedächtnis hat, kann bei dieser Frage wahrscheinlich mit Wissen glänzen, doch sind wir mal ehrlich: Die Geschichtskenntnisse der meisten Erwachsenen hierzulande werden sich eher auf die neueren Geschichte seit etwa 1900 beschränken. Wie und wann Deutschland gegründet wurde, was sich seit diesem Zeitpunkt bis heute alles ereignet hat und wie sich die Grenzen seitdem immer wieder verändert haben, wird kaum jemand genauer wissen. In „Deutschland in Karten: Die Geschichte eines interessanten Landes“ wird unser Geschichtswissen aufgefrischt, sodass anschließend jeder die Frage: „Wie ist Deutschland entstanden?“ ohne Probleme beantworten können sollte!

Eine Reise durch die Vergangenheit

Nach einer kurzen Einleitung, in welcher die drei Autoren kurz auf die Intention des Buches eingehen, startet das Werk mit dem Kapitel „Ist das schon Deutschland?“, welches die Zeit von 843 bis 973 abdeckt. In diesem Abschnitt geht es unter anderem darum, dass Deutschland keinen richtigen „Entstehungsmythos“ wie etwa Frankreich hat, was die Bildung einer eigenen Identität erschwerte. Seit jeher sind Fragen wie „Was ist eigentlich typisch „deutsch“?“ daher schwierig zu beantworten, da die Ethnogenese der Deutschen aufgrund weniger Quellen schwer nachvollziehbar ist.

Bis 973 etabliert sich das neue Reich, welches 843 mit dem Vertrag von Verdun als Ostfrankenreich aus dem ehemaligen Frankenreich hervorging, als Nachfolger des römischen Imperiums, was vor allem als Verdienst von Otto I. eingeordnet wird. Zum Zeitpunkt seines Todes 973 reichte das Reich zwar von der Nordsee bis zum Mittelmeer, doch waren seine Bewohner durch viele unterschiedlichen Sprachen und Dialekte sehr heterogen, sodass sich die Untergebenen selbst kaum als Zugehörige der neuen Reichsinstitution sahen, was eine gewisse Instabilität des Reiches mit sich brachte.

Im zweiten Abschnitt „Heilig, römisch, deutsch“ geht es dann um die Jahre 974 bis 1525, in denen das deutsche Kaisertum seine Blütezeit erlebte. Das Klima war mild und die Landwirtschaft war ertragreich, was der wachsenden Bevölkerung zugute kam. Auch die politischen Verhältnisse stabilisierten sich unter den Ottonen, Saliern und Staufern. Als sich das Klima gegen Ende des 13. Jahrhunderts änderte, folgten schwer Missernten, die die Bauern durch hohe Abgaben in die Städte zwangen. Das Ständesystem kam durch Unruhen ins Wanken, zudem breitete sich die Pest aus, die vor allem in den Städten immer wieder ausbrach. Der Buchdruck wurde erfunden und Luthers Thesen leiteten die Reformation ein, wodurch eine kritische Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche in Gang gesetzt wurde.

Mit dem Ende des Mittelalters setzt das nächste Kapitel „Neues Zeitalter, alte Probleme“ ein, in dem die Zeit von 1526 bis 1806 näher betrachtet wird, bevor es anschließend in „Bund, Staat und dann Nation“ um die Jahre 1806 bis 1914 geht. Die Geschehnisse in „Ein Krieg nach dem anderen“ aus der Zeit von 1914 bis 1945 sind den meisten Lesern wahrscheinlich dann relativ vertraut. Nicht nur im Schulunterricht wird diese Zeit aufgrund ihrer großen Bedeutung, die bis in die Gegenwart reicht, ausführlich behandelt, auch gibt oder gab es in den meisten Familien Zeitzeugen, die von dieser Zeit berichten konnten und deren Erzählungen zu den Kriegen sich eingeprägt haben. Mit dem Kapitel „Ein gespaltenes Land“, welches die Zeit von 1945 bis heute betrachtet, endet das Buch. Themen wie die Teilung Deutschlands in Ost und West und die Wiedervereinigung stehen hier im Fokus, wobei auch andere wichtige politische und gesellschaftliche Entwicklungen kurz angeschnitten werden.

