Dorfromantik –
Leichtes Gepäck
Spiel-Kritik von Kathrin Walther
Eine gelungene Einsteiger- & Reiseversion des Spiel des Jahres 2023
Aus Städterperspektive ist die Sicht aufs Landleben oft etwas klischeebehaftet: Viel Natur mit großen Wäldern und Wiesen, durch die sich klare Flüsschen schlängeln, kleine Dörfer, in denen jeder jeden kennt, Kinder spielen auf verkehrsarmen Straßen, gehen gemeinsam zur Schule und wachsen idyllisch auf. Das Leben ist entschleunigt und Hektik kennt man kaum. Echte Dorfromantik halt! Ob sich die Autoren des gleichnamigen Spiels diese Vorstellung wohl zum Vorbild genommen haben und ob sich beim Spielen diese Wohlfühlstimmung auch an großstädtischen Spieltischen einstellt?
Dorfromantik für unterwegs oder einen leichten Einstieg in die Welt des großen Vorbilds
Der Titel „Dorfromantik“ ist sowohl in der Brett- als auch in der Videospielszene kein unbekannter. 2021 erschien das Spiel erstmals für den PC, bevor es bereits ein Jahr später auch als Brettspiel veröffentlicht wurde. 2023 gewann das Spiel dann den Titel „Spiel des Jahres“, der ihm zu großer Bekanntheit verhalf. Im selben Jahr erschien ebenfalls die 2-Personen-Version „Dorfromantik -Das Duell“, bevor 2024 dann mit „Dorfromantik – Sakura“ eine neue Version des Grundspiels folgte, in der Japan mit seinen Kirschblüten zum Vorbild für die vielen kleinen Landschaftsplättchen wurde. Auch 2025 gibt es in der Dorfromantik-Welt wieder etwas Neues. Mit „Dorfromantik – Leichtes Gepäck“ gibt es das Spiel nun in einer praktischen Reisegröße, sodass auch unterwegs nicht auf das Spiel verzichtet werden muss. Gleichzeitig spricht die Version durch ihre etwas abgespeckte Form auch Neulinge an, da die übersichtlichen Regeln einen schnellen und einfachen Einstieg ermöglichen.
So geht’s: Ablauf und Spielprinzip
Bei „Dorfromantik – Leichtes Gepäck“ handelt es sich wie bei seinen „großen Brüdern“ um ein kooperatives Spiel. Alle versuchen gemeinsam den Highscore zu knacken und spielen gemeinsam, sodass es keine Verlierer gibt. Ziel des Spieles ist es, die verschiedenen Landschafts- und Auftragsplättchen so zu kombinieren, dass die offen liegenden Aufträge und Zielkarten bestmöglich erfüllt werden, sodass am Ende möglichst viele Punkte erreicht werden, um neue Elemente freizuschalten.
Bevor es mit dem Spiel losgehen kann, müssen zunächst ein paar Vorbereitungen getroffen werden. Je nachdem, wie weit man auf der Highscore-Leiste bereits emporgestiegen ist, werden unterschiedlich viele Sonderplättchen und Zielkarten unter die insgesamt 57 Landschafts- und 15 Auftragsplättchen gemischt. Spielt man bei der ersten Partie nur mit einem Sonderplättchen und keiner Zielkarte, sind es nach dem Erklimmen der insgesamt 16 Stufen schließlich 11 Sonderplättchen und 5 Zielkarten, mit denen es dann daran geht, die 180er Punktemarke zu knacken, um den Umschlag mit zusätzlichem Material öffnen zu dürfen.

