Der königliche Butler

  • Heyne
  • Erschienen: April 2026
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Carola Krauße-Reim
6101

Sachbuch-Couch Rezension vonJun 2026

Wissen

Kleine Anekdoten mit viel Etikette.

Ausstattung

Acht nichtssagende Fotos ansonsten nur Text.

Ein Blick hinter die Kulissen.

Könige, Königinnen und ihre Familien faszinieren noch heute Viele. Die glamouröse Lebensweise mit feierlichen Anlässen in nobler Garderobe und funkelnden Edelsteinen, das Wohnen in Schlössern oder großen Anwesen und nicht zuletzt die Betreuung durch zahlreiche Angestellte, ist so ganz anders als die des gemeinen Volkes. Was hinter den Kulissen und abseits der Kameras abläuft, ist aber meistens unbekannt und Spekulation. Grant Harrold ändert das jetzt ein bisschen, denn er war königlicher Butler.

Vom begeisterten Anhänger zum loyalen Butler

Der Schotte Grant Harrold wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Seine ganze Familie bestand aus begeisterten Royalisten, die alles in sich aufsogen, was mit der Königin und ihrer Familie zu tun hatte. Sie besuchten Schlösser, Ausstellungen und Museen, wann immer es möglich war. Schon früh wollte Harrold der Königin dienen, denn sie war sein ganz persönlicher Liebling unter den Royals. Wie sein Weg vom kleinen Häuschen in Kingussie nach High Grove, dem Landsitz des damaligen Prince of Wales, und in die anderen Residenzen der königlichen Familie war, schildert er uns im vorliegenden Buch.

Anekdoten, aber keine Skandale

Harrold sagt man nach, dass er „alles andere als auf den Mund gefallen“ sei. Das hilft ihm in seiner jetzigen Tätigkeit als Experte für Etikette und als gern gesehener Kommentator bei royalen Events. Doch auch der Stil in seinem Buch ist von der Fähigkeit, interessant zu erzählen, geprägt. Immer wieder spitzt Humor hervor, der sich in den kleinen Fauxpas im Leben als Butler voll ausprägt. Es macht Spaß, dem Werdegang des Autors vom gemobbten Schüler hin zum Butler für den heutigen König Charles, seiner Frau und seinen beiden Söhnen zu lesen. Dabei wird keine schmutzige Wäsche gewaschen oder Insiderwissen ausgeplaudert, sondern einfach der Tagesablauf in verschiedenen Situationen erzählt: Wie es ist, auf Sandringham die Flower Show zu erleben; mit den Royals auf Reisen zu gehen; große Dinner zu planen oder einfach das tägliche Leben auf High Grove mit seinen ganz speziellen Anforderungen zu bewältigen? Das Zusammenleben und Arbeiten der Angestellten spielt dabei eine ebenso große Rolle, wie das Dienen für die Herrschaft. Sieben Jahre hat Grant Harrold so gelebt und er lässt uns an vielen Tagen davon teilhaben.

Manchmal schwer nachvollziehbar

Nicht nur die Welt hinter den oft abgelichteten Schlossmauern und der noch öfter fotografierten Royals ist so ganz anders, auch die Einstellung des Autors zur königlichen Familie ist eine besondere. Die tiefgehende Ehrfurcht dürfte vielen Nicht-Briten fremd sein. Dass ein Mensch völlig aus dem Häuschen gerät, wenn er die Königin mit ihren Corgis aus der Ferne sehen kann, von ihr kurz angesprochen und dann sogar mit ihr tanzen darf, ist vielleicht noch nachvollziehbar, aber die fast schon devote Anbetung ist doch etwas befremdlich. Von einem Butler wird Loyalität und vor allem Diskretion erwartet und vom hingebungsvollen Harrold wurde das natürlich eingehalten. So darf man in diesem Buch auch keine tiefergehenden Beschreibungen von Treffen mit anderen Mitgliedern der königlichen Familie erwarten, wenngleich manche Äußerungen schon viel über die sehr unterschiedlichen Charaktere aussagen.

Kaum Abbildungen

Zwar kann es sich der Experte für Etikette nicht verkneifen, im Anhang kleine Ausführungen zu Tischsitten etc. zu geben, doch Fotos von z.B. der Besteck- oder Gläseranordnung werden nicht gegeben. Überhaupt geizt Harrold sehr mit Abbildungen. Lediglich vier ziemlich nichtssagende Fotos, neben drei gezeigte Einladungskarten und dem Menüplan, anlässlich der diamantenen Hochzeit der Queen und ihrem Mann, stellen die einzigen Abbildungen des immerhin über 300 Seiten dicken Buches dar. Das mag der Diskretion des ehemaligen Butlers geschuldet sein, doch wären angemessene Fotos von den Anwesen oder dem oft erwähnten Garten von High Grove als Ergänzung zum Text sehr schön und anschaulich gewesen.

Fazit

Grant Harrold als “Der königliche Butler“ lässt einen Blick in das Leben der Royals und ihren Bediensteten zu. Aber wer ein Skandalbuch erwartet, wird wohl enttäuscht sein – hier wird keine schmutzige Wäsche gewaschen, sondern humorvoll erzählt. Leider geizt der Autor mit auflockernden Abbildungen, was den Bericht doch sehr textlastig und leider nur bedingt und im wahrsten Sinne „anschaulich“ macht.

Der königliche Butler

Grant Harrold, Heyne

Der königliche Butler

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