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Wissen
Ausstattung

Wissen

Catlos schreibt kenntnisreich und vermittelt den Inhalt sehr verständlich.

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Das Buch ist übersichtlich gestaltet, allerdings wären mehr direkte Quellenangaben hilfreich gewesen, um das Gesagte einzuordnen.

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Lea Gerstenberger
Krieg und Frieden im muslimischen Spanien des Mittelalters

Sachbuch-Rezension von Lea Gerstenberger Dez 2019

Von der Zeit der islamischen Herrschaft im heutigen Spanien ist vielen Leserinnen und Lesern vermutlich eher das Ende bekannt: Granada, das letzte muslimische Gebiet, wurde 1492 von den Katholischen Königen erobert.  Bis heute zeugen Sehenswürdigkeiten wie die Moschee von Córdoba oder die Alhambra in Granada von der einstigen Größe. Brian A. Catlos erzählt die wechselvollen Begebenheiten von Anfang an.

Entwicklungsreiche Jahrhunderte

Von der Ansiedlung der ersten Araber im 7. Jahrhundert über das schillernde Kalifat von Córdoba bis hin zum Zerfall der muslimischen Herrschaftsgebiete schildert der Autor chronologisch sowohl die politischen Entwicklungen als auch Aspekte des Zusammenlebens und des Glaubens. Denn auf der spanischen Halbinsel spielte sich keineswegs der jahrhundertelange Religionskrieg ab, den man retrospektiv aus dem christlichen Narrativ der Rückeroberung („Reconquista“) herauslesen könnte. Die Wahrheit war weitaus komplexer, und Catlos versucht, mit derlei Mythen aufzuräumen. Zwar spielten Glaubensfragen immer eine wichtige Rolle, weitaus bedeutsamer waren aber individuelle Machtansprüche und politische Interessen. Allianzen über die Religionsgrenzen hinweg und gegen Angehörige des eigenen Glaubens waren in al-Andalus an der Tagesordnung.

Dementsprechend gestaltete sich auch das Zusammenleben der einfachen Leute ganz abhängig von der jeweiligen Herrschaftsausübung. Von Toleranz im modernen Sinne zu sprechen, wäre zwar falsch, aber wer sich zum jeweiligen Machthaber bekannte (und entsprechende Steuern entrichtete) konnte vielfach auch als Angehöriger eines anderen Glaubens friedlich in al-Andalus leben. Catlos gelingt es jedoch, diesen oft pragmatischen Umgang mit den verschiedenen Religionen nicht zu verklären. Sobald politische Instabilität drohte, war es auch mit der Akzeptanz nicht mehr weit her. Vielfach kam es im Lauf der Jahrhunderte zu Pogromen, Verfolgungswellen und Massakern. Gerade in den Bereichen Kunst und Gelehrsamkeit jedoch profitierten die Kulturen vom gegenseitigen Austausch, und die Angehörigen der Eliten hatten religionsübergreifend bisweilen viele Gemeinsamkeiten. Der Autor schreibt von einer „vielschichtigen Koexistenz“, die weder „ein Paradies der aufgeklärten Toleranz noch ein Schlachtfeld der Kulturen war“.

Reichhaltige Geschichte(n) aus al-Andalus

Catlos erzählt kurzweilig und abwechslungsreich und bezieht dabei verschiedene Aspekte des alltäglichen und politischen Lebens für verschiedene gesellschaftliche Gruppen ein. Politische Figuren werden erläutert, Ereignisse nacherzählt und stets auch Bezüge zur Kunst und Literatur hergestellt. Auch der Blick auf die mittelalterlichen Territorien, mit denen die Herrscher von al-Andalus zu tun hatten, fehlt nicht. So sind seine Ausführungen auch ohne viel Hintergrundwissen gut verständlich. Das Bild, das er von al-Andalus zeichnet, ist lebendig und farbenfroh und erscheint sehr differenziert, auch wenn bei einigen anekdotischen Anmerkungen nicht ganz klar wird, ob es sich um Legenden oder handfeste Überlieferungen handelt.

Im Buch befinden sich einige Bilder und Karten sowie ein Anhang mit Namen, Zeittafeln und einem Glossar. Zudem gibt es eine Bibliografie, die laut Catlos einige der repräsentativsten wissenschaftlichen Beiträge verzeichnet – hier wurde dezidiert eine überschaubare Auswahl getroffen, was für eine populärwissenschaftliche Abhandlung legitim ist. Dennoch ist es schade, dass sich im ganzen Buch nur knapp 60 Fußnoten finden und es ansonsten keine direkten Belege gibt. Es wäre schön gewesen, zu einzelnen interessanten Aspekten direkt das weiterführende Material und die genannten Quellen finden zu können. Gerade bei einem reichhaltigen Buch wie diesem, das einen sehr großen Zeitraum abdeckt, hätte dies die Orientierung erleichtert. Auch Catlos‘ Ausführungen hätte man damit teilweise noch besser nachvollziehen können. In der Tat regt das Buch nämlich dazu an, sich noch näher mit der Vielseitigkeit von al-Andalus zu beschäftigen.

Fazit:

„Al-Andalus“ ist eine interessante und leicht zugängliche Abhandlung über ein vielleicht weniger bekanntes Kapitel der europäischen Geschichte, welches aber umso spannender ist. Auch für die heutige Zeit lassen sich aus der Betrachtung noch einige Lehren über Fragen des interkulturellen Zusammenlebens ziehen.

al-Andalus: Geschichte des islamischen Spanien

al-Andalus: Geschichte des islamischen Spanien

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