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Die kleine Kampfschrift ist amüsant, interessant und lesenswert. Allein schon die scharfe Zunge der Autorin macht das Buch zu einem Lektüre-Vergnügen, wenn man es in genießbaren Dosen konsumiert. Ob man die steilen Thesen von Gertrud Höhler teilt, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden.

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Die Haltung der Autorin zu Merkel nicht neu, der sie bereits vor zehn Jahren in ihrem Buch “Die Patin” die schleichende Zersetzung politischer Werte in Deutschland vorwarf. Fundierter ist ihre Kritik allerdings auch nicht geworden. Höhler mischt nach eigenem Belieben politische und biographische Details von Angela Merkel und ihrer Karriere zusammen.

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Andreas Kurth
Merkel-Kritikerin stellt die Kanzlerin an den Pranger

Sachbuch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2020

Bei den Lesern ihrer Bücher und den Zuhörern ihrer zahlreichen Vorträge ist Gertrud Höhler für ihre hochgradig elaborierte Sprache bekannt. “Angela Merkel - Das Requiem” ist ebenfalls kein Buch, das man mal nebenbei weglesen kann. Und es ist natürlich auch kein Requiem, also keine liturgische Messe für eine Verstorbene, sondern eine knallharte Abrechnung mit der deutschen Regierungschefin und ihrer Art der Amtsführung. Gleich im Prolog macht die Autorin deutlich, was sie von Angela Merkel und ihrer Politik hält. Eigentlich nichts - sie charakterisiert die Kanzlerin als Meta-Demokratin, also als eine Politikerin, die sich selbst und ihr Handeln über die Demokratie und deren Regeln stellt.

Mehrfach bezeichnet Höhler die Regierungschefin als Gesetzesbrecherin. Und sie stellt dabei immer wieder vehement einen Zusammenhang zu Merkels politischer Sozialisation in der DDR her. Sie schreibt von Merkels Lehrjahren im Einparteienstaat, nennt sie Angela M aus Restdeutschland. Der ganze Staat sei links gewesen, die Partei, Merkel eben auch. Deshalb stehe ihr Feind immer rechts, und deshalb habe sie die CDU nach links gerückt.

Unter der Fittiche zweier unterschiedlicher Mentoren - Lothar de Maizière und Helmut Kohl - sei sie von einer Funktionärin der sozialistischen DDR zu einem Mitglied der Christlich-Demokratischen Union, deren Vorsitzende und später zur Bundeskanzlerin geworden. Ein kommentarloser und bekenntnisfreier Systemwechsel - bis heute weder üblich noch möglich, so Höhler.

Merkels Machtbewusstsein sei von den Entscheidern in der CDU unterschätzt worden, stellt die Autorin fest, und prangert in der Folge die in ihren Augen falschen Entscheidungen an, die Merkel in ihren Regierungs-Soli getroffen habe. Höhler sind die sogenannte “Eurorettung”, die von ihr so bezeichnete “Verstaatlichung” der Energieerzeugung nach dem Fukushima-Schock sowie die Grenzöffnung 2015 mehr als ein Dorn im Auge. Die Omnipräsenz der Bundeskanzlerin in Deutschland und vor allem in Europa bezeichnet Höhler als Merkels Geschäftsmodell - und mahnt, das dürfe nicht mit Omnipotenz verwechselt werden.

“Die deutsche Kanzlerin war in ihrer Weltsekunde erstaunlich risikobereit unterwegs. Leichtfertig wie ein elternlos spielendes Kind kommentierte sie ihren folgenreichen Rechtsbruch 2015 mit der Bemerkung, man habe doch nur ein ‘freundliches Gesicht’ gezeigt. Ist es fahrlässiger Idealismus, der diese tragische Verwechslung von Egotrip und Staatsräson zulässt?”

Höhlers Kritik an Merkel ist nicht fundierter geworden

Immerhin ist ihre Haltung zu Merkel nicht neu, der sie bereits vor zehn Jahren in ihrem Buch “Die Patin” die schleichende Zersetzung politischer Werte in Deutschland vorwarf. Fundierter ist ihre Kritik allerdings auch nicht geworden. Höhler mischt nach eigenem Belieben politische und biographische Details von Angela Merkel und ihrer Karriere zusammen.

“Die deutsche Kanzlerin hat ihrem Amt im Laufe der Gewöhnungsjahre ihrer Anhänger zunehmend autokratische Züge verliehen. Sie regiert weitgehend am Parlament vorbei und hat das Profil ihrer Karriere-Basis, der CDU, ins Schwimmen gebracht. Längst ist klar, dass Merkel, als Agentin einer parteilosen Zukunft, Parteien zum Regieren nicht braucht.”

Die Autorin ist nicht Mitglied der CDU, wäre aber eher im rechtskonservativen und wirtschaftsnahen Flügel der Partei anzusiedeln - oder noch passender gleich bei der CSU. Wenn man es als Fakt betrachtet, dass Angela Merkel die CDU und die Politik ihrer Regierungskabinette deutlich nach links gerückt hat, mag hier der Kern der Antipathie von Gertrud Höhler liegen. Amüsant, interessant und lesenswert ist die kleine Kampfschrift allemal - allein schon die scharfe Zunge der Autorin macht das Buch zu einem Lektüre-Vergnügen, wenn man es in genießbaren Dosen konsumiert.

Fazit:

Ob man die steilen Thesen von Gertrud Höhler teilt, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden. Als Requiem sicherlich zu früh geschrieben, aber neben aller Polemik doch mit einigen bedenkenswerten Abschnitten. Die ewige Kanzlerin wird es dennoch allenfalls amüsiert zur Kenntnis nehmen - sie hat mit der Corona-Krise ohnehin gerade etwas anderes zu tun.

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