Anschließend werden alle Landschaftsplättchen (erkennbar an der Mühle auf der Rückseite) verdeckt gemischt und in Stapeln an den Rand der Spielfläche gelegt. Drei von ihnen werden ungesehen wieder zurück in die Schachtel gelegt, sodass man nicht genau weiß, mit welchen 54 Plättchen gespielt wird. Anschließend werden die Auftragsplättchen (erkennbar an der Sprechblase auf der Rückseite) ebenfalls gemischt, gestapelt und zu den Landschaftsplättchen gelegt. Außerdem müssen noch alle Auftragsmarker verdeckt gemischt und nach Farbe sortiert am Rand aufgestapelt werden.
Nun kann es auch schon mit dem eigentlichen Spiel losgehen, bei dem reihum gespielt wird. Die ersten drei Züge bestehen aus dem Aufdecken und Legen von Auftragsplättchen, die es anschließend mithilfe der Landschaftsplättchen zu erfüllen gilt. Wurde ein Auftrag erledigt, wird im nächsten Zug ein neues Auftragsplättchen aufgedeckt, sodass immer drei unerfüllte Aufträge im Spiel sind, solange es noch verdeckte Auftragsplättchen gibt.
Auf jedes neu aufgedeckte Auftragsplättchen wird vor dem Anlegen außerdem ein Auftragsmarker gelegt, der dem Typ des Auftrags entsprechen muss: Baum steht für Wald-, gelbe Scheune für Getreide-, braunes Haus für Dorf- , blauer Wassertropfen für Fluss- und der schwarze gestrichelte Kreis für den Rundum-Auftragsmarker. Auf jedem Auftragsmarker ist außerdem eine der Zahlen 4, 5 und 6 abgedruckt, die anzeigt, wie viele passende Landschaftsplättchen angrenzend liegen müssen, um den jeweiligen Auftrag zu erfüllen. Ist ein Auftrag erfüllt, kommt der Marker aus dem Spiel und wird erst am Ende des Spiels wieder zum Ermitteln der Punkte benötigt.
Beim Anlegen der Landschaftsplättchen, bei denen es sich wie auch bei den Auftragsplättchen um kleine Sechsecke handelt, gibt es nur zwei Regeln zu beachten: Die Plättchen müssen immer Kante an Kante angelegt werden und Flüsse müssen mit einem passenden Flussplättchen fortgesetzt werden. Ob ein Getreide an ein Dorf grenzt oder ein Wald an eine Wiese ist erstmal egal und spielt nur beim Erfüllen von Aufträgen eine Rolle.
Eine Partie endet, sobald es kein Landschaftsplättchen mehr zum Aufdecken gibt, jedoch eins gezogen werden müsste. Anschließend geht es ans Ermitteln der erreichten Punkte. Mithilfe des Wertungsblock werden nun nach und nach die verschiedenen Kategorien zusammengezählt, zu denen unter anderem die verschiedenen Auftragstypen und der längste Fluss gehören. In späteren Partien kommen außerdem noch Punkte für Fahnen mit abgeschlossenen Gebiete oder auch Punkte durch erfüllte Zielkarten und Sonderplättchen hinzu, sodass immer mehr Punkte möglich sind und es auf der Punkteleiste Stück für Stück weitergeht.
Macht’s Spaß?
Wie auch die anderen Versionen richtet sich „Dorfromantik – Leichtes Gepäck“ an Spieler ab 8 Jahren und wird der Kategorie „Familienspiel“ zugeordnet. Klein und große Spieler sollen 20 bis 40 Minuten gemeinsam Spaß haben, während zusammen versucht wird, den persönlichen Highscore der letzten Partie zu knacken. Und ja, genau dieser Beschreibung ist das Spiel bei uns gerecht geworden.
Die Anleitung ist schnell gelesen und lässt sich dank der anschaulichen Bilder gut nachvollziehen, sodass auch Spieler, die eher wenig spielen, leicht ins Spiel finden sollten. Dazu tragen außerdem die erst nach und nach hinzukommenden Elemente bei, wodurch die Runden langsam komplexer werden.

Da alle ein Ziel verfolgen und nicht gegeneinander gespielt wird, kommt das Spiel ohne große Wartezeiten aus. Zwar wird reihum gezogen, doch wird gemeinsam beraten, an welcher Stelle das neue Plättchen angelegt werden soll, sodass jeder zum Mitdenken aufgefordert ist. Vor allem im Spiel mit Kindern kann so jeder je nach Fähigkeiten gut ins Spiel integriert werden, wie sich bei uns zeigte. Das vierjährige Kind freute sich, Plättchen ziehen und nach Beratung selbst anlegen zu können, während das achtjährige Kind eigene Ideen einbringen und aktiv am Erreichen des nächsten Highscores mitarbeiten konnte. Gerade das Freispielen neuer Elemente bringt einen besonderen Reiz ins Spiel, der zu neuen Runden auffordert, um endlich die 180 Punktemarke zu knacken, was mit dem Öffnen des geheimen Briefumschlags belohnt wird.
Zurück zum Anfang: Kann „Dorfromantik – Leichtes Gepäck“ auch ein Stückchen Dorfidylle an großstädtische Spieltische bringen? Für uns lässt sich diese Frage eindeutig mit Ja beantworten. Es macht Spaß, für die aufgedeckten Plättchen einen Platz zu suchen, um die Aufträge bestmöglich zu erfüllen, wobei es eigentlich kein wirkliches „falsch“ gibt (außer man will einen Fluss an eine Landschaft legen). Durch das kooperative Prinzip gibt es keinen Konkurrenzdruck, keiner ist am Ende frustriert, da er verloren hat und man freut sich gemeinsam, wenn man auf der Punkteleiste weiter nach oben kommt. Kommt man mal nicht nach weiter, kann gemeinsam gefachsimpelt werden, was man beim nächsten Mal besser machen kann und welche Strategie funktionieren könnte. Durch die im Laufe des Spiels mehr werdenden Plättchen und Zielkarten bleibt das Spiel über viele Partien spannend, wozu nicht zuletzt der geheimnisvolle Umschlag beiträgt, der erst bei 180 Punkten geöffnet werden darf. Uns hat das Spiel Lust auf mehr gemacht, das Grundspiel steht hier schon in den Startlöchern und wartet darauf, entdeckt zu werden!
Fazit
Ein schöne Version des Spiel des Jahres 2023, die sich durch ihre abgespeckte Version nicht nur gut für unterwegs eignet, sondern auch Neulingen – wie uns - einen leichten Einstieg in das „normale“ Spiel ermöglicht und Lust auf mehr macht!




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