Dear Britain: Auf der Suche nach der Seele Großbritanniens

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Carola Krauße-Reim
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Sachbuch-Couch Rezension vonAug 2026

Wissen

Fundierte Recherchen in vielen Bereichen, wird leicht lesbar umgesetzt.

Ausstattung

Leider keine Fotos oder eine Karte von Großbritannien, welche die erwähnten Orte verorten würde

Tiefe Einblicke sind garantiert

Die Deutsch-Britin Annette Dittert war viele Jahre Auslandskorrespondentin der ARD, zuletzt in London. Vielen dürfte sie durch ihre bunten Outfits, ihre pointierten Reportagen und gut vorbereiteten Interviews bekannt sein. Wer zudem Bücher von ihr gelesen hat, weiß, dass sie auf dem kleinen Narrowboat „Emilia“ am Regents Canal in London lebt. Ende 2025 gab sie den Job bei der ARD auf, um sich anderen Interessen zu widmen. Eines dieser Projekte war das vorliegende Buch, das pünktlich zum 10-jährigen Brexit-Referendum erschien.

Die Briten ticken anders

Diese Behauptung kann man berechtigt aufstellen, wenn man „Dear Britain“ gelesen hat. Annette Dittert begibt sich auf die „Suche nach der Seele Großbritanniens“ und besucht dafür die unterschiedlichsten Menschen - vom Lord im Oberhaus bis hin zur alleinerziehenden Mutter, die von der Foodbank abhängig ist, um ihren Kindern etwas zu Essen geben zu können. Wir erleben hautnah den tiefen Riss in der britischen Gesellschaft, der zwischen den Reichen und Armen, die es beide zu Hauf gibt, immer tiefer wird. Nicht zuletzt wegen dem Brexit 2020, der andere Auswirkungen hatte als erwartet und prognostiziert wurde, und der auch die politische Landschaft ebenso gespalten wie geprägt hat. Annette Dittert besucht auch Wales und Schottland, die einst neben Nordirland von den Engländern erobert wurden. Die Einheimischen in diesen beiden Landesteilen sehen die ökonomische, politische und gesellschaftliche Lage oft anders als die Briten, die alles als gegeben hinnehmen oder zumindest sehr geduldig sind. Dittert reist mit uns kreuz und quer über die ganze Insel und lässt uns teilhaben am britischen Leben und dem britischen Wetter – viele Kapitel fangen genau damit an.

Unfassbar fesselnd

Wer sich für Großbritannien und seine Menschen interessiert, dürfte Annette Dittert kennen, die mich zumindest, im Fernsehen und mit ihren Büchern immer begeistert hat. Und sie hat es mit „Dear Britain“ abermals geschafft. Die tiefen Einblicke in die Politik, die Gesellschaft und das tägliche Leben erlangt man auch dann nicht, wenn man die Insel schon mehrmals besucht hat. Britannien ist mehr als der Trafalgar Square und Edinburgh Castle. Dittert porträtiert die unterschiedlichsten Menschen und ihre Auffassungen so spannend und mit jeder Menge Humor, dass die Lektüre regelrecht süchtig macht. Sie geht auf den Brexit ein, den viele heute anders sehen und sie erzählt von ihrem Leben auf der „Emilia“, ihrem 18m² großen Kanalboot. Die englische Leidenschaft des Gärtnerns wird genauso besprochen, wie das ehemalige Rotlichtviertel Soho mitten in London oder die Tradition der Clubs. In elf Kapiteln geht es wirklich um alles, was die „britische Seele“ ausmachen könnte, auch das veraltete Abwassersystem der Insel gehört dazu. Leider fehlen Fotos und auch eine Landkarte, welche die besuchten Orte zeigen könnte.

Fazit

Wer dieses Buch liest, wird Großbritannien danach mit anderen Augen sehen. Eine absolute Leseempfehlung für alle Großbritannien-Fans. Spannend und mit viel Humor versucht Annette Dittert die „Seele“ der Inselbewohner zu ergründen. Sie dabei zu begleiten ist ein sehr interessanter Genuss, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

Dear Britain: Auf der Suche nach der Seele Großbritanniens

Annette Dittert, Dumont

Dear Britain: Auf der Suche nach der Seele Großbritanniens

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