Elizabeth – Das Leben einer Königin

Film-Kritik von Carola Krauße-Reim (09.2022) / Bilder: © squareone

Lasst Bilder sprechen!

Queen Elizabeth II war 70 Jahre auf dem britischen Thron - eine „Jahrhundertkönigin“. Für ihre Anhänger ist sie ein bewundertes Idol, für manche eine Art Familienangehörige und selbst ihre Kritiker müssen zugeben, dass sie ihre Aufgaben stets selbstlos und gewissenhaft ausführte. Sie diente ihrem Land und Volk bis zu ihrem letzten Tag. Ihr Tod am 8. September 2022 setzt einen Schlusspunkt hinter dieses Leben, das oft in der Öffentlichkeit ablief und ein Beispiel war für die Erfordernis einer Anpassung der Institution Monarchie an die steten Veränderungen in der Gesellschaft.

Die Ereignisse holten die Dokumentation ein

Der Film „Elizabeth – Das Leben einer Königin“ erschien in Deutschland am 2. September 2022. Im Rahmen der zahlreichen Feiern und Veröffentlichungen zum 70. Thronjubiläum der Queen sollte er eine weitere Dokumentation dieses langen Lebens für Monarchie und Volk sein.

Doch mit dem plötzlichen Tod der Queen nur wenige Tage später, wurde er zu einer endgültigen Hommage, der nichts mehr hinzuzufügen sein wird. Roger Michell dokumentiert in knapp 90 Minuten auf sehr ungewöhnliche Art ein 96 Jahre währendes Leben, indem er Bilder und Aufzeichnungen, ohne eigenen Kommentar, für sich sprechen lässt.

„A Portrait in Part (s)“

Anders als viele andere Dokumentationen zum Leben Queen Elizabeth II, ist diese weder chronologisch angelegt, noch zeigt sie es in Gänze. Michell hat sich einige Aspekte herausgesucht, die er in einzelnen Kapiteln beleuchtet. Diese ergeben ein Ganzes, das den Hauptinhalt dieses langen Lebens zeigt – die Arbeit als Monarchin und am Rande die Rolle einer Familienangehörigen.

Wir sehen sie unendlich oft Händeschütteln, aus einem Zug winken oder als juwelentragender und funkelnder Mittelpunkt bei Empfängen. Ihre Liebe zu Pferden wird genauso thematisiert, wie die Notwendigkeit unendlicher Sitzungen für Porträts, Büsten und Fotos.

Doch Michell zeigt auch die Schattenseiten- und Zeiten in diversen Ausschnitten. Nicht alle wollen den Fortbestand der Monarchie, gerade in unruhigen Zeiten wird diesen, wird der ganze Staatsapparat in Frage gestellt. Wir sehen Proteste und Ausschreitungen während der Thatcher-Ära oder Aufnahmen aus ehemaligen Kolonien, wie Indien. Manchmal ist ein wenig Ironie dabei, wenn u.a. Mr. Bean die Verbeugung vor der Königin übt, Liz Taylor als Cleopatra mit viel Tamtam reist oder ein Historienfilm mit Schlachtszenen hoch zu Ross und gezücktem Säbel bemüht wird.

Immer lässt Michell die Bilder für sich sprechen, enthält sich jeden Kommentars und fordert somit die Zuschauerschaft auf, sich selbst ein Bild vom Leben der Königin zu machen. Natürlich werden wir durch die Auswahl der Filmausschnitte gelenkt, doch neutral betrachtet zeigen sie nicht nur das Leben der Queen, sondern Weltgeschichte.

Originalton mit Untertitel

Diese Art der Darstellung, ohne Hintergrundkommentar und im Originalton ist eindeutig auf das englisch-sprachige Publikum zugeschnitten. Wer Englisch einigermaßen beherrscht, dürfte keine Probleme haben dem Film folgen zu können. Alle anderen müssen sich mit den deutschen Untertiteln begnügen um zu verstehen, was gesagt wird.

Das birgt Probleme, denn wenn man ständig mitlesen muss, bleibt keine Zeit die Bilder zu betrachten. Zwar wird mit dem Originalton viel Authentizität gewahrt, doch könnte er auch mehrmaliges Ansehen des Films verlangen, will man neben dem gesprochenen Inhalt auch die Bilder genießen.

Fazit

Ein etwas anders geartetes Film-Porträt von Queen Elizabeth II. Mit Originalaufnahmen, ohne Hintergrundkommentar und lediglich mit deutschen Untertiteln werden einzelne Aspekte des Lebens der Königin gezeigt, die weder chronologisch noch umfassend sind. Wer eine Darstellung im herkömmlichen Sinn möchte, dürfte enttäuscht werden. Alle anderen dürfen die Queen in vielen evtl. unbekannten Filmausschnitten sehen und zeitgleich ein Stück Weltgeschichte erfahren, die Elizabeth II in 96 Lebensjahren nicht nur erlebt, sondern auch geprägt hat.

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