Geballte Ladung Wissen

Wer seine Kenntnisse über die Geschichte Deutschland auffrischen möchte, aber nicht so viel Zeit zur Verfügung hat, ist bei „Deutschland in Karten“ genau richtig. Auf nur 100 Seiten werden 1180 Jahre deutscher Geschichte abgehandelt, in denen sich nicht nur die Landesgrenzen und Herrschaftsformen immer wieder veränderten, sondern auch Themen wie Religion, die Pest, Kolonialismus, Kriege und die innerdeutsche Grenze das Land beschäftigten.

Strukturiert ist das Buch in 6 großen Kapitel, die chronologisch aufeinander aufbauen und sich mit unterschiedlichen Zeitaltern beschäftigen. Gerade in den frühen Kapiteln dreht sich ein Großteil des Inhalts um geografische Grenzen, politische Umbrüche und Konflikte, während sich die Bevölkerung noch längst nicht als Nation verstand. Gar nicht so einfach, beim Lesen zwischen all den Fakten und Zahlen den Überblick zu behalten, wäre da nicht ab und an mal eine Karte, an der sich die Veränderungen nachvollziehen lassen, sodass sie sich deutlich besser im Gedächtnis einprägen als reines Textwissen.

Je weiter es Richtung Gegenwart geht, desto vielfältiger werden auch die Themen. Themen wie Seuchen, bahnbrechende Erfindungen wie der Buchdruck oder die Industrialisierung sorgen für große Veränderungen, zu denen auch das sich immer weiter ausbreitende Gleisnetz beiträgt, mit dem sich bequem mit der Eisenbahn von einem Ort zum anderen reisen lässt oder auch Güter über weite Strecken transportiert werden können, wie die zugehörige Karte zeigt.

Leider liegt in dieser Stärke des Buches gleichzeitig auch mein größter Kritikpunkt: Im ersten Kapitel mit insgesamt neun Seiten gibt es nur eine doppelseitige Karte, im zweiten Kapitel mit 14 Seiten ist neben einer Doppelseite noch eine einzelne Seite mit einer Karte gefüllt, während das dritte Kapitel sogar ganz ohne die titelgebenden Karten auskommen muss. Zwar steigert sich die Anzahl der Abbildungen in den darauf folgenden Kapiteln leicht, doch lässt der Titel „Deutschland in Karten“ schon etwas mehr erwarten, sodass sich das Buch insgesamt schon recht trocken liest und eher wie ein klassisches Sachbuch daherkommt.

Karten mit AHA-Effekt wie etwa zur Entwicklung des deutschen Gleisnetzes, zum Flächenvergleich zwischen den deutschen Kolonien und dem Deutschen Kaiserreich, zur Spionage-Intensität in der DDR oder zu bekannten DDR-Marken, die nach der Wende an Käufer außerhalb Ostdeutschlands verkauft wurden, sind es, von denen man mehr im Buch erwartet und mit denen sich das Buch in der Masse an Büchern über die deutsche Geschichte abheben könnte. Dann hätte auch der Titel zum Buch gepasst. So erinnert der Inhalt eher an einen etwas altbacken gehaltenen Geschichtsunterricht voller Faktenwissen, das sich gut zur Abfrage im nächsten Test eignet und von dem man sich beim Lesen schon etwas erschlagen fühlt.

Qualitativ gibt es hingegen nichts zu beanstanden. Die enthaltenen Karten lassen sich leicht nachvollziehen und sind ansprechend gestaltet und sogar in Farbe gedruckt. Zu jedem Kapitel gibt es im Anhang ein übersichtliches Quellenverzeichnis, welches einerseits die Herkunft der verwendeten Informationen belegt und sich andererseits anbietet, will man sich noch tiefer mit einem Thema beschäftigen.

Fazit

Insgesamt eine gute Möglichkeit, in überschaubarer Zeit sein Wissen über die deutsche Geschichte von der Teilung des Frankenreichs bis heute aufzufrischen. Anders als es der Titel verspricht, ist die Anzahl der im Buch enthaltenen Karten jedoch sehr überschaubar, sodass sich das Lesen der Kapitel eher trocken anfühlt.

Deutschland in Karten

Diverse Autoren, Katapult

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