Das Leben des Dalai Lama

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Carola Krauße-Reim
5101

Sachbuch-Couch Rezension vonSep 2025

Wissen

Biografie mit großen Lücken; Vorkenntnisse sind notwendig für Verständnis.

Ausstattung

Zeichnungen haben kaum Ähnlichkeit mit den realen Personen; Fußnoten werden angekündigt, fehlen aber; teilweise durch dunkle Schrift auf dunklem Grund nicht lesbar.

Die etwas andere Biografie.

Der Dalai Lama ist das religiöse und weltliche Oberhaupt der Tibeter. Nach seinem Tod wird seit Jahrhunderten sein Nachfolger durch eine Reinkarnation offenbar, die im ganzen Staat gesucht wird. Seit 1940 ist dieses Oberhaupt der 14. Dalai Lama, der 2025 seinen 90. Geburtstag feierte. Sein ereignisreiches Leben wurde schon in vielen Biografien geschildert, doch das vorliegende Buch ist etwas ganz Besonderes, denn es ist eine Graphic-Novel-Biografie, die zudem vom Dalai Lama autorisiert ist.

Ein Leben für das Mitgefühl

Der 14. Dalai Lama hat viel Schönes, aber auch sehr viel Tragisches erlebt. Die politische Lage in Tibet war aber sein Schicksal schlechthin. Als die Chinesen 1951 den autonomen Staat Tibet in China integrieren, wird die Lage der Bevölkerung und auch des Dalai Lama immer problematischer. Der Dalai Lama muss fliehen und lebt seit dem in Dharamsala, Indien. Obwohl das tibetische Volk seine Unabhängigkeit verlor, seine Traditionen, seine Sprache und seine Religion nicht mehr öffentlich ausgeübt werden dürfen, trat der Friedensnobelpreisträger Dalai Lama immer für Frieden, Dialog und Menschlichkeit ein. Ob nach seinem Tod eine Reinkarnation gesucht und gefunden werden kann, ist ungewiss. Die chinesische Regierung steht dem sehr kritisch gegenüber und ein Fortbestand der Nachfolge mit einem 15. Dalai Lama ist damit mehr als fraglich.

Vorwissen ist von Vorteil

Eine Biografie ist die schriftliche oder mündliche Überlieferung der Lebensgeschichte einer bekannten Person. Eigentlich sollten keine Vorkenntnisse zu dieser Person notwendig sein, dient die Biografie doch gerade der Vorstellung und des vertieften Einstiegs in die Lebensgeschichte. „Das Leben des Dalai Lama“ ist sogar eine Art Autobiografie, denn Autor Tom Taylor lässt den Dalai Lama in Ich-Form sein Leben erzählen. Das sollte somit zu einem sehr intimen Ergebnis führen und tiefe Einblicke in dieses ungewöhnliche Leben erlauben. Und obwohl ein paar Eckpunkte zu Beginn des Buches genannt werden, ist dennoch eine Vorkenntnis der Lebensgeschichte des tibetischen Gottkönigs notwendig. Allzu sprunghaft und im Rekordtempo geht es durch die jetzt 90 Lebensjahre. Wirklich tiefe Einblicke oder eine genaue Schilderung sind hier nicht möglich. Sehr bedauerlich ist auch, dass zum besseren Verständnis angekündigte Fußnoten dann überhaupt nicht erscheinen und die teilweise schwarze Schrift auf dunkelrotem Grund nur schwer zu lesen ist. Zudem sind manche Zeichnungen nicht beschriftet oder erklärt, wie z.B. die Bedeutung der Ratten.

Ähnlichkeit mit Personen ist rein zufällig

Die Zeichnungen von Matyáš Namai sind gewöhnungsbedürftig. Fast skizzenhaft oft vage und undetailliert, erscheinen sie auf das Nötigste beschränkt. Ganz besonders die Wiedergabe der Personen hätte besser sein können. Alle erscheinen fast geometrisch mit ihrem eckigen Aussehen. Eine Ähnlichkeit mit den realen Personen ist kaum auszumachen. Das merkt man besonders, wenn die neuen (und berühmten) Freunde nach der Nobelpreisverleihung gezeigt werden. Ich finde das sehr schade, geht es doch gerade in dieser Lebensgeschichte hauptsächlich um Menschen.

Fazit

Die Lebensgeschichte des 14. Dalai Lama in dieser etwas anderen Art festzuhalten, ist eine brillante Idee. Jedoch wurde sie von den beiden Machern nur bedingt gut umgesetzt. Dennoch lohnt sich die Lektüre, denn eine (Auto-)Biografie in einer Graphic-Novel zu lesen, ist immer Augen- und Kopfkino pur.

Das Leben des Dalai Lama

Matyáš Namai, Tom Taylor, Knesebeck

Das Leben des Dalai Lama

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